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Walk and Talk

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Auf den Punkt gebracht

Walk and Talk bezeichnet Beratungs- oder Therapiegespräche, die nicht im Praxisraum, sondern beim gemeinsamen Gehen im Freien stattfinden. Fachperson und Klient:in gehen dabei nebeneinander, etwa durch einen Park oder ein Waldstück. Die Forschung dazu ist noch jung, erste Ergebnisse sind vorsichtig zu lesen.

Was ist Walk and Talk?

Walk and Talk beschreibt vor allem, wo und wie ein Gespräch stattfindet. Fachleute aus verschiedenen Therapieberufen verlegen dabei ihre gewohnte Gesprächsarbeit ins Freie. Der englische Ausdruck bedeutet wörtlich „gehen und reden“. Die Fachperson geht neben der Klientin oder dem Klienten, statt ihr oder ihm im Raum gegenüberzusitzen.

Die Orte reichen laut einer Übersichtsarbeit von Stadtparks und Wäldern bis zu Expeditionen in die Wildnis. Die Natur ist dabei manchmal nur Kulisse, manchmal wird sie bewusst ins Gespräch einbezogen, etwa über Bilder und Vergleiche.

Woher kommt Walk and Talk?

Die älteste Arbeit, die eine Übersichtsarbeit von 2020 zu Gesprächstherapie im Freien fand, stammt aus dem Jahr 1994. Unter dem Namen „Walk and Talk“ beschrieb P. A. Doucette 2004 ein achtwöchiges Programm für acht Schüler:innen mit Verhaltensauffälligkeiten zwischen 9 und 13 Jahren in Alberta, Kanada. Es verband Beratung mit leichter Ausdauerbewegung und dem Aufenthalt im Freien. Besonderes Interesse an Gesprächen draußen gibt es laut der britischen Open University seit der COVID-19-Pandemie.

Wie läuft eine Sitzung ab?

Eine Walk-and-Talk-Sitzung ähnelt einem gewöhnlichen Gespräch, nur gehen beide dabei. In einer australischen Studie dauerten die Sitzungen 60 Minuten und führten über eine rund vier Kilometer lange Strecke, zum Teil durch ein Naturschutzgebiet. Die Therapeut:innen hatten die Route vorher abgegangen und Abläufe für Zwischenfälle, Sicherheit und Vertraulichkeit geplant.

Als möglicher Vorteil gilt das Gehen Schulter an Schulter. Weil weniger direkter Blickkontakt entsteht, kann sich ein Gespräch über heikle Themen weniger förmlich anfühlen. Außerdem gehört der Ort beiden gemeinsam, was das Machtgefälle zwischen Klient:in und Therapeut:in abschwächen könnte. Forschende nennen diese Gründe als Vermutungen, belegt sind sie noch nicht.

Was sagt die Forschung?

Die Forschung zu Walk and Talk steht noch am Anfang, vergleichende Studien sind selten. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 fasste 38 Arbeiten zusammen, die vor allem Erfahrungen von Fachleuten und Klient:innen beschreiben.

In einer kleinen randomisierten Pilotstudie erhielten 37 Männer mit gedrückter Stimmung sechs Sitzungen, entweder im Gehen oder im Raum. Die depressiven Beschwerden besserten sich in beiden Gruppen ähnlich. Bei Stress, Angst und allgemeiner seelischer Belastung schnitt die Gruppe im Freien besser ab, bei einem Fragebogen zu männertypischen depressiven Beschwerden dagegen die Gruppe im Raum. Die Forschenden sehen die Ergebnisse als vorläufig an, eine größere Studie läuft.

Eine weitere Studie mit 213 Teilnehmenden maß Stimmung und Blutdruck vor und nach Sitzungen drinnen, in der Stadt und in der Natur. Kein Ort schnitt durchgehend besser ab, in der Natur fielen einzelne kurzfristige Stimmungswerte günstiger aus. Weil die Reihenfolge der Sitzungen immer gleich war, rät die Autorin selbst zur Vorsicht.

Worauf lässt sich bei Anbieter:innen in Österreich achten?

Welche Art von Begleitung hinter einem Walk-and-Talk-Angebot steht, hängt von der Ausbildung der Anbieter:in ab. Psychotherapie dürfen in Österreich nur Personen ausüben, die in die Berufsliste Psychotherapie eingetragen sind. Über diese Liste und die Psycholog:innenliste lässt sich rasch prüfen, ob jemand zur Berufsausübung berechtigt ist.

Wo liegen die Grenzen?

Draußen ist ein Gespräch weniger geschützt als im Praxisraum. Deshalb braucht es vorab einen Plan, wie die Vertraulichkeit gewahrt bleibt und was geschieht, wenn jemand unterwegs aufgewühlt ist. Auch Gelände, Beweglichkeit, schlechtes Wetter und wie anstrengend das Gehen sein soll, gehören vorher besprochen. Ein Angebot im britischen Gesundheitsdienst achtet etwa auf ebene Wege und Sitzbänke und weicht bei Unwetterwarnung auf Telefon oder Video aus.

Für manche Menschen ist vorher eine ärztliche Abklärung sinnvoll. In der australischen Pilotstudie brauchten Teilnehmende mit erhöhtem Risiko für Zwischenfälle bei Bewegung eine Freigabe ihrer Hausärztin oder ihres Hausarztes. Laut der Übersichtsarbeit ließen sich praktische Schwierigkeiten durch sorgfältige Abklärung, Einwilligung nach Aufklärung und klare Vereinbarungen verringern.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (9)