Was ist Reflux?
Reflux ist der Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Das Wort kommt aus dem (Mittel-)Lateinischen und bedeutet „Rückfluss“. Spürbar wird er oft als Sodbrennen, ein Brennen hinter dem Brustbein, das bis in Hals und Rachen ausstrahlen kann. Der Name Sodbrennen geht auf das mittelhochdeutsche Wort sōt zurück, das mit „sieden“ verwandt ist.
Wann wird Reflux zur Krankheit?
Von einer gastroösophagealen Refluxkrankheit, kurz GERD, spricht man, wenn häufiges oder starkes Sodbrennen die Lebensqualität beeinträchtigt oder die Speiseröhre sich entzündet hat. Als Richtwert gelten Beschwerden mindestens zweimal pro Woche. In westlichen Industrieländern sind etwa 10 bis 20 von 100 Menschen betroffen, im Alter häufiger. Die Refluxkrankheit verläuft meist chronisch und in Schüben mit beschwerdefreien Zeiten dazwischen.
Wie entsteht Reflux?
Meist schließt der Muskelverschluss zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig, die genaue Ursache bleibt aber oft unklar. Manchmal steckt ein Zwerchfellbruch dahinter, durch den ein Stück des Magens in den Brustraum rutscht. Als Risikofaktoren gelten etwa ein voller Magen, Schwangerschaft, enge Kleidung, starkes Übergewicht, Rauchen, Stress, Koffein, Alkohol und manche Medikamente. Ob etwa Übergewicht, Rauchen und Alkohol den Verschluss wirklich beeinträchtigen, diskutieren Fachleute noch.
Woran erkennt man Reflux?
Typisch sind Sodbrennen und saures Aufstoßen, manchmal mit schlechtem Geschmack im Mund. Möglich sind auch Schluckbeschwerden, Oberbauchschmerzen und Übelkeit. Reizt die Säure die Atemwege, können Reizhusten, Heiserkeit, Räuspern oder Halsschmerzen auftreten. Manchmal fehlt das Sodbrennen ganz oder solche Beschwerden stehen im Vordergrund.
Wie wird Reflux festgestellt?
Ärzt:innen erkennen eine Refluxkrankheit oft an den typischen Beschwerden. Bessert eine etwa zweiwöchige Probetherapie mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) die Beschwerden deutlich, spricht das für eine Refluxkrankheit. Eine Magenspiegelung oder eine Säuremessung in der Speiseröhre kann den Verdacht bestätigen. Früh gespiegelt wird besonders bei Blut im Stuhl, häufigem Erbrechen oder starkem Gewichtsverlust.
Was hilft bei Reflux?
Zunächst lohnt ein Versuch, Gewohnheiten zu ändern, auch wenn deren Nutzen nicht gut untersucht ist. Manchen hilft es, unverträgliche Lebensmittel wegzulassen, kleinere Portionen zu essen, weniger Alkohol zu trinken oder mit dem Rauchen aufzuhören. Bei nächtlichen Beschwerden können drei bis vier Stunden Abstand zwischen Essen und Hinlegen, ein höher gelagerter Oberkörper oder Schlafen auf der linken Seite helfen.
Reicht das nicht, kommen Medikamente infrage, vor allem PPI und H2-Rezeptorblocker. Beide verringern die Bildung von Magensäure. Sie wirken aber nur, solange man sie einnimmt. Über mehr als ein Jahr hoch dosiert können PPI das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.
Bei schwerer Refluxkrankheit ist eine Operation möglich, die Fundoplikatio. Dabei wird der obere Teil des Magens wie eine Manschette um das Ende der Speiseröhre gelegt, um den Verschluss zu stärken. Ob das langfristig besser hilft als Medikamente, ist nicht gut untersucht. Bei bis zu 23 von 100 Operierten löst der Eingriff Schluckbeschwerden aus oder verstärkt sie.
Welche Folgen kann Reflux haben?
Meist schreitet die Krankheit nicht fort, anhaltender Reflux kann die Speiseröhre aber entzünden und durch Narben verengen, was das Schlucken erschwert. Bei etwa 5 von 100 Betroffenen verändert sich mit den Jahren die Schleimhaut am unteren Ende der Speiseröhre. Dieser Barrett-Ösophagus erhöht das Risiko für Speiseröhrenkrebs etwas.
Haben auch Babys Reflux?
Fast alle Säuglinge haben Reflux und würgen Flüssigkeit oder Nahrung hoch, meist kurz nach dem Trinken. Bei fast allen ist er um den 18. Lebensmonat vorbei. Von einer Refluxkrankheit sprechen Ärzt:innen, wenn er etwa Trinken und Wachstum beeinträchtigt, die Speiseröhre schädigt oder Atemprobleme verursacht. Vom Anheben des Kopfendes im Bettchen raten Ärzt:innen aus Sicherheitsgründen ab. Säuglinge sollen auf dem Rücken schlafen.
Wer hilft in Österreich?
Anlaufstellen sind Ärzt:innen für Allgemeinmedizin, Primärversorgungseinheiten und Fachärzt:innen für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie. Notwendige Untersuchungen und Behandlungen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, bei manchen Leistungen fallen Selbstbehalte an.