Was ist PMDS?
Viele Frauen haben vor ihrer Regelblutung leichte Beschwerden. Bei einer PMDS sind Betroffene in diesen Tagen dagegen ungewöhnlich leicht reizbar, weinerlich und stark deprimiert. Das Interesse an alltäglichen Dingen kann stark nachlassen, und das tägliche Leben ist deutlich eingeschränkt.
„Dysphorisch“ beschreibt eine bedrückte, traurige und gereizte Stimmung. Laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sind etwa 3 bis 8 von 100 Mädchen und Frauen betroffen. Andere Fachquellen nennen etwas niedrigere Zahlen. PMDS wird zudem oft nicht erkannt.
Wie wird PMDS eingeordnet?
In der internationalen Klassifikation ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die PMDS eine eigene Diagnose bei den prämenstruellen Beschwerden. Zugleich wird sie dort wegen der im Vordergrund stehenden Stimmungsbeschwerden auch bei den depressiven Störungen aufgeführt.
Im US-amerikanischen Diagnosehandbuch DSM stand sie zunächst nur im Anhang, anfangs unter dem Namen „late luteal phase dysphoric disorder“. Für die Ausgabe DSM-IV wurde sie in „premenstrual dysphoric disorder“ umbenannt. Inzwischen ist sie sowohl im DSM-5 als auch in der ICD-11 enthalten.
Woran erkennt man PMDS?
Typisch ist ein wiederkehrendes Muster über die meisten Zyklen des vergangenen Jahres. Einige Tage vor der Regelblutung beginnen Stimmungsbeschwerden wie gedrückte Stimmung oder Reizbarkeit. Dazu können Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Heißhunger, Konzentrationsprobleme oder Vergesslichkeit kommen. Wenige Tage nach Beginn der Blutung bessern sie sich und sind etwa eine Woche danach weitgehend verschwunden.
Für die Diagnose sollten die Beschwerden mindestens zwei Zyklen lang in einem Tagebuch notiert werden. Sie müssen deutlich belasten oder den Alltag beeinträchtigen und dürfen nicht bloß eine andere psychische Erkrankung verstärken. Von einer Depression lässt sich eine PMDS meist am zeitlichen Verlauf abgrenzen. Verschwinden die Beschwerden kurz nach Beginn der Blutung, spricht das eher für PMS oder PMDS.
Wie entsteht PMDS?
Die Ursachen sind wie beim prämenstruellen Syndrom nicht abschließend geklärt. Vermutet wird, dass manche Frauen besonders empfindlich auf die Hormonschwankungen im Zyklus reagieren, obwohl ihre Hormonspiegel oft normal sind. Auch der Botenstoff Serotonin und eine familiäre Veranlagung dürften eine Rolle spielen.
Was hilft bei PMDS?
Bei starken psychischen Beschwerden gelten Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) laut MSD Manual als erste Wahl. Studien zeigen, dass sie die Beschwerden lindern und den Alltag erleichtern können. Mögliche Nebenwirkungen sind etwa Übelkeit, Schlafstörungen und weniger sexuelle Lust.
Auch hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können die Beschwerden lindern, sie erhöhen aber geringfügig das Risiko für Blutgerinnsel. Ob eine kognitive Verhaltenstherapie hilft, ist laut IQWiG noch unklar. Das MSD Manual hält sie dagegen bei Stimmungsschwankungen auch bei PMDS für hilfreich.
Hält eine schwere PMDS trotz Behandlung an, kommen Medikamente infrage, die die Hormonbildung der Eierstöcke stark drosseln. Sie lösen häufig Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen aus. Als letztes Mittel ist eine Entfernung der Eierstöcke möglich. Sie wirkt wie die Wechseljahre und erhöht unter anderem das Risiko für Osteoporose.
Wo gibt es Hilfe?
Erste Anlaufstelle ist meist eine Frauenärztin oder ein Frauenarzt. Bei depressiven Beschwerden kann eine weitere psychologische oder psychiatrische Abklärung sinnvoll sein.
Bei einer PMDS können auch Gedanken an Suizid auftreten. Dann hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall ist die Rettung unter 144 erreichbar.