Die Bindegewebsmassage ist eine Form der Reflexzonenmassage, bei der mit den Fingerkuppen ziehende Striche über Haut und Unterhaut geführt werden. Nach der Vorstellung der Methode wirken diese Reize über Nervenverbindungen auch auf entfernte Körperbereiche und innere Organe. Sie geht auf die Krankengymnastin Elisabeth Dicke zurück, ein erstes Buch dazu erschien 1942.
Was ist eine Bindegewebsmassage?
Die Bindegewebsmassage ist eine manuelle Reflextherapie, bei der die Hände direkt auf der Haut arbeiten. Bearbeitet werden die Bindegewebsschichten in und unter der Haut, nicht in erster Linie die Muskeln. Die österreichische Massage-Verordnung zählt sie gemeinsam mit der Segmentmassage und der Fußreflexzonenmassage zu den Reflexzonenmassagen.
Hinter der Methode steht die Annahme, dass bestimmte Hautbereiche nach Rückenmarkssegmenten geordnet mit inneren Organen und mit dem Bewegungsapparat zusammenhängen. Über solche Haut-Organ-Reflexe soll die Massage auf das vegetative Nervensystem wirken. Mit herkömmlichen Massagen sei die Technik nicht zu vergleichen, hieß es schon 1962 in einer Fachbesprechung.
Woher kommt die Bindegewebsmassage?
Als Begründerin der Methode gilt die Krankengymnastin Elisabeth Dicke (1884–1952). Gemeinsam mit Hede Leube, später Teirich-Leube (1903–1979), veröffentlichte sie 1942 in Jena das Buch „Massage reflektorischer Zonen im Bindegewebe bei rheumatischen und inneren Erkrankungen“. Der Untertitel lautete „Eine neue Technik“, und bis 1953 folgten mehrere Auflagen.
Dickes eigenes Buch „Meine Bindegewebsmassage“ erschien 1953, ein Jahr nach ihrem Tod. Teirich-Leube legte ab 1957 einen „Grundriss der Bindegewebsmassage“ vor. Ende der 1960er-Jahre war die Methode in Deutschland fester Teil der Physiotherapie und wurde an den Ausbildungsstätten gelehrt. Im englischsprachigen Raum war sie damals dagegen kaum bekannt.
Wie läuft eine Bindegewebsmassage ab?
Die behandelte Person sitzt dabei zum Beispiel mit freiem Rücken auf einem Hocker oder liegt auf dem Bauch. Therapeut:innen ziehen mit den leicht gekrümmten Fingerkuppen kurze und lange Striche durch das Unterhautgewebe und dehnen es dabei. Begonnen wird mit einem Grundaufbau im Bereich von Kreuzbein, Lendenwirbelsäule und Becken. In den folgenden Sitzungen arbeitet sich die Behandlung schrittweise den Rücken hinauf.
Entlang der Striche können sich gerötete Streifen auf der Haut bilden. In einer Studie dauerte die Behandlung anfangs etwa fünf Minuten und später bis zu 25 Minuten.
Wie bei anderen Massagen kann es zu leichtem Unwohlsein oder einer vorübergehenden Verschlechterung der Beschwerden kommen. Bei erhöhter Blutungsneigung sind Blutergüsse und Blutungen möglich. Auf Knochen mit Osteoporose oder mit Absiedelungen einer Krebserkrankung darf kein direkter Druck ausgeübt werden.
Was sagt die Forschung?
Es gibt eine Reihe kleiner Studien, etwa zu Fibromyalgie, Nacken- und Kreuzschmerzen, die Ergebnisse sind aber begrenzt. Eine Übersichtsarbeit zur Fibromyalgie von 2015 fand nur eingeschränkte Belege für die Bindegewebsmassage. In einer Metaanalyse von 2025 verringerte sie die Schmerzen bei Fibromyalgie nicht nachweisbar.
Bei Nackenschmerzen linderte Bindegewebsmassage zusätzlich zu Übungen die Schmerzen kurzfristig stärker als Übungen allein. Die Autor:innen dieser Übersicht betonen jedoch, dass es nur wenige Studien und keine Langzeitdaten gibt. In einer Studie mit 70 Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen wirkten Bindegewebsmassage und klassische Massage, jeweils ergänzt durch Wärme und Übungen, ähnlich gut. Ob sich über die Haut gezielt innere Organe beeinflussen lassen, ist mit diesen Studien nicht belegt.
Wer bietet Bindegewebsmassage in Österreich an?
In Österreich gehört die Bindegewebsmassage zum Gewerbe der Massage und zum Lehrstoff der Grundausbildung gewerblicher Masseur:innen. Diese arbeiten laut Wirtschaftskammer ausschließlich vorbeugend an gesunden Menschen, ihr Ziel ist das Wohlbefinden.
Massagen zu Heilzwecken übernehmen medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen, zu deren Berufsbild Reflexzonenmassagen gehören. Dafür sind immer eine ärztliche Diagnose und Anordnung nötig. Damit die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt, braucht es eine ärztliche Verordnung.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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