Was ist Rolfing?
Rolfing verbindet die manuelle Arbeit an den Faszien mit Bewegungsschulung und dem Schärfen der Körperwahrnehmung. So beschreibt es die Europäische Rolfing-Vereinigung (European Rolfing Association). Faszien sind Bindegewebe, das den ganzen Körper als zusammenhängendes Netz durchzieht. Stehen und Bewegen sollen dadurch leichter fallen und weniger unnötige Anstrengung kosten.
Ida Rolf selbst nannte ihre Methode „Strukturelle Integration“. Der Name Rolfing ist heute geschützt und steht für Fachleute, die nach gemeinsamen Standards des von ihr gegründeten Instituts ausgebildet sind. Andere Schulen arbeiten unter dem Namen Strukturelle Integration mit ähnlichen Wurzeln, aber eigenen Lehrplänen.
Woher kommt Rolfing?
Die Methode geht auf Ida Pauline Rolf zurück, die von 1896 bis 1979 lebte. Sie promovierte 1920 an der Columbia University in Biochemie und forschte danach rund zwölf Jahre am Rockefeller Institute. Laut der Europäischen Rolfing-Vereinigung suchte sie Lösungen für eigene gesundheitliche Probleme und die ihrer zwei Söhne. Dabei beschäftigte sie sich unter anderem mit Homöopathie, Osteopathie, Chiropraktik und Yoga.
Rolf nahm an, dass ein Ungleichgewicht im Körperbau das Weichgewebe belastet und Ausgleichsmuster im ganzen Körper nach sich zieht. Um ihre Arbeit weiterzugeben, entwickelte sie eine Folge von zehn Sitzungen. In den 1960er-Jahren gründete sie eine Gilde für Strukturelle Integration, aus der das Rolf Institute hervorging, laut dessen eigener Darstellung im Jahr 1971.
Wie läuft Rolfing ab?
Eine Sitzung beginnt meist mit einem Gespräch, danach beobachtet die Fachperson Haltung und Bewegung, etwa im Stehen oder Gehen. Anschließend arbeitet sie mit den Händen an Faszien und anderen Weichteilen, im Liegen, Sitzen oder Stehen. Die Berührung kann sanft oder kräftiger sein. Eine Sitzung dauert laut einem australischen Prüfbericht typischerweise etwas über eine Stunde, oft ergänzt durch Übungen für zu Hause.
Klassisch ist die sogenannte Zehnerserie. Die Sitzungen eins bis drei widmen sich den oberflächlichen Bindegewebsschichten, die Sitzungen vier bis sieben dem Rumpf zwischen Beckenboden und Kopf. Die Sitzungen acht bis zehn sollen das Erarbeitete zusammenführen. Die Zahl der Sitzungen kann aber abweichen, auch Einzelsitzungen sind möglich.
Was sagt die Forschung?
Ob Rolfing bei bestimmten Beschwerden hilft, ist unklar. Ein im Auftrag der australischen Regierung erstellter Prüfbericht, der Studien bis Juli 2021 berücksichtigt, fand sechs randomisierte Studien mit zusammen 216 Teilnehmenden. Untersucht wurden Kinder mit Zerebralparese sowie Menschen mit Kreuzschmerzen, Fibromyalgie oder verkürzter hinterer Oberschenkelmuskulatur.
Alle Studien hatten ein hohes Risiko für Verzerrungen, die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse war durchwegs sehr gering. Vergleiche mit einer Scheinbehandlung fehlten, mögliche Schäden waren nicht Teil der Auswertung. Nach Einschätzung der Autor:innen stützen die vorhandenen Daten den Einsatz bei diesen vier Gruppen nicht, nötig wären größere, sorgfältig geplante Studien.
Worauf ist zu achten?
Rolfing ersetzt laut der Europäischen Rolfing-Vereinigung keine ärztliche Abklärung und keine notwendige Behandlung. Bei Erkrankungen, frischen Verletzungen oder nach Operationen rät sie, die Eignung vorher mit der behandelnden Fachperson zu besprechen. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten.
Für Behandlungen, bei denen Gewebe mit den Händen bearbeitet wird, nennt das MSD Manual Vorsichtsmaßnahmen. Auf Knochen mit Osteoporose oder mit Absiedelungen einer Krebserkrankung darf kein direkter Druck ausgeübt werden. Bei erhöhtem Risiko können blaue Flecken und Blutungen entstehen, auch eine vorübergehende Verschlechterung der Beschwerden ist möglich. Ein Fallbericht aus dem Jahr 1997 beschreibt zudem eine verrutschte Harnleiterschiene bei einer Frau, deren Schmerzen während einer tiefen Massage nach der Rolfing-Methode wieder auftraten.
Wie ist Rolfing in Österreich organisiert?
In Österreich gibt es einen eigenen Rolfing-Verein mit Sitz in Wien. Laut Verein haben die hier tätigen Rolfer:innen eine Ausbildung von rund 750 Unterrichtsstunden absolviert und wurden vom Rolf Institute zertifiziert.