Was ist eine Segmentmassage?
Die Segmentmassage zählt zu den reflektorischen Massagetechniken. Grundlage ist die Einteilung des Körpers in Segmente. Als Segment gilt eine Zone, die von einem Rückenmarksnerv versorgt wird, und dazu zählen Haut, Muskulatur, Nerven, Knochen und Organe.
Nach der Vorstellung der Methode lassen sich diese Strukturen über die Massage einer Zone reflektorisch beeinflussen. So beschreibt es die Wirtschaftskammer auf ihrer Informationsseite zum Massagegewerbe. Die österreichische Massage-Verordnung reiht die Segmentmassage gemeinsam mit Bindegewebsmassage und Fußreflexzonenmassage unter den Begriff Reflexzonenmassage.
Woher kommt die Segmentmassage?
Die Methode geht auf Otto Gläser und W. A. Dalicho zurück. 1952 erschien in Leipzig das Buch „Segmentmassage. Massage reflektorischer Zonen“ von Otto Gläser, an dem Dalicho mitarbeitete. Neu bearbeitete Auflagen folgten 1955, 1962 und 1972, ab der dritten Auflage mit beiden als Autoren. 1965 kam in Moskau eine russische Übersetzung heraus.
Der Gedanke hinter der Methode, dass innere Organe und bestimmte Hautbereiche zusammenhängen, ist allerdings älter. In den 1890er-Jahren beschrieb der Neurologe Henry Head Hautareale, die bei Erkrankungen innerer Organe überempfindlich werden. Sein Kollege James MacKenzie befasste sich vor allem bei Herzerkrankungen mit ähnlichen Beobachtungen. Diese Head-Zonen decken sich nach heutiger Auffassung weitgehend mit den Dermatomen, also den Hautbereichen, die vom selben Rückenmarksnerv versorgt werden. Mit dieser Einteilung nach Rückenmarksnerven arbeitet auch die Segmentmassage. Ob Gläser und Dalicho unmittelbar auf Head aufbauten, geht aus den verwendeten Quellen nicht hervor.
Wie läuft eine Segmentmassage ab?
Behandelt werden je nach Segment R ücken, Nacken und Kopf, Brustkorb oder Becken. Ein Physiotherapie-Lehrplan der Universität Olomouc, der sich auf Gläser und Dalicho bezieht, kennt für jede dieser Regionen eine eigene Griffabfolge. Studien beschreiben etwa eine Segmentmassage im Bereich der Lendenwirbelsäule oder im Übergang von Hals- zu Brustwirbelsäule.
Wie bei anderen Massagen kann es zu leichtem Unwohlsein oder einer vorübergehenden Verschlechterung der Beschwerden kommen. Bei erhöhter Blutungsneigung sind Blutergüsse und Blutungen möglich. Auf Knochen, die von Osteoporose oder Krebsabsiedelungen betroffen sind, darf kein direkter Druck ausgeübt werden.
Was sagt die Forschung?
Zur Wirksamkeit der Segmentmassage gibt es nur wenige Studien, und viele davon sind Jahrzehnte alt. Schon früh wurde etwa ihr Einfluss auf die Durchblutung und die Nierenfunktion untersucht, in Fachzeitschriften ebenso wie in Leipziger Doktorarbeiten der 1950er- bis 1970er-Jahre.
Eine neuere polnische Pilotstudie mit 48 Frauen mit Migräne verglich Segmentmassage mit Fußreflexzonenmassage. In beiden Gruppen gingen Schmerzen sowie Stärke, Häufigkeit und Dauer der Anfälle zurück, die Fußreflexzonenmassage schnitt dabei besser ab. Eine Übersichtsarbeit nennt als Schwächen die kleine Teilnehmerzahl und die kurze Nachbeobachtung. Ob sich über die Haut gezielt innere Organe beeinflussen lassen, ist mit diesen Daten nicht belegt, aussagekräftige neuere Studien dazu fehlen.
Wer bietet Segmentmassage in Österreich an?
In Österreich gehört die Segmentmassage zum Gewerbe der Massage und ebenso zu den Spezialmassagen der medizinischen Massageberufe. Gewerbliche Masseur:innen arbeiten laut Wirtschaftskammer nicht zu therapeutischen Zwecken, ihr Arbeitsgebiet ist die Steigerung des Wohlbefindens.
Massagen zu Heilzwecken übernehmen medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen, zu deren Tätigkeiten auch Reflexzonenmassagen zählen. Dafür sind immer eine ärztliche Diagnose und Anordnung nötig. Heilmasseur:innen können danach eigenverantwortlich arbeiten, medizinische Masseur:innen unter ärztlicher oder physiotherapeutischer Aufsicht. Damit die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt, braucht es eine ärztliche Verordnung.