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Inneres Kind

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Auf den Punkt gebracht

„Inneres Kind“ ist ein bildhafter Ausdruck für Gefühle, Bedürfnisse und Muster aus der Kindheit, die im Erwachsenenleben weiterwirken. Es handelt sich um eine Metapher, nicht um ein eigenes Therapieverfahren. Mit ihr arbeiten manche Psychotherapeut:innen, verbreitet ist sie auch in Ratgebern und Podcasts.

Was ist mit dem inneren Kind gemeint?

Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Ein Beitrag in „Spektrum der Wissenschaft“ beschreibt das innere Kind als Sinnbild für die in der Kindheit gründenden Muster im Fühlen, Denken und Handeln. Der Psychotherapieforscher Wolfgang Lutz von der Universität Trier sagt dort: Die Kindheit bleibt erhalten und prägt Erleben und Verhalten.

Woher kommt der Begriff?

Als Urheber der Idee wird oft der Schweizer Psychiater C. G. Jung genannt, der in seiner Lehre von den Archetypen das Bild des „göttlichen Kindes“ beschrieb. Bekannt wurde das Konstrukt laut Lutz zuerst durch die Transaktionsanalyse von Eric Berne mit ihrem Kind-Ich. Den Ausdruck selbst trägt ein Buch von W. Hugh Missildine aus dem Jahr 1963 im Titel: „Your Inner Child of the Past“, auf Deutsch seit 1976 „In dir lebt das Kind, das du warst“.

Wo begegnet das innere Kind in der Psychotherapie?

Heute spielt die Vorstellung vor allem in der Schematherapie eine Rolle, die mit sogenannten Kindmodi arbeitet. Auch in der psychodynamisch-imaginativen Traumatherapie nach Luise Reddemann spielt die Arbeit mit dem inneren Kind eine Rolle. In einem von ihr beschriebenen Fall ging es darum, verletzte kindliche Anteile zu stabilisieren. Mehr dazu steht in den Glossarbegriffen „Schematherapie“ und „Transaktionsanalyse“.

Wo liegen die Grenzen?

Ob die Arbeit mit dem inneren Kind bei psychischen Problemen hilft, ist wissenschaftlich kaum untersucht. Schon Anfang der 1990er-Jahre stellte ein Fachbeitrag fest, dass es zu Programmen für erwachsene Kinder alkoholkranker Eltern, die auf diesem Gedanken aufbauen, nur wenige Wirksamkeitsstudien gibt. Lutz gibt außerdem zu bedenken, dass ein einseitiger Blick auf die eigene Biografie aktuelle Probleme in den Hintergrund drängen kann. Bei erlebten Traumata oder ernsthaften psychischen Erkrankungen ersetzen Ratgeberbücher keine Psychotherapie.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (6)