Was ist die Rota-Therapie?
Die Rota-Therapie versteht sich nach Darstellung der Gesellschaft, die das Konzept heute vertritt, als neurophysiologisches Behandlungsprinzip, das an den Grundzügen der motorischen Entwicklung ansetzt. Im Mittelpunkt stehen Rotationen, also Drehungen des Körpers im Raum und in der Wirbelsäule. Ziel ist, sich gut koordiniert und ohne sogenannte Reflexmuster zu bewegen. Gemeint sind damit frühkindliche Reflexe, die bestehen bleiben, aber auch später erworbene auffällige Bewegungsmuster.
Die Drehbewegungen sollen nach Darstellung der Gesellschaft die Körperspannung, den sogenannten Tonus, zentral regulieren. Ein Grundsatz der Begründerin lautet, dass keine Funktionen geübt werden, die noch nicht möglich sind.
Woher kommt die Rota-Therapie?
Die Rota-Therapie geht auf die Physiotherapeutin Doris Bartel zurück. Ihr Konzept beschreibt sie in dem Buch „Rotation – Nahrung für das Gehirn“ aus dem Jahr 2016. Nach über 40 Berufsjahren ist sie heute im Ruhestand.
Die Nachfolge hat die European Association of Rota-Therapy (EARTh) mit Sitz im österreichischen Vorchdorf übernommen. Sie organisiert Ausbildungen, Fachtagungen und Intensivwochen. Nach eigenen Angaben vereint sie über 1.500 Therapeut:innen und Anwender:innen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien.
Wie läuft eine Rota-Therapie ab?
Die Behandlung stützt sich laut der Gesellschaft auf drei Säulen: Rotationsübungen, Alltagsgestaltung und Mundbehandlung. Säuglinge üben auf dem Schoß, Kinder und Erwachsene auf dem Boden oder je nach Bedarf im Bett oder auf der Liege. In den Sitzungen wird ein persönliches Übungsprogramm angeleitet, das Eltern, Angehörige oder Betroffene selbst täglich zu Hause umsetzen.
Bei der Alltagsgestaltung geht es um günstige Sitzpositionen, Lagerungen und Schlafpositionen. Ein Beispiel der Gesellschaft ist ein Schulkind, das im Unterricht unruhig sitzt und den Kopf ständig abstützt. Hier wird die Sitzsituation so angepasst, dass der Kopf nicht dauernd gegen die Schwerkraft gehalten werden muss. Mundübungen begründet die Gesellschaft damit, dass der Mund im Gehirn eine große Repräsentationsfläche hat.
Wer bietet Rota-Therapie an?
Zur Ausbildung als Rota-Therapeut:in lässt die Gesellschaft Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen und Ärzt:innen zu. Der Kurs umfasst drei Blöcke zu je drei Tagen. Daneben gibt es kürzere Kurse zur „Rota-Prophylaxe“, etwa für Pädagog:innen, Hebammen oder Frühförder:innen.
In Österreich arbeiten Ergotherapeut:innen bei der Behandlung von Erkrankungen nach ärztlicher Anordnung. Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist in der Regel eine ärztliche Verordnung nötig, ohne sie ist die Behandlung eine Privatleistung.
Was ist über die Wirkung bekannt?
Belastbare Studien zur Wirksamkeit der Rota-Therapie fehlen bisher. In der Fachdatenbank PubMed findet sich keine Studie unter ihrem Namen. Die Gesellschaft verweist vor allem auf Beiträge in Fachzeitschriften für Therapeut:innen und auf Bachelorarbeiten.
Zum Hintergrund der Methode gibt es Forschung. Eine Übersichtsarbeit von 2026 kam zu dem Schluss, dass fortbestehende frühkindliche Reflexe bei Kindern offenbar mit Verzögerungen in Motorik und Lernen zusammenhängen. Bewegungsprogramme gegen solche Reflexe zeigten meist Verbesserungen, die Datenlage war aber begrenzt und uneinheitlich. Die Rota-Therapie selbst wird in dieser Arbeit nicht genannt.
Wo liegen die Grenzen?
Die Gesellschaft nennt sehr viele Einsatzgebiete, von Schreibabys über Lernstörungen bis zu Parkinson oder Multipler Sklerose. Für keines davon ist ein Nutzen durch aussagekräftige Studien belegt. Auffälligkeiten in der Entwicklung eines Kindes sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden. In Österreich dienen dazu unter anderem die Untersuchungen des Eltern-Kind-Passes bis zum 62. Lebensmonat, die Entwicklungsstörungen früh erkennen sollen.