Kinder- und Jugendpsychotherapie ist Psychotherapie, die auf Alter und Entwicklung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen abgestimmt ist. Neben dem Gespräch spielen Spiel, körperlicher und symbolischer Ausdruck eine große Rolle, und Eltern oder andere Bezugspersonen werden bei Bedarf einbezogen. In Österreich ist sie kein eigener Beruf, sondern eine Weiterbildung für Psychotherapeut:innen.
Was ist Kinder- und Jugendpsychotherapie?
Kinder- und Jugendpsychotherapie ist die psychotherapeutische Behandlung junger Menschen vom Säuglings- bis ins Jugendalter. Laut einer Richtlinie des Gesundheitsministeriums unterscheidet sie sich je nach Altersstufe grundlegend von der Psychotherapie mit Erwachsenen. Das betrifft die Theorie und die Methoden ebenso wie die Anforderungen an die Therapeut:innen.
Bei Kindern haben der körperliche Ausdruck und das Spiel besonderes Gewicht, dazu der Ausdruck ohne Worte und auf symbolischer Ebene. Bei Jugendlichen stehen die Entwicklungsaufgaben und die Verletzlichkeit der Pubertät im Vordergrund, was Setting, Beziehung und Kommunikationsformen verändert. Säuglinge nennt die Richtlinie ausdrücklich, weil gestörte Kommunikation mit Bezugspersonen schon in den ersten Lebensmonaten zu schweren psychischen Störungen führen kann. Im Mittelpunkt stehen dann die Bedürfnisse des Säuglings, gearbeitet wird vor allem mit der Bezugsperson und ihrem Umgang mit dem Kind.
Woher kommt sie?
Als erste Psychoanalytikerin, die Kinder behandelte, gilt Hermine Hug-Hellmuth. Wie sie das Spiel in die Behandlung einführte, beschreibt der Eintrag „Spieltherapie“. Heute bieten mehrere in Österreich anerkannte Methoden eigene Formen für junge Menschen an, etwa die Personzentrierte (früher Klientenzentrierte) Psychotherapie, die Individualpsychologie und die Psychoanalyse.
Wie läuft eine Behandlung ab?
Junge Menschen hängen stärker von ihrem Umfeld ab als Erwachsene, deshalb gehört die Arbeit mit diesem Umfeld meist dazu. Laut Psychotherapiegesetz können relevante Bezugspersonen bei Bedarf in die Behandlung einbezogen werden. Die Arbeitsweise wird an das Alter angepasst, auch mit spielerischen Elementen, und auch Gruppentherapie ist möglich. Wichtig ist außerdem, Eltern über die Erkrankung und Hilfsmöglichkeiten aufzuklären.
Wie ist sie in Österreich geregelt?
Das Psychotherapiegesetz 2024 nennt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als zielgruppenspezifische Weiterbildung. Eine solche Weiterbildung umfasst mindestens zehn ECTS-Punkte. Wer eine qualitätszertifizierte Weiterbildung abgeschlossen hat, darf ihre Bezeichnung im Beruf zusätzlich führen. Die Richtlinie des Ministeriums hält eine solche Weiterbildung oder gleichwertige Nachweise für unverzichtbar, wenn jemand diesen Arbeitsschwerpunkt angibt.
Ob ein junger Mensch selbst in die Psychotherapie einwilligen kann, hängt von seiner Entscheidungsfähigkeit ab. Bei mündigen Minderjährigen, also ab 14 Jahren, wird sie im Zweifel vermutet. Fehlt sie, braucht es die Einwilligung einer mit der Obsorge betrauten Person, meist eines Elternteils. Die Verschwiegenheit gilt gegenüber dem Kind ebenso wie gegenüber den Eltern. Ist ein Kind entscheidungsfähig, dürfen die Obsorgeberechtigten die Dokumentation nur mit seiner Einwilligung einsehen.
Was kostet sie?
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) übernimmt die Kosten bei ihren Vertragspartnern, bei freiberuflichen Psychotherapeut:innen gibt es einen Kostenzuschuss. Voraussetzung ist eine psychische Störung mit Krankheitswert, Beratungen bei Schul- oder Familienproblemen zahlt die Kasse nicht. Vor der zweiten Sitzung ist eine ärztliche Untersuchung nötig, ab der elften eine Bewilligung. Das Programm „Gesund aus der Krise“ bietet jungen Menschen bis zum 22. Geburtstag bis zu 15 kostenfreie Einheiten, vor allem für finanziell benachteiligte Familien, laut Gesundheitsportal bis Mitte 2027.
Was weiß man über die Wirkung?
Eine Auswertung von 447 Studien mit über 30.000 jungen Menschen fand im Durchschnitt einen Nutzen der Behandlung. Behandelte schnitten mit einer Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent besser ab als Vergleichspersonen. Am deutlichsten waren die Effekte bei Ängsten, schwächer bei Depressionen. Bei Behandlungen, die mehrere Probleme zugleich angingen, zeigte sich kein gesicherter Effekt.
Wer hilft sonst?
Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie sind auf Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter spezialisiert. In einer akuten Krise bietet Rat auf Draht unter 147 anonym und rund um die Uhr Beratung für Kinder und Jugendliche. Die Telefonseelsorge ist unter 142 erreichbar, im Notfall die Rettung unter 144.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.