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Chakra

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Auf den Punkt gebracht

Chakra ist ein Sanskrit-Wort für „Rad“ oder „Kreis“. In tantrischen Strömungen des Hinduismus und Buddhismus bezeichnet es Zentren eines feinstofflich gedachten Körpers, die in Meditation und Yoga eine Rolle spielen. Das heute verbreitete Bild von sieben Chakren in Regenbogenfarben mit festen Bedeutungen ist größtenteils eine westliche Umdeutung des 19. und 20. Jahrhunderts.

Was bedeutet Chakra?

Das Sanskrit-Wort cakra bedeutet zunächst „Rad“, etwa das Rad eines Wagens, aber auch „Kreis“ oder „Scheibe“. In tantrischen Texten steht es außerdem für ein mystisches Kreisdiagramm. Im Deutschen ist das Wort sächlich, die Mehrzahl lautet Chakras oder Chakren. Der Duden beschreibt ein Chakra als eines der Zentren spiritueller Kraft im Körper nach indischer Lehre.

Chakren gehören zu religiösen Lehren über einen sogenannten feinstofflichen oder yogischen Körper. In diesen Lehren wird der Körper der übenden Person mit dem ganzen Universum gleichgesetzt. Alte Texte nennen die Zentren nicht nur Räder, sondern auch Lotusblüten.

Woher kommt die Vorstellung von Chakren?

Die Vorstellung der Chakren stammt aus tantrischen Texten Indiens. Nach David Gordon White, der eine kurze Geschichte des Yoga verfasst hat, beschreiben erst tantrische Werke wie das buddhistische Hevajra-Tantra aus dem 8. Jahrhundert eine Abfolge innerer Energiezentren. Diese frühen buddhistischen Quellen kennen vier Zentren entlang der Wirbelsäule. Spätere hinduistische Tantras zählen fünf, sechs, sieben, acht oder mehr. Die heute „klassische“ Reihe von sieben Chakren entstand noch später.

Besonders einflussreich wurde das Ṣaṭcakranirūpaṇa, die „Beschreibung der sechs Zentren“. Es stammt von dem bengalischen Tantriker Pūrṇānanda und ist Teil eines größeren Werks, das nach Angaben seines Übersetzers 1577 entstand. Der Text beschreibt sechs übereinanderliegende Zentren. Das Wörterbuch von Monier-Williams nennt sie von unten nach oben Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und Ājñā. Darüber liegt im Kopf ein oberstes Zentrum, der Sahasrāra.

Im Hatha Yoga verbinden sich die Chakren mit der Vorstellung der Kundalini, einer schlangenförmig eingerollten Kraft am unteren Ende des Körpers. Durch Atemübungen geweckt, soll sie entlang der Wirbelsäule aufsteigen und dabei jedes Chakra durchdringen.

Wie entstand das westliche Chakra-Bild?

Das westliche Bild der Chakren entstand über rund hundert Jahre. Der Autor Kurt Leland hat es nachgezeichnet: In den 1880er-Jahren verbreiteten Helena Blavatsky und die Theosophische Gesellschaft sieben Chakren und verbanden sie mit Nervengeflechten. 1919 erschien die englische Übersetzung des Ṣaṭcakranirūpaṇa durch den Richter John Woodroffe unter dem Namen Arthur Avalon. Ab den 1920er-Jahren wurden den Chakren Hormondrüsen zugeordnet, später einzelne Regenbogenfarben. Erst 1977 erschienen Farben und die heute bekannten Eigenschaften wie Erdung, Mitgefühl oder Intuition gemeinsam im Druck.

Nach Leland kennen die indischen Texte zwar Farben, aber keinen Regenbogen. Auch vom „Ausgleichen“ der Chakren ist dort keine Rede. Die Chakren sollen vielmehr durchdrungen und überwunden werden, um Befreiung zu erlangen.

Was ist eine Chakra-Meditation?

Im Ṣaṭcakranirūpaṇa gehört die Arbeit mit den Chakren zu einer historischen Praxis, die dort Kundali Yoga heißt und in der die sechs Zentren nacheinander durchdrungen werden. Sie ist nicht mit dem modernen Stil „Kundalini Yoga“ gleichzusetzen. Zwei in Studien untersuchte Programme verbanden die Chakren mit Bewegung, Atemübungen, Mantras und Meditation. Eine davon hatte nur 13 Teilnehmende und keine Vergleichsgruppe, die andere 97 Teilnehmende. Weil die Chakren dort mit anderen Übungen kombiniert wurden, lässt sich ihre eigene Wirkung daraus nicht ableiten.

Wo liegen die Grenzen?

Chakren sind religiöse Vorstellungen, keine Organe. Die Zuordnung zu Nervengeflechten, Drüsen oder Krankheiten stammt nach Leland nicht aus den indischen Quellen, sondern kam erst im Westen hinzu, zunächst in theosophischen Kreisen. Eine medizinhistorische Arbeit wertet etwa die Verbindung von Chakren und Zirbeldrüse bei Blavatsky als Fortschreibung eines historischen Irrtums. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten.

Meditation kann auch unerwünschte Wirkungen haben, etwa Angst oder depressive Beschwerden, selbst bei Menschen ohne frühere psychische Probleme. In einer akuten Krise hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, im Notfall die Rettung unter 144.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (12)