Forensische Psychotherapie ist die psychotherapeutische Einschätzung und Behandlung von Menschen, die psychisch erkrankt sind und Straftaten begangen haben. Sie soll helfen, Verantwortung für die Tat zu übernehmen und das Risiko weiterer Gewalt zu senken. In Österreich findet sie etwa in forensisch-therapeutischen Zentren oder aufgrund einer gerichtlichen Weisung statt.
Was ist forensische Psychotherapie?
„Forensisch“ bedeutet gerichtlich oder im Dienst der Rechtspflege stehend. Forensische Psychotherapie befasst sich mit Straftäter:innen, bei denen eine psychische Störung eine Rolle spielt. Zu ihren Aufgaben gehört auch, Therapeut:innen, Teams und ganze Einrichtungen zu begleiten, die mit diesen Menschen arbeiten.
Anders als sonst findet die Behandlung nicht nur zwischen Patient:in und Therapeut:in statt. Gerichte oder Vollzugsbehörden sind fast immer beteiligt. Daraus können Spannungen entstehen, etwa zwischen Verschwiegenheit, der Weitergabe von Informationen und dem Schutz anderer Menschen.
Woher kommt die forensische Psychotherapie?
Frühe psychoanalytische Theoretiker hielten ihre Methode für ungeeignet bei Menschen, die gewalttätig oder dissozial handeln. Einige Psychoanalytiker wie Edward Glover in Großbritannien und Karl Menninger in den USA wandten sie dennoch auf diese Gruppe an. Daraus entstanden Kliniken für Einschätzung und Behandlung, etwa die Portman Clinic in London. Später kamen Gefängnisse und gesicherte Einrichtungen dazu.
1991 wurde eine internationale Fachgesellschaft für forensische Psychotherapie gegründet. Vor allem in Großbritannien und Deutschland hat sich das Gebiet zu einem eigenen Fachbereich entwickelt.
Wo findet forensische Psychotherapie in Österreich statt?
Wer eine mit mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe bedrohte Tat unter dem maßgeblichen Einfluss einer schwerwiegenden und nachhaltigen psychischen Störung begangen hat und von dem weitere schwere Taten zu befürchten sind, ist laut Strafgesetzbuch in einem forensisch-therapeutischen Zentrum unterzubringen. Über diese Unterbringung und ihre Fortsetzung entscheiden Gerichte. Ziel ist, den Zustand der Betroffenen so weit zu bessern, dass keine weiteren Taten mehr zu erwarten sind. Dazu sieht das Gesetz unter anderem psychiatrische und psychotherapeutische Betreuung vor.
Das Zentrum Wien-Mittersteig nennt etwa deliktorientierte Gruppen, soziales Kompetenztraining und Einzeltherapie. Auch außerhalb des Vollzugs kann ein Gericht die Weisung erteilen, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, allerdings nur mit Zustimmung der betroffenen Person. Nach einer bedingten Entlassung können forensische Ambulanzen oder Psychotherapeut:innen, die sich dazu gegenüber dem Justizministerium verpflichtet haben, die Behandlung unentgeltlich übernehmen.
Wie läuft forensische Psychotherapie ab?
Ein zentrales Ziel ist, dass Menschen ihre Tat als eigene Handlung anerkennen und Verantwortung dafür übernehmen. So soll das Risiko künftiger Gewalt sinken. Die Wurzeln des Fachs sind psychodynamisch. In deutschen forensischen Kliniken überwogen laut einer Befragung von 2019 verhaltenstherapeutische, oft nach Handbüchern aufgebaute Programme, meist in Gruppen und überwiegend von Psycholog:innen durchgeführt.
Wer beurteilt die Zurechnungsfähigkeit?
Ob jemand zur Tatzeit zurechnungsunfähig war, beurteilt nicht die behandelnde Psychotherapeut:in, sondern das Gericht auf Grundlage eines Gutachtens. Zurechnungsunfähig ist laut Strafgesetzbuch, wer zur Zeit der Tat wegen einer Geisteskrankheit, einer geistigen Behinderung, einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder einer gleichwertigen schweren seelischen Störung das Unrecht der Tat nicht einsehen oder nicht danach handeln kann. Im Verfahren zur Unterbringung muss eine Sachverständige oder ein Sachverständiger der Psychiatrie die Person untersuchen. Nur wenn niemand aus der Psychiatrie rechtzeitig verfügbar ist, kann das Gericht eine Fachperson der klinischen Psychologie bestellen.
Wo liegen die Grenzen?
Eine deutsche Übersicht von 2006 beschrieb die Forschung zur forensischen Psychotherapie als uneinheitlich und nicht sehr umfangreich. Eine Befragung deutscher forensischer Kliniken zeigte zudem, dass Personalmangel dazu führt, dass Therapie nicht regelmäßig oder nicht wie vorgesehen stattfindet.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.