Was ist Palliativmedizin?
Palliativmedizin umfasst laut Ärztekammer die aktive Behandlung von Menschen, deren weit fortgeschrittene Erkrankung nicht mehr auf eine heilende Behandlung anspricht. Dazu zählt der Umgang mit Schmerzen und anderen Beschwerden ebenso wie mit psychischen, sozialen und spirituellen Problemen. Sie gehört laut Ärztegesetz ausdrücklich zum ärztlichen Beruf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt Palliative Care als Ansatz, der die Lebensqualität von Erkrankten und ihren Familien verbessert, wenn eine lebensbedrohliche Erkrankung vorliegt. Dazu gehört, Leiden früh zu erkennen und Schmerzen und andere Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art zu behandeln.
Palliativmedizin ist nicht auf die letzten Lebenstage beschränkt. Fachleute empfehlen, schon nach der Diagnose einer schweren, unheilbaren Erkrankung damit zu beginnen. Auch Angehörige und Zugehörige werden einbezogen und bei Bedarf über den Tod hinaus begleitet.
Woher kommen Begriff und Idee?
„Palliativ“ geht auf das spätlateinische palliare zurück, „mit einem Mantel verdecken“, und auf pallium, „Mantel“. Als Begründerin der modernen Hospizbewegung gilt die Britin Cicely Saunders, die als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin arbeitete. Sie eröffnete 1967 in London das St Christopher's Hospice und prägte das Konzept des „total pain“. Damit ist Schmerz in seiner körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Dimension gemeint.
Den Begriff „palliative care“ führte Mitte der 1970er-Jahre der kanadische Arzt Balfour Mount in Montreal ein. Das Wort „hospice“ war im französischsprachigen Kanada bereits für Pflegeheime vergeben. In Österreich gibt es seit 2002 ein Diplom Palliativmedizin der Ärztekammer, 2005 entstand an der Medizinischen Universität Wien der erste Lehrstuhl für Palliativmedizin.
Welche Beschwerden werden behandelt?
Häufig sind es Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Appetitlosigkeit und anhaltende Müdigkeit. Ebenso behandelt werden Angst, Niedergeschlagenheit, Verwirrtheit und Schlaflosigkeit. Palliativmedizinisch betreut werden oft Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, Herzschwäche, chronischen Lungen- oder Nierenerkrankungen und neurologischen Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson.
Gegen starke Schmerzen sind laut WHO Opioide unverzichtbar, sie können auch Atemnot lindern. Opioide führen sehr häufig zu Verstopfung, deshalb empfehlen Ärzt:innen vorbeugend Medikamente dagegen. Sind Beschwerden auf andere Weise nicht mehr erträglich zu lindern, kann eine palliative Sedierung angeboten werden. Dabei dämpfen Medikamente das Bewusstsein und die Wahrnehmung von Schmerzen. Die Sedierung kann wieder unterbrochen werden und verkürzt das Leben in der Regel nicht.
Wo findet Palliativversorgung in Österreich statt?
Die Grundversorgung übernehmen Hausärzt:innen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Dazu kommen spezialisierte Angebote, deren Ausbau der Bund seit 2022 über den Hospiz- und Palliativfonds fördert. Palliativstationen im Krankenhaus stabilisieren Erkrankte, damit sie wieder nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung können. Palliativkonsiliardienste beraten das Personal anderer Stationen.
Mobile Palliativteams kommen nach Hause oder ins Pflegeheim und sollen rund um die Uhr telefonisch erreichbar sein. Stationäre Hospize begleiten Menschen in der Regel bis zum Tod, Tageshospize betreuen tagsüber. Ehrenamtliche Hospizteams schenken Zeit und Gesellschaft. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gibt es eigene Angebote.
Mobile Palliativteams sind meist kostenfrei, Hospizteams arbeiten unentgeltlich. Auf Palliativstationen fällt in der Regel das Taggeld an, weil sie Teil eines Krankenhauses sind. Die Beiträge für stationäre Hospize unterscheiden sich je nach Träger und Bundesland.
Wer bietet Palliativmedizin an?
Speziell ausgebildet sind Ärzt:innen mit einem Diplom Palliativmedizin oder einem Master of Palliative Care. Seit 2017 gibt es zudem die Spezialisierung in Palliativmedizin der Ärztekammer, die 18 Monate dauert. Auch Hausärzt:innen und Fachärzt:innen anderer Fächer können palliativmedizinische Behandlungen einleiten.
Was zeigt die Forschung?
Eine Cochrane-Übersicht von 2017 wertete sieben Studien mit 1.614 Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung aus. Früh einsetzende Palliativversorgung verbesserte Lebensqualität und Beschwerden etwas stärker als die übliche Krebsbehandlung allein. Auf Überlebenszeit und Depression zeigte sich kein klarer Effekt, und die Aussagekraft der Studien war gering bis sehr gering.