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Provokative Therapie

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Auf den Punkt gebracht

Die Provokative Therapie ist ein Gesprächsansatz, der bewusst mit Humor, Übertreibung und Herausforderung arbeitet. Sie geht auf den US-Amerikaner Frank Farrelly zurück, der sie Anfang der 1960er-Jahre in der Psychiatrie entwickelte. Im deutschsprachigen Raum wurde daraus der „Provokative Ansatz“ für Therapie, Beratung und Coaching.

Was ist Provokative Therapie?

Der Name leitet sich vom lateinischen „provocare“ ab, das „hervorrufen“ bedeutet. Gemeint ist, bei Klient:innen neue und hilfreichere Verhaltensweisen hervorzurufen, wenn sie in ungünstigen Mustern und Überzeugungen feststecken. Provokation im Sinn von Kränken ist damit nicht gemeint.

Humor ist dabei ein wesentliches Werkzeug. Therapeut:innen setzen ihn gezielt ein, um Botschaften zu vermitteln, und verbinden ihn mit paradoxen Elementen. Gleichzeitig sollen sie Wärme und Wertschätzung zeigen. Laut der deutschen Schule gingen bei Farrelly Humor und Provokation mit Einfühlung und Wohlwollen Hand in Hand.

Woher kommt die Provokative Therapie?

Frank Farrelly (1931–2013) war ausgebildeter Sozialarbeiter mit Masterabschluss. Er entwickelte die Methode Anfang der 1960er-Jahre in den USA bei der Arbeit mit Menschen, die schon lange an Schizophrenie erkrankt waren. Nach Angaben der deutschen Schule war er damals Mitarbeiter in einem Projekt von Carl Rogers, auf den die heutige Personzentrierte Psychotherapie zurückgeht. Gemeinsam mit A. M. Ludwig veröffentlichte Farrelly 1966 und 1967 Fachartikel in US-amerikanischen Zeitschriften für Psychiatrie und Psychotherapie.

Farrelly arbeitete laut dem Deutschen Institut für Provokative Therapie fast zwanzig Jahre an einer psychiatrischen Klinik in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin. Später gab er weltweit Workshops, sein Buch „Provocative Therapy“ erschien auch auf Deutsch. Noni Höfner lernte ihn in den 1980er-Jahren kennen und gründete 1988 das Institut in München. Mit ihrer Tochter Charlotte Cordes entwickelte sie die Methode zum Provokativen Ansatz weiter.

Wie läuft eine Sitzung ab?

Die Provokative Therapie ist eine Gesprächsform, die einzeln, in Gruppen und mit Familien angewendet wird. Typische Mittel sind humorvolle Spitznamen, Witze und Metaphern sowie das Übertreiben von Ansichten und Verhalten der Klient:innen. Farrelly setzte dabei auf eine bildhafte, sinnliche Sprache. Die Therapeut:innen nehmen Klient:innen ernst und fordern sie zugleich heraus.

Was sagt die Forschung?

Zur Provokativen Therapie selbst gibt es kaum Studien. Eine Übersichtsarbeit von 2023 wertete zehn Studien zu Humor in der Psychotherapie bei Depression und Angst aus. Zwei davon untersuchten Humor, den Therapeut:innen gezielt einsetzten, darunter Elemente der Provokativen Therapie.

Die Autor:innen fanden Hinweise auf positive Effekte auf depressive Beschwerden und Angst. Die Studien waren aber klein und sehr unterschiedlich angelegt, deshalb sind die Ergebnisse laut den Autor:innen nur mit Vorsicht zu bewerten.

Wo liegen die Grenzen?

Humor in Therapie und Beratung ist nicht ohne Risiko. Fachleute nennen Missverständnisse, einen unpassenden Einsatz oder Humor, der zur Waffe wird. Wer Klient:innen herabsetzt, auslacht oder nachahmt, kann ihr Vertrauen verlieren. Ob der provokative Stil zu jemandem passt, hängt deshalb stark von der Beziehung und vom Fingerspitzengefühl der Fachperson ab.

In Österreich gehört die Provokative Therapie nicht zu den vom Gesundheitsministerium anerkannten Psychotherapiemethoden. Psychotherapie ausüben darf nur, wer in der Berufsliste Psychotherapie eingetragen ist. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Bei psychischen Störungen gehört das auch zum Beruf von Psychotherapeut:innen sowie Klinischen und Gesundheitspsycholog:innen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (10)