Was ist ein Lipödem?
Beim Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung. Das Gesundheitsportal beschreibt es als eher seltene Erkrankung, bei der sich unter der Haut auf beiden Körperseiten gleichmäßig vergrößerte, knotige und schmerzhafte Fettpolster bilden, etwa an Hüften, Beinen oder Armen. Umgangssprachlich wird das Lipödem auch „Reiterhosensyndrom“ genannt.
Der Name setzt sich aus dem griechischen „lípos“ für Fett und „Ödem“ zusammen, dem Fachwort für eine krankhafte Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild 1940 von Allen und Hines. Nach der 2024 erneuerten deutschen Fachleitlinie, wie sie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wiedergibt, gehören Wasseransammlungen allerdings nicht mehr zu den Merkmalen eines Lipödems.
Woran erkennt man ein Lipödem?
Für die Diagnose nennt der G-BA auf Grundlage der Leitlinie drei Merkmale, die alle erfüllt sein müssen. Das Fettgewebe ist unverhältnismäßig und symmetrisch vermehrt und betrifft nur Arme oder Beine. Hände und Füße sind nicht betroffen. Außerdem schmerzt das Gewebe der betroffenen Gliedmaßen bei Druck oder Berührung.
Messwerte, Laborwerte oder bildgebende Verfahren, die ein Lipödem sicher nachweisen, gibt es bisher nicht. Die Diagnose stützt sich deshalb auf diese Merkmale und erfordert laut G-BA viel fachärztliche Erfahrung. Dabei sollen auch andere Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion ausgeschlossen werden. In Österreich nennt das Gesundheitsportal Hautärzt:innen als Anlaufstelle.
Wie unterscheidet sich ein Lipödem von Übergewicht und Lymphödem?
Starkes Übergewicht (Adipositas) ist die häufigste Begleiterkrankung des Lipödems und gilt als Risikofaktor für sein Auftreten und Fortschreiten. Anders als beim Lipödem betrifft eine allgemeine Adipositas aber auch den Rumpf. Laut Leitlinie kann eine Gewichtsabnahme auch das Beinvolumen verringern. Dass ein Lipödem zwangsläufig immer weiter fortschreitet, ist wissenschaftlich nicht belegt, ein enger Zusammenhang besteht jedoch mit einer Zunahme des Körpergewichts.
Bei einem Lymphödem staut sich dagegen Lymphflüssigkeit im Gewebe, weil das Lymphsystem geschädigt ist. Typisch ist, dass es meist nur eine Körperseite betrifft und zumindest anfangs auf Fingerdruck eine Delle zurückbleibt. Beim Lipödem arbeiten die Lymphgefäße meist normal, ein Lymphödem kann aber zusätzlich auftreten, vor allem an den Beinen.
Wie entsteht ein Lipödem?
Die Ursache ist nicht geklärt. Ein Lipödem tritt vor allem im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen auf, etwa in der Pubertät, rund um eine Geburt oder in den Wechseljahren. Es kann gehäuft in Familien vorkommen.
Wie wird ein Lipödem behandelt?
Zur konservativen Behandlung gehören laut Leitlinie vor allem Kompression sowie angeleitete Bewegungstherapie und Muskelaufbau unter Kompression, bei Bedarf ergänzt durch Manuelle Lymphdrainage. Was diese Technik umfasst, beschreibt der Begriff „Manuelle Lymphdrainage“. Liegt zusätzlich eine Adipositas vor, empfiehlt die Leitlinie, diese vorrangig zu behandeln. Weil psychische Erkrankungen wie Essstörungen oder Depressionen die Beschwerden beeinflussen können, sollten sie laut Leitlinie in Diagnostik und Therapie beachtet werden.
Lindern diese Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend, kann eine Fettabsaugung (Liposuktion) infrage kommen, meist in mehreren Eingriffen. Ziel ist die Linderung der Schmerzen, nicht ein kosmetisches Ergebnis. In einer deutschen Studie mit 410 Frauen hatten nach zwölf Monaten 68 von 100 Frauen mit Fettabsaugung spürbar weniger Beinschmerzen, also mindestens zwei Punkte weniger auf einer Skala von null bis zehn. Unter rein konservativer Behandlung waren es 8 von 100. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren in der Gruppe mit Fettabsaugung jedoch häufiger, bei 8 von 100 gegenüber 3 von 100. Ob die Wirkung langfristig anhält und wie oft erneute Eingriffe nötig sind, wird noch untersucht.