Urvertrauen bezeichnet eine vertrauensvolle Grundeinstellung eines Menschen gegenüber seiner Umwelt. Nach dem Psychoanalytiker Erik H. Erikson entsteht sie im Säuglingsalter aus verlässlichen Beziehungen zu den Bezugspersonen. Im Alltag steht das Wort auch für ein festes Vertrauen in eine Person oder eine Sache.
Woher kommt der Begriff?
Geprägt hat den Begriff Erik H. Erikson (1902–1994), im Englischen heißt er basic trust. Erikson wurde in Frankfurt geboren und lernte in Wien die Psychoanalyse kennen. Dort machte er eine Lehranalyse bei Anna Freud und eine pädagogische Ausbildung nach Maria Montessori, sodass er als Kinderanalytiker arbeiten konnte. 1933 emigrierte er in die USA. Sein Hauptwerk über Kindheit und Gesellschaft erschien 1950.
Was meint Urvertrauen?
In Eriksons Modell der psychosozialen Entwicklung durchläuft ein Mensch acht Lebenskrisen. Die erste fällt ins Säuglingsalter, in dem ein Kind stark von seiner Betreuungsperson abhängt. Hier entscheidet sich der Konflikt zwischen Urvertrauen und Ur-Misstrauen. Urvertrauen gilt als Ergebnis zuverlässiger Beziehungen zwischen Kind und Bezugspersonen in den ersten Lebensmonaten.
Verwandt ist, was das Gesundheitsportal zur Eltern-Kind-Bindung beschreibt: Reagieren Eltern relativ beständig und feinfühlig auf die Signale ihres Babys, verinnerlicht es diese Erfahrungen. Je öfter es erlebt, dass für es gesorgt wird, desto sicherer fühlt es sich. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Bindungsstörungen“.
Legt das Säuglingsalter alles fest?
Nein, nach Eriksons Modell nicht. Seine Stufen bauen aufeinander auf, eine gut bewältigte frühere Krise erleichtert die nächste, ist jedoch keine zwingende Voraussetzung dafür. Psychotherapie sollte nach Erikson dort ansetzen, wo die Entwicklung vom üblichen Verlauf abweicht.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.