Was ist die Feldenkrais-Methode?
Die Feldenkrais-Methode ist eine Bewegungs- und Lernmethode, die Bewegung und Denken miteinander verbinden will. Wer übt, soll eigene Bewegungsmuster erkennen und neue, leichtere Wege finden, sich zu bewegen. So beschreibt es der Feldenkrais-Verband Österreich.
Ursprünglich versteht sich die Methode nicht als Therapie, sondern als Lernmethode. Sie richtet sich deshalb nicht nur an Menschen mit Beschwerden, sondern an alle, die sich körperlich und geistig weiterentwickeln möchten. In der Rehabilitation setzen manche Physio- und Ergotherapeut:innen sie dennoch als körperbezogene Methode ein. Das beschreibt das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Bericht von 2022.
Woher kommt die Feldenkrais-Methode?
Die Methode geht auf Moshé Feldenkrais zurück, der 1904 im Gebiet der heutigen Ukraine geboren wurde und 1984 in Israel starb. Er war Physiker, Ingenieur und Trainer für Jiu-Jitsu und Judo. Ausgangspunkt seiner Methode war laut IQWiG die Behandlung seiner eigenen Knieprobleme.
Der österreichische Verband beschreibt ihn als promovierten Physiker, der sich auch mit Anatomie, Neurophysiologie und Psychologie beschäftigte. Seine Bewegungslehre baut demnach auf der natürlichen Lernfähigkeit des Gehirns auf.
Wie läuft eine Feldenkrais-Stunde ab?
Die Methode kennt zwei Formen, eine für Gruppen und eine für einzelne Personen. In der Gruppe, bei „Bewusstheit durch Bewegung“, leitet eine Lehrperson Bewegungsabläufe nur mit Worten an. Die Teilnehmenden erforschen und verfeinern diese Abläufe auf leichte, spielerische Weise. Viele dieser Lektionen orientieren sich laut Verband an der Bewegungsentwicklung von Kindern.
In der Einzelstunde, der „Funktionalen Integration“, führt die Lehrperson die Bewegungen selbst. Sie bringt zum Beispiel Arme und Schultern vorsichtig in andere Positionen und ergänzt das durch sanfte Berührung. Ein Kurs erstreckt sich meist über mehrere Wochen oder Monate, mit einer oder mehreren Einheiten pro Woche.
Was sagt die Forschung?
Die Feldenkrais-Methode ist bislang nicht gut genug untersucht, um ihre Vor- und Nachteile verlässlich zu beurteilen. Zu diesem Schluss kam das IQWiG 2022 in einem Bericht zu Bewegungseinschränkungen. Es fand sechs vergleichende Studien zu fünf Erkrankungen, die alle methodische Schwächen hatten.
Bei der Parkinson-Krankheit und bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken gab es Anhaltspunkte, dass sich Beweglichkeit und Lebensqualität bessern könnten. Bei multipler Sklerose und geistiger Beeinträchtigung zeigten sich weder Vor- noch Nachteile, bei Nacken-Schulter-Beschwerden reichten die Daten nicht aus. Auswertbare Daten gab es nur zur Gruppenform, zu Einzelstunden fanden sich keine.
Offen bleibt auch, wie die Methode im Vergleich zu Physiotherapie abschneidet, denn aussagekräftige Vergleiche fehlen. Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien nicht erhoben. Ob Feldenkrais Beschwerden vorbeugen kann, war nicht Gegenstand des Berichts.
Wer unterrichtet Feldenkrais in Österreich?
In Österreich repräsentiert der Feldenkrais-Verband Österreich die Methode als nationale Interessensgemeinschaft. Ausgebildete Lehrende heißen auch Feldenkrais-Practitioner. Eine akkreditierte Ausbildung umfasst laut Verband mindestens 160 Ausbildungstage, verteilt meist über drei bis fünf Jahre. Sie folgt internationalen Richtlinien, die ein europäisches Gremium für die Akkreditierung von Ausbildungen überprüft.
Zertifizierte Mitglieder müssen laut Verband regelmäßig Fortbildungen und eigenen Unterricht nachweisen, die Zertifizierung gilt jeweils zwei Jahre. Verbandsmitglieder, die noch in Ausbildung sind, dürfen laut Verband nach dem zweiten Ausbildungsjahr und einem Praktikum bereits Gruppenstunden leiten.