balancio

Phytotherapie

04:57

Auf den Punkt gebracht

Phytotherapie ist die Behandlung mit Arzneimitteln aus Pflanzen, etwa als Tee, Extrakt, Kapsel oder Öl. Sie reicht von standardisierten Fertigarzneimitteln bis zu überlieferten Teezubereitungen. Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen haben und mit Medikamenten wechselwirken, deshalb gehört ihre Einnahme mit Ärzt:in oder Apotheke besprochen.

Was ist Phytotherapie?

Phytotherapie ist die Heilbehandlung mit pflanzlichen Substanzen, auf Deutsch Pflanzenheilkunde. Der Wortteil „Phyto-“ bedeutet „Pflanze“. Verwendet werden Teile von Heilpflanzen, zum Beispiel Blätter vom Efeu, Wurzeln vom Baldrian, Samen vom Kürbis oder die blühenden Triebspitzen vom Johanniskraut.

Die Tradition ist alt. Baldrianwurzeln galten schon in der Antike als begehrtes Mittel gegen Nervosität und Schlaflosigkeit. Johanniskraut setzte im 16. Jahrhundert bereits Paracelsus ein, allerdings gegen „Phantasma“, was eher dem Vertreiben von Dämonen entsprach.

Was unterscheidet rationale und traditionelle Phytotherapie?

Die rationale Phytotherapie verarbeitet Heilpflanzen nach wissenschaftlichen Methoden zu standardisierten Fertigarzneimitteln, die auch in der Schulmedizin genutzt werden. Die traditionelle Phytotherapie verwendet dagegen Auszüge aus ganzen Pflanzen oder Pflanzenteilen, meist als Tee oder Aufguss. Heilpflanzen sind außerdem Teil vieler alternativer Heilverfahren.

Diese Unterscheidung zeigt sich auch im Arzneimittelrecht. Seit 2006 können in Österreich „traditionelle pflanzliche Arzneimittel“ registriert werden. Dafür muss eine Zubereitung mindestens 30 Jahre medizinisch verwendet worden sein, davon mindestens 15 Jahre im Europäischen Wirtschaftsraum. Ihre Wirkung muss nur plausibel sein, eine klinische Prüfung ist dafür nicht nötig. Kräutertees dürfen außerdem weiterhin als Lebensmittel verkauft werden.

Wie gut ist die Wirkung belegt?

Wie gut eine Wirkung belegt ist, hängt von der einzelnen Pflanze und Zubereitung ab. Für Johanniskraut gibt es eine Reihe placebokontrollierter Studien. Sie zeigen, dass es bei leichter bis mittelschwerer Depression nützen kann, bei schwerer Depression meist nicht. Bestimmte Trockenextrakte sind dafür als Arzneimittel zugelassen.

Bei anderen Pflanzen ist die Lage dünner. Kürbissamen werden seit Jahrhunderten bei Blasen- und Prostatabeschwerden genutzt, eine klinisch belegte Wirksamkeit lässt sich aus den bisherigen Untersuchungen laut AGES aber nicht ableiten. Bei akuter Bronchitis könnten Extrakte etwa aus Thymian, Efeu oder Pelargonienwurzel den Husten etwas lindern.

Sind pflanzliche Mittel harmlos?

Pflanzliche Mittel sind nicht automatisch frei von Nebenwirkungen. Möglich sind etwa Allergien, Magen-Darm-Beschwerden und Hautreaktionen. Ein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt nannte schon 1999 außerdem giftige Wirkungen, Verunreinigungen und Verwechslungen von Pflanzenteilen.

Ein großes Problem sind die Wechselwirkungen von Johanniskraut. Es kann die Wirkung anderer Medikamente verstärken oder abschwächen, darunter Gerinnungshemmer und Mittel, die die Immunabwehr unterdrücken. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können unzuverlässiger werden. Zusammen mit bestimmten Antidepressiva (MAO-Hemmern) kann gefährlich hoher Blutdruck auftreten, der notfallmäßig behandelt werden muss. Auch die Wirkung gängiger Antidepressiva wie SSRI könnte Johanniskraut verstärken, bei bipolarer Störung kann es eine Manie auslösen. Johanniskraut kann zudem die Haut lichtempfindlicher machen. Schwangere, Stillende und Menschen, die Medikamente gegen HIV nehmen, sollen es laut MSD Manual nicht verwenden. In der Schwangerschaft erhöht es den Muskeltonus der Gebärmutter und kann so das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

Das Gesundheitsportal rät, vor der Einnahme rezeptfreier pflanzlicher Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen. Eine Therapie mit Johanniskraut soll laut AGES immer ärztlich begleitet werden.

Wer bietet Phytotherapie in Österreich an?

Pflanzliche Arzneimittel gibt es vor allem in Apotheken, manche dürfen auch Drogerien verkaufen. Apotheken stellen zudem auf ärztliche Verschreibung Zubereitungen für einzelne Patient:innen her. Ärzt:innen können sich mit dem ÖÄK-Diplom Phytotherapie weiterbilden.

Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Phytotherapie explizit als Leistung in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (17)