Bei der Klopfakupressur, englisch Tapping, wird mit den Fingerspitzen auf Akupunkturpunkte geklopft, während die Aufmerksamkeit auf einem belastenden Gefühl oder Erlebnis liegt. Eine weit verbreitete Form sind die Emotional Freedom Techniques (EFT) aus den 1990er-Jahren. Studien berichten über weniger Angst und Belastung, haben aber oft methodische Schwächen, deshalb sind die Ergebnisse noch nicht gesichert.
Was ist Klopfakupressur?
Klopfverfahren wie EFT verbinden Elemente von Konfrontations- und kognitiven Verfahren mit Akupressur. Das auffälligste Merkmal ist das leichte Beklopfen von Akupunkturpunkten mit den Fingerspitzen, daher der englische Name „Tapping“. Während des Klopfens konzentrieren sich die Übenden auf ein bestimmtes Gefühl oder eine belastende Erinnerung.
Eine zentrale Organisation, die festlegt, was EFT ist, gibt es nicht. Viele Anwender:innen haben deshalb eigene Varianten entwickelt. Für die Forschung wurde 2013 in einem Konsenspapier eine nach Handbuch festgelegte Form beschrieben, die „Clinical EFT“. Ein großer Teil der Anwendung erfolgt als Selbsthilfe, da die Grundabfolge leicht zu lernen ist.
Woher kommt die Klopfakupressur?
EFT geht auf die Thought Field Therapy (TFT) des klinischen Psychologen Roger Callahan zurück. Callahan machte das Klopfen auf Akupressurpunkte in den 1980er-Jahren bekannt, hatte es aber selbst von anderen übernommen. Ein Schüler Callahans, Gary Craig, vereinfachte die Methode und beschrieb sie 1995 im „EFT Manual“ als Emotional Freedom Techniques. Weil die Anleitung frei im Internet verfügbar war, verbreitete sich EFT stark.
Wie läuft eine Klopfsitzung ab?
Eine Sitzung beginnt mit einem Einstimmungssatz, dem „Setup Statement“. Er benennt zuerst das Problem, etwa „Auch wenn ich dieses Problem habe …“, und endet mit einer Annahme der eigenen Person wie „… akzeptiere ich mich voll und ganz“. Dabei wird ein festgelegter Punkt beklopft. Danach werden weitere Punkte beklopft, während das Problem wiederholt benannt wird.
Vertreter:innen der Methode vergleichen den ersten Teil mit der Konfrontation in Expositionsverfahren und den zweiten mit kognitiven Techniken. In Studien reichte der Umfang von einer einzigen Sitzung bis zu 56 Übungseinheiten.
Was sagt die Forschung?
Es gibt viele Studien, ihre Qualität ist aber uneinheitlich. Eine Übersichtsarbeit von 2025 fand sieben randomisierte Studien zu Angstbeschwerden mit 506 Teilnehmenden. Die Autor:innen geben keine Interessenkonflikte an. Gegenüber keiner Behandlung schnitt EFT besser ab, gegenüber kognitiver Verhaltenstherapie zeigte sich in der einzigen Vergleichsstudie kein Unterschied. Die meisten Studien hatten Schwächen, etwa weil Beschwerden nur selbst eingeschätzt und die Untersuchenden nicht verblindet waren. Feste Schlussfolgerungen lassen sich daraus laut den Autor:innen nicht ziehen.
Eine weitere Übersicht von 2025 mit 13 Studien und 621 Teilnehmenden berichtet über weniger Beschwerden bei Posttraumatischer Belastungsstörung, die bis zu drei Monate anhielten. Andere positive Übersichten stammen allerdings von Fachleuten, die mit Veröffentlichungen und Vorträgen zur Methode Geld verdienen, etwa eine große Übersicht von 2022 mit 56 randomisierten Studien.
Kritiker:innen bemängelten schon 2009 methodische Fehler in frühen Studien. Sie halten es für möglich, dass die Erfolge auf bekannte kognitive und verhaltenstherapeutische Bestandteile zurückgehen. In einer viel zitierten Studie verbesserten sich auch Personen, die auf andere Punkte oder auf eine Puppe klopften. Welche Rolle die Akupunkturpunkte spielen, ist also offen. Schwere Nebenwirkungen wurden in den Studien, die danach fragten, nicht berichtet.
Wo liegen die Grenzen?
Die Autor:innen der Übersicht zu Angststörungen sehen EFT als mögliche Ergänzung zu etablierten Behandlungen. Der Nutzen muss aber erst in besseren Studien bestätigt werden. Bei anhaltenden psychischen Beschwerden kann die Hausärztin oder der Hausarzt eine erste Anlaufstelle sein. Psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen werden in Österreich unter anderem psychotherapeutisch, klinisch-psychologisch oder fachärztlich behandelt. Auf der Liste der in Österreich anerkannten psychotherapeutischen Methoden, die das Gesundheitsportal veröffentlicht, steht die Klopfakupressur nicht.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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