balancio

Amnesie

04:40

Auf den Punkt gebracht

Amnesie ist eine Gedächtnisstörung, bei der Erinnerungen an einen bestimmten Zeitraum oder an bestimmte Inhalte ganz oder teilweise fehlen. Sie kann viele Ursachen haben, etwa eine Kopfverletzung, eine Erkrankung des Gehirns, Alkohol, bestimmte Medikamente oder eine extreme seelische Belastung. Wie lange sie anhält und ob die Erinnerung zurückkehrt, hängt von der Ursache und der Schwere einer Schädigung ab.

Was ist eine Amnesie?

Das Wort stammt vom griechischen „amnēsía“ und bedeutet Gedächtnisverlust oder Erinnerungslücke. Nach dem Zeitraum der Lücke unterscheiden Fachleute zwei Formen. Bei der retrograden Amnesie fehlen Erinnerungen an die Zeit vor dem auslösenden Ereignis, etwa vor einem Unfall. Bei der anterograden Amnesie fehlen Erinnerungen an die Zeit danach.

Betroffen sind häufiger Informationen als erlernte Fähigkeiten. Weil viele Bereiche des Gehirns am Erinnern beteiligt sind, darunter der Hippocampus tief im Gehirn, kann fast jede Schädigung des Gehirns eine Amnesie auslösen.

Was kann eine Amnesie auslösen?

Mögliche Auslöser sind Kopfverletzungen wie eine Gehirnerschütterung, ein Schlaganfall, ein Herzstillstand, Krampfanfälle oder eine Gehirnentzündung. Auch Hirntumoren, Demenzerkrankungen wie Alzheimer, chronischer Alkoholmissbrauch und bestimmte Arzneimittel oder Drogen, etwa manche Beruhigungsmittel, kommen infrage. Je nach Ursache ist eine Amnesie vorübergehend, bleibt dauerhaft bestehen oder schreitet fort, wie bei einer Demenz.

Eine ungewöhnliche Form ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom. Es entsteht in der Regel durch einen Mangel an Vitamin B1 (Thiamin), besonders häufig bei Alkoholkrankheit und Mangelernährung, und ist ein medizinischer Notfall. Betroffene vergessen vor allem Kürzliches und neigen dazu, sich Dinge auszudenken, statt Lücken zuzugeben.

Was ist eine vorübergehende globale Amnesie?

Bei dieser Form können Menschen plötzlich für einige Stunden keine neuen Erinnerungen speichern. Sie sind beunruhigt und ängstlich, fragen oft immer wieder dasselbe und können zeitlich und örtlich verwirrt sein, erkennen aber andere Menschen meist. Der Gedächtnisverlust dauert im Schnitt etwa sechs Stunden. Betroffen sind meist Menschen zwischen 50 und 70 Jahren.

Die Ursache ist nicht bekannt. Mögliche Auslöser sind etwa körperliche Anstrengung, ein plötzliches Bad in kaltem oder heißem Wasser oder emotionaler Stress, meist findet sich aber keiner. Bleibende Folgen hat die vorübergehende globale Amnesie nicht, und meist tritt sie nur einmal im Leben auf. Weil plötzlicher Gedächtnisverlust auch andere Ursachen haben kann, untersuchen Ärzt:innen etwa Blut und Gehirn genauer.

Kann seelische Belastung Erinnerungen auslöschen?

Nach überwältigendem Stress können wichtige persönliche Erinnerungen fehlen, meist an belastende oder traumatische Ereignisse. Fachleute sprechen dann von dissoziativer Amnesie, die im Eintrag „Dissoziative Störungen“ beschrieben ist. Oft bewirkt ein Trauma allerdings das Gegenteil. Betroffene können das Erlebte nicht vergessen und erleben es immer wieder.

Anders als in vielen Filmen liegen verlorene Erinnerungen auch nicht unverändert wie auf einem Video bereit. Beim Erinnern setzt das Gehirn ein Ereignis aus Teilen neu zusammen.

Wie wird eine Amnesie abgeklärt und behandelt?

Ärzt:innen fragen nach der Krankengeschichte, untersuchen das Nervensystem und prüfen das Gedächtnis mit einfachen Tests. Manchmal folgt eine Magnetresonanztomographie (MRT). Behandelt wird, wenn möglich, die Ursache, was die Amnesie verbessern kann, aber nicht muss. Bei leichten Schäden kehrt das Gedächtnis oft von selbst zurück, nach schweren Schäden häufig nicht.

Wer nach einem Sturz Probleme mit dem Denken oder dem Gedächtnis hat, könnte eine Gehirnerschütterung haben. Dann sollte der Notruf 144 gewählt werden. Rasch ärztliche Hilfe braucht auch, wer sehr verwirrt ist oder zusätzlich Kopfschmerzen, Sprach- oder Sehstörungen hat. Für die genauere Abklärung von Gedächtnisproblemen gibt es in Österreich Gedächtnisambulanzen, häufig an neurologischen oder psychiatrischen Abteilungen. Für die Abklärung dort wird in der Regel eine Zuweisung durch Fachärzt:innen für Neurologie oder Psychiatrie empfohlen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (11)