Was ist ein Fadenlifting?
Ein Fadenlifting ist ein minimal-invasiver Eingriff, der abgesunkenes Gewebe ohne großen Hautschnitt nach oben ziehen soll. Eingesetzt wird es an Stirn, Mittelgesicht, unterem Gesicht und Hals. Im Englischen heißt das Verfahren „thread lift“. Beim klassischen Facelift wird dagegen überschüssige Haut herausgeschnitten.
Die Fäden gibt es aus nicht auflösbarem Material wie Polypropylen und aus auflösbarem Material. Am häufigsten wird dafür Polydioxanon verwendet, ein Kunststoff, den der Körper nach und nach abbaut.
Woher kommt das Fadenlifting?
Fäden mit Widerhaken wurden ursprünglich entwickelt, um Wunden ohne Knoten zu verschließen. Das Konzept wurde erstmals 1964 beschrieben. Zum Anheben von Gewebe im Gesicht setzte sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine russische Arbeitsgruppe um Sulamanidze ein. Seither haben sich Form und Technik der Fäden mehrfach verändert.
Wie läuft ein Fadenlifting ab?
Ein Fadenlifting findet meist unter örtlicher Betäubung statt, manchmal zusätzlich mit einem Beruhigungsmittel über die Vene. Über kleine Schnitte an möglichst unauffälligen Stellen werden die Fäden mit Nadeln oder Kanülen ins Unterhautgewebe geführt. Je nach Technik werden sie an einem tiefer liegenden Punkt verankert, etwa an der Bindegewebshülle des Schläfenmuskels. Andere Fäden halten sich mit ihren Widerhaken selbst im Gewebe. Anschließend wird das Gewebe geformt, damit eine gleichmäßige Kontur entsteht.
Das Gewebe verhakt sich an den Widerhaken. Rund um die Fäden kommt es zu einer Entzündungsreaktion und zur Bildung von Narbengewebe.
Wie gut wirkt ein Fadenlifting?
Gute Belege für eine lang anhaltende Wirkung fehlen bisher. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 fand seit 2006 kaum neue belastbare Daten zu Wirksamkeit oder Sicherheit. Fast alle Studien zeigten bestenfalls einen sehr begrenzt anhaltenden Hebeeffekt, die beiden positiven Studien waren von Herstellern der Fäden finanziert.
Eine weitere Übersichtsarbeit beschreibt die Ergebnisse als dezent und kurzlebig. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Fadenlifting nicht als Ersatz für ein klassisches Facelift gelten sollte.
Welche Risiken hat ein Fadenlifting?
Häufig sind Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen in den ersten Wochen. Zu den häufigeren späteren Problemen zählen Dellen in der Haut sowie sichtbare oder tastbare Fäden. Fäden können auch wandern, brechen, durch die Haut austreten oder an den Ein- und Austrittsstellen Narben hinterlassen. Beschrieben sind außerdem sichtbare Zuglinien bei Mimik, Asymmetrien und ein dauerhaftes Fremdkörpergefühl. Seltener kommen Infektionen, Fremdkörper-Knötchen (Granulome), Verletzungen von Gesichtsnerven und Schäden an der Ohrspeicheldrüse oder ihrem Ausführungsgang vor.
Hautunebenheiten können Tage bis Wochen bestehen bleiben. Deshalb kann die Erholung ähnlich lange dauern wie nach einem Facelift. Ein Teil der Patient:innen lässt Fäden wieder entfernen, weil sie tastbar sind, austreten oder das Ergebnis nicht gefällt. Dauerhafte Fäden lassen sich jedoch kaum vollständig entfernen, Reste können jahrzehntelang im Gewebe bleiben.
Was gilt in Österreich?
Seit 1. Jänner 2025 führt eine Verordnung der Österreichischen Ärztekammer das Fadenlifting ausdrücklich als ästhetische Operation. Durchführen dürfen es Fachärzt:innen für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Ebenfalls berechtigt sind Fachärzt:innen für Augenheilkunde, Allgemeinchirurgie, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Ärzt:innen für Allgemeinmedizin brauchen dafür eine Anerkennung der Ärztekammer.
Damit gelten die Regeln des Gesetzes über ästhetische Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG). Dazu gehören eine ausführliche mündliche und schriftliche Aufklärung, mindestens zwei Wochen zwischen Aufklärung und Einwilligung und ein Operationspass. Unter 16 Jahren ist der Eingriff verboten, bei 16- bis 18-Jährigen braucht es zusätzlich die Einwilligung der Erziehungsberechtigten und eine psychologische oder psychiatrische Abklärung. Die Kosten übernimmt die soziale Krankenversicherung nicht.