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Polyneuropathie

05:19

Auf den Punkt gebracht

Bei einer Polyneuropathie sind mehrere Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark gleichzeitig geschädigt. Typisch sind Kribbeln, Taubheit oder brennende Schmerzen, die meist an den Füßen beginnen. Die häufigste Ursache ist Diabetes, und wird die Ursache erkannt und behandelt, lässt sich das Fortschreiten oft verlangsamen.

Was ist eine Polyneuropathie?

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, also der Nerven, die Gehirn und Rückenmark mit dem übrigen Körper verbinden. Sind sie geschädigt, werden Reize nicht mehr oder nur eingeschränkt weitergeleitet. Betroffen sein können Nerven für Gefühlsreize, für die Muskeln oder für die Organfunktionen.

Meist beginnt die Erkrankung langsam, und die Beschwerden nehmen schleichend zu. Halten sie länger als acht Wochen an, spricht man von einer chronischen Polyneuropathie.

Woran erkennt man eine Polyneuropathie?

Häufig sind zuerst die Nerven für Gefühlsreize an Füßen und Unterschenkeln betroffen, manchmal auch an den Händen. Typisch sind Kribbeln wie Ameisenlaufen, Taubheit sowie brennende oder stechende Schmerzen, die bei der diabetischen Form oft nachts stärker werden. Berührung, Temperatur und Vibration werden schlechter wahrgenommen, die Beschwerden breiten sich mit der Zeit zur Körpermitte hin aus.

Weil auch das Gespür für die Lage der Füße nachlässt, gehen viele Betroffene unsicher, besonders im Dunkeln, und stürzen leichter. Später können Muskelschwäche und Lähmungen dazukommen. Sind die Nerven der Organe betroffen, zeigen sich etwa Schwindel beim Aufstehen, Verdauungs- oder Blasenstörungen, Erektionsstörungen oder eine veränderte Schweißbildung.

Schmerz und Temperatur werden an den Füßen oft schlechter wahrgenommen, sodass Verbrennungen und Wunden spät auffallen. Die Füße sollten deshalb regelmäßig gepflegt und auf Verletzungen kontrolliert werden.

Ein medizinischer Notfall liegt vor, wenn Gefühlsstörungen und Lähmungen plötzlich auftreten und sich rasch verschlechtern, oder wenn Fieber, starke Kopfschmerzen, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen hinzukommen. Dann sofort die Rettung unter 144 rufen.

Welche Ursachen gibt es?

Die häufigste Ursache ist Diabetes mellitus. Manchmal ist eine Polyneuropathie an Händen und Füßen sogar der erste Hinweis auf einen Diabetes. Weitere Ursachen sind eine Alkoholkrankheit, ein Mangel an Vitamin B1 oder B12, eine Schilddrüsenunterfunktion, Nieren- oder Lebererkrankungen und Infektionen wie Borreliose oder HIV. Auch Giftstoffe wie Schwermetalle, manche Medikamente etwa in der Chemotherapie, Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen und erbliche Formen kommen infrage.

Selbst zu viel Vitamin B6 aus hoch dosierten Präparaten kann in seltenen Fällen Nerven schädigen. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen lässt sich keine Ursache finden.

Wie wird sie festgestellt?

Bei typischen Beschwerden lohnt es sich, bald ärztliche Hilfe zu suchen, weil sich das Fortschreiten manchmal aufhalten lässt. Bei leichten, langsam entstehenden Beschwerden ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle, zur genaueren Abklärung folgen Fachärzt:innen für Neurologie oder eine neurologische Ambulanz. Im Gespräch geht es um Vorerkrankungen, Alkohol, Medikamente, Infektionen, Kontakt mit Giftstoffen und ähnliche Beschwerden in der Familie.

Bei der Untersuchung prüfen Ärzt:innen etwa mit einer Stimmgabel das Vibrationsempfinden, außerdem Muskelkraft und Reflexe. Blutuntersuchungen und Messungen der Nerven- und Muskelaktivität (Elektroneurographie und Elektromyographie) helfen, Schwere und Ursache einzugrenzen.

Was hilft bei einer Polyneuropathie?

Wenn möglich, wird die Ursache behandelt. Bei Diabetes kann ein eingestellter Blutzucker das Fortschreiten bremsen oder aufhalten. Nervenschädigende Stoffe wie Alkohol oder bestimmte Medikamente werden vermieden, autoimmun bedingte Formen mit Kortison oder Immunglobulinen und bakterielle Infektionen mit Antibiotika behandelt.

Die Behandlung der Schmerzen ist oft schwierig, völlige Schmerzfreiheit gelingt häufig nicht. Realistische Ziele sind etwa eine Linderung um 30 bis 50 Prozent, besserer Schlaf und eine bessere Lebensqualität. Eingesetzt werden bestimmte Epilepsie-Medikamente und Antidepressiva, äußerlich angewendete örtliche Betäubungsmittel und bei starken Schmerzen Opioide. Ob ein Mittel wirkt, lässt sich erst nach zwei bis vier Wochen beurteilen.

Physio- und Ergotherapie sollen Fehlhaltungen und falschen Bewegungsabläufen vorbeugen, eine Elektrostimulation über die Haut (TENS) kann hilfreich sein. Bei Lähmungen erleichtern Schienen und Gehhilfen den Alltag. Weil eine Polyneuropathie oft auch seelisch belastet, kann eine Psychotherapie oder psychologische Behandlung unterstützen. Die Kosten notwendiger Behandlungen übernimmt die Sozialversicherung, bei manchen Leistungen kann ein Selbstbehalt anfallen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (3)