Was ist Spieltherapie?
Spieltherapie nutzt das Spiel als Mittel der Verständigung, das Kinder verstehen und selbst einsetzen können. Fachleute begründen das mit der Entwicklung des Denkens. Jüngere Kinder können komplexe Gefühle und Beweggründe noch kaum in Worte fassen, weil ihnen das abstrakte Denken fehlt. Mit dem Symbolspiel entsteht aber eine Möglichkeit, Inneres darzustellen.
Im Spiel kann ein Kind belastende Vorstellungen und Gefühle auf das Spielgeschehen übertragen. Die Therapeut:in beobachtet das, spricht es behutsam an und begleitet das Kind dabei, Gefühle zu benennen und neue Umgangsweisen zu erproben. Darin unterscheidet sich Spieltherapie vom bloßen Spielen mit einem Kind, denn die Zeit ist auf ein therapeutisches Ziel ausgerichtet.
Woher kommt die Spieltherapie?
Das Spiel in die Behandlung von Kindern eingeführt hat die Psychoanalytikerin Hermine Hug-Hellmuth, die als erste Kinderanalytikerin gilt. Hug-Hellmuths Arbeit prägte Anna Freud und Melanie Klein. Einen eigenen Ansatz beschrieb Virginia Axline 1947 in ihrem Buch „Play Therapy“. Heute gibt es viele Richtungen, etwa kindzentrierte, psychoanalytische, jungianische und gestalttherapeutische Spieltherapie. Die nicht-direktive Spieltherapie will ausdrücklich zu Axlines ursprünglichem Vorgehen zurückkehren.
Wie läuft eine Spieltherapie ab?
Am Anfang stehen ein Gespräch, eine Einschätzung des Kindes und oft Fragebögen für Eltern und Lehrkräfte. Daraus wird ein Verhalten oder Beschwerdebild gewählt, an dem gearbeitet wird und dessen Verlauf später erneut geprüft wird. Wie lange und wie oft die Sitzungen stattfinden, ist unterschiedlich.
Als Spielzeug eignen sich Dinge aus dem Alltag wie Autos, Puppen oder ein Telefon, die zurückhaltenden Kindern den Einstieg erleichtern. Andere Dinge wie Spielzeugsoldaten erlauben es, Wut auszudrücken. Malstifte, Knetmasse, Handpuppen oder Bausteine regen den kreativen Ausdruck an. Als besonders wichtig gilt, Grenzen zu setzen. Sie sorgen für Sicherheit, schützen Kind, Therapeut:in und Raum und lassen dennoch Platz für starke Gefühle.
Wer bietet Spieltherapie in Österreich an?
Spieltherapie ist in Österreich keine eigene anerkannte Psychotherapiemethode, sondern eine Arbeitsform innerhalb solcher Methoden. So hat etwa die Personzentrierte (früher Klientenzentrierte) Psychotherapie eigene Formen der Kinder- bzw. Spieltherapie und eine Familienspieltherapie entwickelt. Eine Richtlinie des Gesundheitsressorts sieht vor, dass angehende Psychotherapeut:innen die Bedeutung des Spiels in der Behandlung von Kindern kennen und den Unterschied zu Pädagogik und Beratung aufzeigen können. Wie Psychotherapie für Kinder geregelt ist und bezahlt wird, beschreibt der Eintrag „Kinder- und Jugendpsychotherapie“.
Auch die Ergotherapie setzt Spiele ein, etwa Gesellschafts- und Bewegungsspiele. Dort dienen sie aber vor allem dazu, Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit oder Sozialverhalten für den Alltag zu fördern.
Was sagt die Forschung?
Die Studienlage ist uneinheitlich, und Fachleute bewerten sie unterschiedlich. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2010 fasst zwei Auswertungen zusammen, die sich in der Stärke ihrer Aussagen unterscheiden. Einig sind sie sich bei Kindern, die vor medizinischen Eingriffen stehen, auch wenn an der Methodik der Studien Kritik geübt wird. Bei Ängsten gelten die Ergebnisse als widersprüchlich, für viele weitere Anlässe gab es damals nur kleine Studien und Fallberichte.
Eine Übersichtsarbeit zu Kindern mit chronischen Erkrankungen fand nur sechs passende Studien mit vier bis 58 Teilnehmenden, drei davon zu einer Form, bei der Eltern in Gruppen für das Spiel mit ihrem Kind geschult werden. Zwei zeigten günstige Effekte auf depressive Beschwerden, drei kleine Studien keinen Effekt. Die Autor:innen werten die Beweislage deshalb als nicht schlüssig.
Wo liegen die Grenzen?
Spieltherapie setzt voraus, dass ein Kind symbolisch spielen kann. Sehr kleine Kinder und Kinder mit schweren Entwicklungsverzögerungen kommen deshalb weniger infrage. Jugendliche möchten irgendwann lieber wie Erwachsene behandelt werden und ziehen das Gespräch vor. Wann das so weit ist, wird im Einzelfall entschieden.