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Hochsensibilität

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Auf den Punkt gebracht

Hochsensibilität beschreibt Menschen, die Reize aus der Umwelt und aus dem eigenen Körper besonders intensiv wahrnehmen und gründlich verarbeiten. Das Konzept stammt aus der Persönlichkeitspsychologie und gilt als Persönlichkeitsmerkmal, nicht als Krankheit. Die Forschung dazu ist vergleichsweise jung und stützt sich bisher vor allem auf Fragebögen zur Selbsteinschätzung.

Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem äußere Reize wie Geräusche oder Gerüche und innere Reize wie Hunger oder Schmerz stärker wahrgenommen werden. In der Fachsprache heißt das Merkmal „Sensory Processing Sensitivity“, auf Deutsch auch Hochsensitivität. Hochsensible Menschen werden im Englischen als „Highly Sensitive Persons“ (HSP) bezeichnet.

Beschrieben haben das Konzept die US-amerikanischen Psycholog:innen Elaine und Arthur Aron in den 1990er-Jahren. In einer Reihe von sieben Studien entwickelten sie einen Fragebogen mit 27 Aussagen, die „Highly Sensitive Person Scale“, und veröffentlichten ihn 1997. Eine deutsche Fassung liegt vor.

Woran erkennt man Hochsensibilität?

Als typisch gelten eine tiefere Verarbeitung von Reizen, eine leichte Überstimulierbarkeit, starke Gefühlsreaktionen und ein feines Gespür für Details in der Umgebung. Laut dem Dorsch Lexikon der Psychologie versuchen hochsensible Menschen, Überstimulation zu vermeiden, etwa durch Rückzug. Es gibt auch Befunde zu einem besonders intensiven Erleben von Kunst und Musik.

Gemessen wird Hochsensibilität mit Fragebögen zur Selbsteinschätzung wie der HSP-Skala. Sie erfasst laut Dorsch Lexikon drei Bereiche: wie leicht jemand erregt wird, die ästhetische Sensitivität und die Höhe der Wahrnehmungsschwelle. Fachleute fordern verlässlichere und objektivere Messmethoden.

Wie häufig ist Hochsensibilität?

Die Angaben schwanken je nach Studie und Messmethode. Das Dorsch Lexikon nennt nach einer älteren Schätzung 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung, eine Übersichtsarbeit aus Polen 20 bis 35 Prozent. In einer Studie mit rund 900 Psychologiestudierenden in den USA, an der auch die Arons mitwirkten, ließen sich drei Gruppen unterscheiden. Etwa 29 Prozent waren wenig, 40 Prozent mittel und 31 Prozent hoch sensibel. Die Autor:innen schließen daraus, dass Sensibilität ein durchgehendes Merkmal ist, das bei allen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Wie entsteht Hochsensibilität?

Eine gesicherte Erklärung gibt es bisher nicht. Übersichtsarbeiten beschreiben das Merkmal als angeboren und teilweise erblich. Eine neuere Hypothese sieht den Kern darin, dass das Gehirn hochsensibler Menschen eingehenden Sinnesreizen besonders viel Gewicht gibt. Die Belege dafür sind laut den Autor:innen bislang indirekt.

Was weiß man über Hochsensibilität und psychische Gesundheit?

Nach heutigem Stand wirkt Hochsensibilität in beide Richtungen, so eine Übersichtsarbeit, an der auch Elaine Aron mitwirkte. Hochsensible Menschen reagieren stärker auf belastende Umgebungen und haben dann ein höheres Risiko für stressbedingte Beschwerden. Sie profitieren aber auch stärker von unterstützenden Erfahrungen. Bei Kindern und Jugendlichen gibt es erste Hinweise, dass Prävention und Psychotherapie bei ihnen besonders gut ansprechen.

Studien fanden Zusammenhänge mit Ängstlichkeit, Depression, sozialer Phobie und Burnout. Das Merkmal überschneidet sich außerdem mit Introversion und mit Neurotizismus, also der Neigung zu negativen Gefühlen. Wie klar sich Hochsensibilität von diesen Persönlichkeitsmerkmalen abgrenzen lässt, ist noch offen.

Wo liegen die Grenzen des Konzepts?

Hochsensibilität ist keine Krankheit: Die Fachliteratur beschreibt sie als Merkmal von Persönlichkeit und Temperament, nicht als Störung oder eigene Diagnose. Eine erhöhte Empfindlichkeit für Reize kommt aber auch bei Erkrankungen vor, etwa bei Autismus-Spektrum-Störungen, posttraumatischer Belastungsstörung oder Schizophrenie. Eine Übersichtsarbeit zu Gehirnscans, ebenfalls unter Mitwirkung von Elaine Aron, kommt zum Schluss, dass sich Hochsensibilität von diesen Erkrankungen unterscheidet, sie bezeichnet sich aber selbst als vorläufig. Was Autismus ausmacht, beschreibt der Begriff „Autismus“.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (9)