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Schulmedizin

04:21

Auf den Punkt gebracht

Mit Schulmedizin ist die Medizin gemeint, die an den Hochschulen gelehrt wird und allgemein anerkannt ist. Das Wort wird häufig als Gegenbegriff zu Komplementärmedizin, Alternativmedizin oder Naturheilkunde verwendet. Entstanden ist es im 19. Jahrhundert als Abgrenzungsbegriff aus dem Umfeld der Homöopathie.

Was ist Schulmedizin?

Schulmedizin bezeichnet ärztliche Diagnose und Behandlung auf Grundlage wissenschaftlich anerkannter Methoden, wie sie an medizinischen Hochschulen gelehrt werden. Eine auf Anregung der deutschen Bundesärztekammer gebildete Arbeitsgruppe beschrieb sie 2004 im Deutschen Ärzteblatt als die Denkweisen und Verfahren, die dem heutigen Lehrgebäude der Humanmedizin entsprechen. Diese Definition wählte sie bewusst so, dass sie andere Medizinrichtungen nicht bewertet.

Die Schulmedizin beschränkt sich dabei nicht auf Naturwissenschaft. Dieselben Autor:innen nennen als Menschenbild ein bio-psycho-soziales Modell, das körperliche, seelische und soziale Sichtweisen gleichwertig beachten soll. Als bedeutungsverwandt gelten Ausdrücke wie Biomedizin, westliche Medizin oder konventionelle Medizin.

Woher kommt der Begriff?

Das Wort setzt sich aus „Schule“ und „Medizin“ zusammen. Gemeint ist die Medizin der Hochschulen. Ursprünglich war der Ausdruck aber abwertend gedacht.

Samuel Hahnemann, der um 1800 die Homöopathie begründete, prägte für die damals übliche Heilkunst den Gegenbegriff „Allopathie“. Das Wort „Schulmedizin“ kam im 19. Jahrhundert im Umfeld der Homöopathie auf und war zunächst ebenfalls abwertend gemeint. Nach dem Mediziner J. Köbberling stand „Schule“ dabei für ein starres System, das in festen Denkstrukturen verhaftet sei.

Das österreichische Sozialministerium führt die heutige Vielfalt an Begriffen auf eine lange Auseinandersetzung zwischen anerkannten Verfahren und sogenannten „Außenseitermethoden“ zurück. Es verwendet „Schulmedizin“ selbst als sachlichen Bezugspunkt, etwa wenn es Komplementärmedizin beschreibt. Andere Fachleute raten wegen der Herkunft von dem Wort ab. Ein Positionspapier aus dem Jahr 2015 schlägt stattdessen „wissenschaftlich orientierte Medizin“ vor.

Ist Schulmedizin dasselbe wie evidenzbasierte Medizin?

Nein, die beiden Begriffe meinen Verschiedenes. Evidenzbasierte Medizin bezeichnet Prinzipien für Entscheidungen: Untersuchungen und Behandlungen sollen sich auf belegbare Ergebnisse aus der Forschung stützen. Dazu kommen das Fachwissen der Ärzt:innen sowie die Werte und Wünsche der Patient:innen.

Die Autor:innen des Positionspapiers halten es für überzogen, die tatsächlich ausgeübte Schulmedizin als Ganzes „wissenschaftliche Medizin“ zu nennen. Wissenschaftlichkeit sei vielmehr ein Ideal, an dem sie sich ausrichte. Umgekehrt setzen Wirksamkeitsprüfungen der evidenzbasierten Medizin kein bestimmtes Erklärungsmodell voraus. Auch Verfahren der Komplementärmedizin lassen sich damit prüfen.

Wie verhalten sich Schulmedizin und Komplementärmedizin zueinander?

Komplementärmedizin fasst nach dem Sozialministerium Methoden zusammen, die auf anderen Modellen der Entstehung und Behandlung von Krankheiten beruhen als die Schulmedizin. Definitionsgemäß werden sie ergänzend eingesetzt. Das Ministerium bevorzugt den Begriff Komplementärmedizin, um zu zeigen, dass diese Methoden keine Alternative zur Schulmedizin sein sollen.

Die Grenze ist nicht starr. So zählt das Ministerium die Phytotherapie, also die Behandlung mit Pflanzen und ihren Zubereitungen, zur medikamentösen Behandlung in der Schulmedizin. Das Positionspapier schließt nicht aus, dass einzelne Verfahren, die heute zur Komplementärmedizin gerechnet werden, nach entsprechenden Wirksamkeitsbelegen künftig zur wissenschaftlich orientierten Medizin gehören. Auch die Einbeziehung seelischer und sozialer Aspekte ist laut Ministerium kein Merkmal, das nur die Komplementärmedizin auszeichnet.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)