Was ist Tryptophan?
Tryptophan ist eine Aminosäure, die in den meisten Eiweißstoffen vorkommt. Sie gilt als essenziell, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung bekommen muss. Enthalten ist sie unter anderem in Milch und Milchprodukten, Eiern, Nüssen, Sojabohnen und Kakao.
Wie wurde Tryptophan entdeckt?
Entdeckt haben Tryptophan Frederick Gowland Hopkins und Sydney W. Cole in Cambridge. Sie beschrieben es 1901 als bisher unbekanntes Produkt der Eiweißverdauung durch das Enzym Trypsin. Die Entdeckung führte sp äter zum Konzept der essenziellen Aminosäuren.
Wofür braucht der Körper Tryptophan?
Der Körper nutzt Tryptophan als Ausgangsstoff für den Botenstoff Serotonin und für Nikotinsäure. Aus Tryptophan beziehungsweise Serotonin bildet sich außerdem in mehreren Schritten das Hormon Melatonin. Es ist an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt und entsteht vor allem in der Zirbeldrüse.
Hilft Tryptophan bei Depressionen oder Schlafproblemen?
Ob zusätzliches Tryptophan bei Depressionen hilft, ist nicht ausreichend belegt. Eine Cochrane-Übersicht von 2002 fand nur zwei gute Studien mit 64 Patient:innen, die Tryptophan oder sein Stoffwechselprodukt 5-Hydroxytryptophan mit Placebo verglichen. Die Ergebnisse sprachen für einen Vorteil, waren aber nicht aussagekräftig genug. Weil wirksame und sichere Antidepressiva verfügbar sind, schätzten die Autor:innen den Nutzen als derzeit begrenzt ein.
Das österreichische Gesundheitsportal nennt Tryptophan dennoch als Mittel gegen Depressionen und gegen Schlafstörungen, bei denen herkömmliche Schlafmittel nicht wirken. In Deutschland wird L-Tryptophan als Arzneimittel angewendet, um das Einschlafen zu erleichtern, meist mit 1.000 mg pro Tag. Als mögliche Nebenwirkungen nennt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Lichtempfindlichkeit und niedrigen Blutdruck. Tagesmengen von 1.000 bis 2.000 mg können zudem die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Was gilt für Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel?
Nahrungsergänzungsmittel zählen zu den Lebensmitteln und unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz. Für Tryptophan-Präparate ist daher kein behördlicher Nachweis von Wirksamkeit oder Sicherheit nötig, verantwortlich ist der Hersteller. Das BfR sieht bei isoliertem Tryptophan deutliche Unsicherheiten, denn es gibt wenige Studien zu Nebenwirkungen und kaum Erfahrung mit längerer Einnahme.
Ein britisches Fachgremium schlug 2004 als vorläufigen Richtwert höchstens 220 mg pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln vor. Schwangere und Stillende sollten laut BfR keine solchen Präparate verwenden, für Kinder und Jugendliche fehlen Daten. Eine Untersuchung fand außerdem Qualitätsmängel, etwa Abbauprodukte oder weniger Tryptophan als angegeben.
1989 trat in den USA bei Menschen, die Tryptophan-Präparate einnahmen, gehäuft das potenziell tödliche Eosinophilie-Myalgie-Syndrom auf. Eine Untersuchung führte den Ausbruch auf einen Stoff zurück, der unter bestimmten Herstellungsbedingungen eines Unternehmens entstanden war. Ob allein dieser Stoff verantwortlich war, gilt nicht als geklärt.
Warum ist Tryptophan zusammen mit Antidepressiva riskant?
Tryptophan kann zusammen mit bestimmten Antidepressiva ein Serotonin-Syndrom auslösen. Laut einer vom BfR wiedergegebenen Fachinformation darf ein Tryptophan-Arzneimittel nicht mit Monoaminoxidase-Hemmern oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie Fluoxetin oder Paroxetin eingenommen werden. Auch die Wirkung trizyklischer Antidepressiva und von Lithium kann sich verstärken.
Dieselbe Fachinformation schließt die Einnahme bei schweren Leber- und Nierenerkrankungen aus. Außerdem kann die Wirkung von Levodopa nachlassen, dem wirksamsten Medikament gegen die Parkinson-Krankheit.
Beim Serotonin-Syndrom werden die Serotoninrezeptoren im Gehirn zu stark angeregt, was lebensbedrohlich werden kann. Meist entsteht es, wenn zwei Mittel zusammenkommen, die auf diese Rezeptoren wirken. In derselben Liste wie Tryptophan führt das MSD Manual unter anderem Johanniskraut, das Schmerzmittel Tramadol und die Migränemittel aus der Gruppe der Triptane.
Mögliche Anzeichen sind Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Muskelstarre, schneller Herzschlag, hohe Körpertemperatur und Schwitzen. Die Beschwerden beginnen oft innerhalb von 24 Stunden nach der Einnahme. Bei solchen Anzeichen ist die Rettung unter 144 zu verständigen.
Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Medikamenten verstärken oder abschwächen. Vor der Einnahme ist laut Gesundheitsportal eine Beratung durch Ärzt:innen oder Apotheker:innen unerlässlich.