balancio

Manuelle Lymphdrainage

05:32

Auf den Punkt gebracht

Die manuelle Lymphdrainage ist eine sanfte Massagetechnik, die den Abtransport gestauter Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe anregen soll. Eingesetzt wird sie vor allem beim Lymphödem, meist als Teil der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. In Österreich wird sie zu Heilzwecken nach ärztlicher Anordnung von Physiotherapeut:innen, Heilmasseur:innen und medizinischen Masseur:innen durchgeführt.

Was ist manuelle Lymphdrainage?

Die manuelle Lymphdrainage setzt am Lymphsystem an. Die Lymphe fließt in feinen Gefäßen, die den Körper netzartig durchziehen, über die Lymphknoten in den Blutkreislauf. Sie transportiert überschüssige Flüssigkeit aus den Geweben ab. Ist dieses System geschädigt, staut sich Flüssigkeit, und der betroffene Körperteil schwillt an.

Bei der Behandlung bearbeitet die Therapeutin oder der Therapeut das Gewebe unter anderem mit sanften, kreisenden Bewegungen der Handflächen. Die Griffe werden rhythmisch ausgeführt und dehnen die Haut, statt über sie zu gleiten. So soll die angestaute Flüssigkeit leichter abfließen.

Woher kommt die Methode?

Als Begründer gilt der dänische Masseur Emil Vodder. Er entwickelte die Technik in den 1930er-Jahren, ursprünglich zur Behandlung chronischer Nebenhöhlenentzündungen, und stellte sie 1936 in Paris vor. Später wurde sie auch bei Lymphödemen angewandt und mit Kompression, Bewegung und Hautpflege zur komplexen Entstauungstherapie verbunden.

Wann wird sie eingesetzt?

Das wichtigste Einsatzgebiet ist das Lymphödem. Beim selteneren primären Lymphödem fehlen Lymphgefäße von Geburt an oder sind fehlgebildet. Das häufigere sekundäre Lymphödem entsteht im Lauf des Lebens, oft im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung, ihrer Operation oder Bestrahlung. Nach einer Brustkrebsbehandlung entwickeln etwa 6 bis 20 von 100 Frauen ein Lymphödem, meist am Arm.

Die manuelle Lymphdrainage ist dabei ein Baustein der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. Dazu gehören außerdem Kompressionsverbände oder -strümpfe, gezielte Bewegung, Hautpflege und die Anleitung zur Selbstbehandlung. Weil das Lymphödem eine chronische Erkrankung ist, braucht es oft eine lebenslange Therapie.

Was sagt die Forschung?

Die Studienlage ist begrenzt, die meisten Studien stammen von Frauen nach Brustkrebs. Eine Cochrane-Übersicht von 2015 fand sechs kleine Studien. Danach ist die Lymphdrainage sicher und kann die Schwellung zusätzlich zur Kompressionsbandage verringern, möglicherweise vor allem bei leichten bis mäßigen Ödemen. Bei Schmerzen und Schweregefühl besserten sich die Beschwerden in allen Gruppen ähnlich.

Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchte 2022 Behandlungen fortgeschrittener Lymphödeme. Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren ließen sich dabei im Vergleich untereinander nicht klar beurteilen. Die Standardtherapien können Beschwerden lindern, versprechen aber keine Heilung. Nebenwirkungen der kombinierten Behandlung treten laut IQWiG kaum auf und sind eher leicht, allerdings wurden mögliche Schäden in vielen Studien gar nicht untersucht.

Wer bietet manuelle Lymphdrainage in Österreich an?

Zu Heilzwecken führen vor allem drei Gesundheitsberufe die Lymphdrainage durch, jeweils nach ärztlicher Anordnung. Physiotherapeut:innen und Heilmasseur:innen arbeiten dabei eigenverantwortlich, Heilmasseur:innen können auch freiberuflich tätig sein. Medizinische Masseur:innen arbeiten zusätzlich unter Anleitung und Aufsicht einer Ärztin, eines Arztes oder einer Physiotherapeutin bzw. eines Physiotherapeuten.

Auch zur Tätigkeit gewerblicher Masseur:innen kann die Lymphdrainage gehören. Sie arbeiten aber nicht zu therapeutischen Zwecken, sondern zur Steigerung des Wohlbefindens. Damit die Krankenversicherung Kosten übernimmt, ist eine ärztliche Verordnung nötig.

Wo liegen die Grenzen?

Eine Schwellung sollte vor jeder Behandlung ärztlich abgeklärt werden. Ein Ödem kann etwa auf eine Herzschwäche oder ein Nieren- oder Leberproblem hinweisen. Für die Anordnung der Lymphdrainage trägt die anordnende Ärztin oder der anordnende Arzt die Verantwortung.

Fachliteratur nennt Gegenanzeigen, bei denen die Lymphdrainage nicht oder nur nach ärztlicher Entscheidung angewendet wird. Dazu zählen unter anderem eine unbehandelte Krebserkrankung, eine nicht ausgeglichene Herzschwäche, eine unbehandelte tiefe Venenthrombose und eine akute Hautinfektion. Ob eine Behandlung möglich ist, klärt die anordnende Ärztin oder der anordnende Arzt.

Gerötete, überwärmte Haut oder Fieber können auf eine Infektion wie ein Erysipel hindeuten und gehören ärztlich abgeklärt. Auch nach erfolgreicher Behandlung kann ein Lymphödem wiederkommen. Fachleute empfehlen deshalb unter anderem, weiterhin angepasste Kompressionskleidung zu tragen, Hitze wie Sauna oder heiße Bäder sowie Verletzungen am betroffenen Körperteil zu vermeiden und auf Warnzeichen wie eine zunehmende Schwellung zu achten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Manuelle Lymphdrainage explizit als Leistung in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (16)