Was ist Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie?
Die Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie behandelt die inneren Organe, wenn eine Operation nötig sein kann. Laut der österreichischen Ausbildungsordnung für Ärzt:innen umfasst das Sonderfach Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Nachbehandlung von Fehlbildungen, operativ zu behandelnden Erkrankungen und Verletzungen der inneren Organe. Behandelt wird dabei konservativ, also ohne Operation, oder operativ. Ausdrücklich dazu gehören auch die Tumorchirurgie mit der Wiederherstellung nach Krebsoperationen sowie die Transplantationschirurgie.
Im Alltag stehen Eingriffe an den Organen der Bauchhöhle im Mittelpunkt. Operationen bei einem Leistenbruch zählen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Typisch sind außerdem die Entfernung der Gallenblase oder des Blinddarms, Magen- und Darmoperationen, Eingriffe bei starkem Übergewicht und Operationen bei einem Zwerchfellbruch oder bei Refluxkrankheit.
Woher kommt der Name?
Chirurgie geht auf griechisch cheirurgía zurück, die „Arbeit mit den Händen“, gebildet aus cheir für „Hand“ und einem Wort für „Werk“ oder „Tun“. Viszeral kommt von lateinisch viscus für „Eingeweide“ und bedeutet „die Eingeweide betreffend“.
Wien spielte in der Geschichte der Bauchchirurgie eine wichtige Rolle. Dort gründete Theodor Billroth (1829–1894) eine der bedeutendsten Schulen der Chirurgie. Ihm gelang 1881 die erste erfolgreiche Teilentfernung des Magens bei Magenkrebs.
Wie wird heute operiert?
Viele Eingriffe sind heute als Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie) möglich. Dabei wird über einen kleinen Hautschnitt eine spezielle Kamera in die Bauchhöhle eingeführt, nachdem diese mit Kohlendioxid gefüllt wurde. Über weitere kleine Schnitte kommen die Operationsinstrumente hinzu. Die Gallenblase wird heute fast ausschließlich auf diese Weise entfernt.
Laparoskopische Eingriffe belasten in der Regel weniger als offene Operationen mit größerem Bauchschnitt. Die Narben sind klein, der Wundschmerz ist geringer und der Krankenhausaufenthalt oft kürzer. Für jede Person ist diese Methode aber nicht geeignet, deshalb entscheiden Chirurg:in und Patient:in gemeinsam über das Vorgehen.
Wie unterscheidet sie sich von anderen chirurgischen Fächern?
In Österreich gibt es mehrere chirurgische Sonderfächer mit eigenen Aufgabengebieten. Die Allgemeinchirurgie und Gefäßchirurgie umfasst die gesamte Allgemein- und Viszeralchirurgie und zusätzlich Erkrankungen der Blutgefäße. Die Plastische Chirurgie stellt Form und Funktion des Körpers wieder her oder verändert sie, die Ästhetische Chirurgie ist ein Teilbereich davon. Eigene Fächer sind außerdem etwa die Thoraxchirurgie für den Brustkorb und die Neurochirurgie für das Nervensystem. Bei Gallensteinen nennt das Gesundheitsportal neben der Chirurgie auch Internist:innen mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie als Anlaufstelle.
Wer ist in Österreich Allgemein- und Viszeralchirurg:in?
Die Berufsbezeichnung lautet „Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie“ bzw. „Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie“. Nach dem Medizinstudium und einer Basisausbildung folgen 15 Monate Grundausbildung und 48 Monate Schwerpunktausbildung, am Ende steht die Facharztprüfung. Das Sonderfach trägt seinen heutigen Namen seit der Ausbildungsordnung 2015. Fachärzt:innen, die früher den Titel „Facharzt für Chirurgie“ erworben haben, dürfen diesen weiterführen.
Wann ist es ein Notfall?
Bei Gallensteinen etwa nennt das Gesundheitsportal zunehmend starke Schmerzen, eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands, Atemnot oder Blutdruckabfall als Zeichen, bei denen sofort die Rettung unter 144 zu rufen ist. Lebensbedrohlich ist auch ein eingeklemmter Leistenbruch, erkennbar etwa an starken Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Dann braucht es umgehend die Rettung oder ein Krankenhaus.