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Ashwagandha

05:23

Auf den Punkt gebracht

Ashwagandha, auf Deutsch auch Schlafbeere, ist ein Strauch aus Asien und Afrika, dessen Wurzel in der traditionellen indischen Medizin Ayurveda verwendet wird. In Europa wird sie vor allem als Nahrungsergänzungsmittel gegen Stress oder für besseren Schlaf angeboten, ein Nutzen ist aber nicht gesichert. Wegen möglicher Leberschäden und anderer Risiken rät das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankungen davon ab.

Was ist Ashwagandha?

Ashwagandha ist ein kleiner immergrüner Strauch, der in Asien und Afrika wächst. Sein botanischer Name lautet Withania somnifera, im Deutschen heißt er auch Schlafbeere, Indischer Ginseng oder Winterkirsche. Der Name stammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt „Geruch des Pferdes“.

Im Ayurveda wird vor allem die Wurzel verwendet, laut MSD Manual auch die Beeren. Als biologisch wirksam gelten die sogenannten Withanolide und Alkaloide. Welche Stoffe in welcher Menge hinter den in Studien berichteten Wirkungen stecken, ist laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aber unklar.

Wie wird Ashwagandha verwendet?

In Europa wird Ashwagandha vor allem als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, etwa als Pulver, Kapseln, Tropfen oder Tee. Beworben werden die Präparate unter anderem gegen Stress, zum besseren Einschlafen oder zur Leistungssteigerung.

Die Produkte unterscheiden sich vermutlich stark, je nach Pflanzenteil und Herstellungsverfahren, und enthalten oft weitere Zutaten. Rechtlich sind Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel und keine Arzneimittel. In Österreich müssen sie vor dem Verkauf weder gemeldet noch registriert werden. Werbeaussagen über das Vorbeugen oder Heilen von Krankheiten sind verboten.

Eine EU-Monografie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel gibt es für die Wurzel nicht. Der zuständige Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA fand 2013 unter anderem keine ausreichenden Belege für 30 Jahre medizinische Verwendung.

Hilft Ashwagandha gegen Stress?

Ob Ashwagandha gegen Stress oder Schlafprobleme hilft, ist nicht gesichert, und Fachquellen bewerten die Studienlage unterschiedlich. Das BfR hält die beworbenen Wirkungen für wissenschaftlich nicht belegt. Das MSD Manual spricht von begrenzten Nachweisen, auch weil die untersuchten Präparate sehr verschieden waren.

Einige Studien mit standardisierten Extrakten deuten laut MSD Manual auf weniger Stress und Angstgefühle und einen geringfügig besseren Schlaf hin. Manche Leitlinien nennen Wurzelextrakt bei generalisierter Angststörung als Ergänzung der Behandlung, allerdings nur unter Vorbehalt. Dass ein einzelnes Mittel all die zugeschriebenen Wirkungen hat, hält das MSD Manual für höchst unwahrscheinlich.

Welche Risiken gibt es?

Auch ein pflanzliches Präparat wie Ashwagandha kann Nebenwirkungen haben. Berichtet werden Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge. In den meisten Studien wurden unerwünschte Wirkungen aber nicht systematisch erfasst, und zur Einnahme über lange Zeit gibt es kaum Daten. Eine Menge, die als unbedenklich gilt, konnte das BfR bisher nicht ableiten.

Besondere Vorsicht verlangen Berichte über Leberschäden, darunter Fälle von akutem Leberversagen. In einer Fallserie aus Island und den USA bekamen fünf Betroffene zwei bis zwölf Wochen nach Beginn der Einnahme eine Gelbsucht. Bei vier von ihnen normalisierten sich die Leberwerte innerhalb von ein bis fünf Monaten. Ein Leberversagen trat in dieser Serie nicht auf.

Es gibt zudem Hinweise, dass Ashwagandha Hormone beeinflusst, etwa Cortisol, Schilddrüsen- und Sexualhormone. Steigt dadurch der Testosteronspiegel, kann sich das bei Prostatakrebs ungünstig auswirken. Der Pflanze wird außerdem eine frühere Verwendung als Abtreibungsmittel nachgesagt.

Wer sollte auf Ashwagandha verzichten?

Das BfR rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit einer bestehenden oder früheren Lebererkrankung von Ashwagandha-Präparaten ab. Allen anderen empfiehlt es wegen der Datenlücken Zurückhaltung, in der ausführlichen Bewertung raten das BfR und andere europäische Behörden sogar ganz von Ashwagandha-Präparaten ab. Das MSD Manual hält Ashwagandha dagegen für die meisten Menschen wahrscheinlich für unbedenklich, nennt aber Schwangerschaft, Stillzeit, Lebererkrankungen und Magengeschwüre als Gründe für einen Verzicht.

Wechselwirkungen sind mit Medikamenten möglich, die den Blutzucker oder Blutdruck senken oder das Immunsystem unterdrücken. Zusammen mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln kann Ashwagandha zu müde machen, zudem könnte es den Spiegel der Schilddrüsenhormone erhöhen. Wer solche Medikamente oder Schilddrüsenhormone nimmt, sollte die Einnahme vorher ärztlich besprechen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (9)