balancio

Systemisches Coaching

05:38

Auf den Punkt gebracht

Systemisches Coaching ist eine zeitlich begrenzte Beratung, meist zu beruflichen Fragen, die eine Person oder ein Team nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenspiel mit ihrem Umfeld. Ziel ist, dass die Gecoachten eigene Lösungen finden. Coaching zählt in Österreich nicht zu den Gesundheitsberufen und ersetzt keine Behandlung psychischer Erkrankungen.

Was ist systemisches Coaching?

Systemisches Coaching verbindet die Beratungsform Coaching mit einer systemischen Sichtweise. Der Österreichische Coachingdachverband beschreibt Coaching als zeitlich begrenzten, zielorientierten Beratungs- und Begleitungsprozess im beruflichen Kontext, für Einzelpersonen, Gruppen oder Teams. Coaches liefern dabei keine fertigen Ratschläge, sondern entwickeln Lösungen gemeinsam mit ihren Klient:innen.

„Systemisch“ heißt laut Wirtschaftskammer, dass nicht nur die einzelne Person im Blick ist, sondern das soziale System, in dem sie sich bewegt, etwa Familie, Paar oder Gruppe. Als Grundlage systemischer Beratung nennt sie Systemtheorien, Konstruktivismus und Kybernetik.

Woher kommen Coaching und systemisches Denken?

Das englische Wort „Coach“ bedeutete ursprünglich „Kutsche“ und geht über das Französische auf das ungarische „kocsi“ zurück. Nach Darstellung des Coachingdachverbands wurde Coaching aus dem Sport auf das Management übertragen.

Die systemische Sichtweise in Beratung und Therapie geht vor allem auf die Familientherapie zurück, ihre Denkansätze stammen laut Sozialministerium aber aus mehreren Disziplinen. Ein Gutachten des deutschen Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie beschreibt die Systemische Therapie als Weiterentwicklung der frühen Familientherapie der 1950er- und 1960er-Jahre in den USA.

Wie läuft ein systemisches Coaching ab?

Am Anfang steht ein Auftrag, in dem Coach und Klient:in Inhalte und Ziele festlegen. Die Analyse des Problems bleibt laut Coachingdachverband kurz, der Schwerpunkt liegt auf Zielen und Wegen dorthin. Die eigentliche Veränderungsarbeit leisten die Gecoachten selbst, sie bestimmen auch, wie tief das Coaching geht.

Im Mittelpunkt stehen Beziehungen und Wechselwirkungen. Das Sozialministerium beschreibt für die Systemische Familientherapie Werkzeuge wie zirkuläre Fragen, Metaphern, Beobachtungsaufgaben oder Skulpturen, mit denen Beziehungen dargestellt werden. Diese Therapieform wird laut Ministerium auch in Supervision und Organisationsberatung angewendet, und Coaching greift nach Darstellung des Coachingdachverbands auf viele dieser Methoden zurück.

Ist Coaching eine Therapie?

Nein, Coaching zählt laut öffentlichem Gesundheitsportal nicht zu den Gesundheitsberufen. Im Coaching werden keine Diagnosen gestellt und keine Behandlungen im medizinischen, psychologischen oder psychotherapeutischen Sinn durchgeführt. Die Gewerbeordnung nimmt die Psychotherapie ausdrücklich von der psychologischen Beratung in der Lebens- und Sozialberatung aus.

Davon zu unterscheiden ist die Systemische Familientherapie, die in Österreich ein anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren ist. Sie gehört zur Psychotherapie und nicht zum Coaching.

Wer bietet systemisches Coaching in Österreich an?

Wer Coaching gewerblich anbietet, braucht eine Gewerbeberechtigung. Die Wirtschaftskammer ordnet Coaching dem Gewerbe der Lebens- und Sozialberatung zu, dessen Rahmen § 119 der Gewerbeordnung vorgibt.

Die Bezeichnung „Coach“ selbst ist laut Arbeitsmarktservice nicht geschützt, die selbstständige Ausübung ist aber gewerberechtlich geregelt. Lebens- und Sozialberater:innen, die den Befähigungsnachweis in vollem Umfang erbringen, dürfen sich „Diplom-Lebensberater:in“ nennen. Sie sind gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Was weiß man über die Wirkung?

Für Coaching am Arbeitsplatz berichten Übersichtsarbeiten seit über zehn Jahren übereinstimmend einen moderaten positiven Effekt, so eine Metaanalyse von 2023. Die Forschungslage bleibt aber begrenzt, unter anderem fehlen kontrollierte Studien. Ob die theoretische Ausrichtung eines Coachings einen Unterschied macht, konnte die Metaanalyse nicht klären. Studien speziell zum systemischen Coaching fehlen.

Wo liegen die Grenzen?

Coaching ersetzt keine medizinische, psychologische oder psychotherapeutische Behandlung, laufende Behandlungen sollen nicht unter- oder abgebrochen werden. Bei psychischen Erkrankungen ist ein sinnvoller Coachingprozess laut Wirtschaftskammer oft nicht möglich, im schlimmsten Fall kann er den Heilungsprozess beeinträchtigen. Die Wirtschaftskammer sieht deshalb vor, dass Klient:innen den Coach über Diagnosen, psychische Erkrankungen und Medikamente informieren. Vermuten Coaches eine Erkrankung, sollen sie eine Abklärung bei einem passenden Gesundheitsberuf empfehlen.

Unerwünschte Wirkungen von Coaching sind wenig erforscht. In einer deutschen Studie zu einem kurzen Arbeitscoaching mit drei Sitzungen fühlten sich 20 Prozent der Teilnehmenden mit psychischer Erkrankung vom Coach abhängig. Ohne Erkrankung waren es 4 Prozent. Bei psychischen Beschwerden kann die Hausärztin oder der Hausarzt eine erste Anlaufstelle sein und bei Bedarf weiterverweisen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Systemisches Coaching explizit als Leistung in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (14)