Therapeutisches Reiten ist ein Sammelbegriff für Therapie, Förderung und Sport mit dem Pferd. Dazu zählen die Hippotherapie als Physiotherapie auf dem Pferd, die Ergotherapie mit Pferd, die heilpädagogische und therapeutische Förderung sowie das Integrative Reiten. Zur Hippotherapie bei Kindern mit Zerebralparese gibt es mehrere Studienauswertungen, ihre Ergebnisse sind aber nicht einheitlich.
Was ist therapeutisches Reiten?
Beim therapeutischen Reiten wird ein Pferd gezielt in Therapie oder Förderung einbezogen. In Österreich fasst das Österreichische Kuratorium für Therapeutisches Reiten (OKTR) darunter vier Bereiche zusammen. Eine Rolle spielen dabei das Sitzen und Getragenwerden auf dem Pferderücken und der Umgang mit dem Pferd vom Boden aus.
Das Kuratorium wurde im November 1977 in Wien als „Österreichisches Kuratorium für Hippotherapie“ gegründet, bei einem Symposium mit dem Titel „Physiotherapie auf dem Pferd“. Den ersten Lehrgang für Hippotherapie hielt es 1979 in Bad Mitterndorf ab.
Was ist Hippotherapie?
Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Behandlung, die die dreidimensionale Bewegung des Pferderückens nutzt. Das Becken wird dabei ähnlich wie beim Gehen bewegt, und Rumpf, Kopf und Arme müssen sich ständig anpassen. So werden laut OKTR Aufrichtung, Gleichgewicht und die Koordination von Bewegungen geübt. Das Pferd geht dabei rund 80 bis 100 Schritte pro Minute, was viele Wiederholungen ermöglicht.
Die Hippotherapie wird ärztlich verordnet, individuell dosiert und nach einem Therapieplan durchgeführt. Die Leitung hat eine Physiotherapeut:in, eine weitere Person führt das Pferd. Als Zielgruppen nennt das OKTR unter anderem Menschen mit Erkrankungen des Nervensystems, etwa Zerebralparese, Multiple Sklerose oder Folgen eines Schlaganfalls. Das Gesundheitsportal führt die Hippotherapie bei Multipler Sklerose als mögliche Ergänzung zur Physiotherapie an.
Welche anderen Formen gibt es?
Bei der Ergotherapie mit Pferd arbeiten Ergotherapeut:innen mit, auf und im Umfeld des Pferdes. Geübt werden alltagsnahe Tätigkeiten wie das Vorbereiten des Futters oder das Flechten der Mähne. Auch diese Behandlung wird ärztlich verordnet.
Die heilpädagogische und therapeutische Förderung mit dem Pferd richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, etwa mit Behinderungen, Lernschwächen oder emotionalen und sozialen Problemen. Dabei werden psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziale Maßnahmen mit Hilfe des Pferdes umgesetzt, der Ablauf richtet sich auch nach dem Grundberuf der Fachkraft. Laut OKTR ist sie oft privat zu bezahlen, je nach Bundesland kann um Zuschüsse angesucht werden.
Das Integrative Reiten ermöglicht Menschen mit und ohne Behinderung das Reiten als Sport, bis hin zu Bewerben. Pferdegestützte Angebote zur persönlichen Entwicklung beschreibt der Eintrag „Pferdegestütztes Coaching“.
Was sagt die Forschung?
Eine Metaanalyse aus 2022 fand bei Kindern mit Zerebralparese einen positiven Effekt pferdegestützter Therapien, vor allem der Hippotherapie, auf die Grobmotorik und das Gehen. Verglichen wurde mit der üblichen Versorgung, die Lebensqualität verbesserte sich nicht nachweisbar. Eine zweite Metaanalyse verglich Physiotherapie mit und ohne Hippotherapie und fand ähnliche Effekte in beiden Gruppen. Die Studien waren dort klein und anfällig für Verzerrungen, die Beweislage sehr schwach.
Bei Multipler Sklerose fand eine Übersicht aus fünf randomisierten Studien Hinweise auf günstige Effekte, etwa auf Gleichgewicht, Erschöpfung und Gehen. Die Autor:innen fordern aber weitere, methodisch bessere Studien.
Worauf ist zu achten?
Vor einer Hippotherapie oder Ergotherapie mit Pferd steht eine ärztliche Verordnung. Physio- und Ergotherapeut:innen müssen ärztliche Hilfe beiziehen, wenn der Gesundheitszustand es erfordert. Vor dem Kontakt mit dem Pferd sollte eine Allergie gegen Pferde ausgeschlossen sein. Bei stark geschwächter Abwehr kann der Tierkontakt wegen der Infektionsgefahr ungeeignet sein. Zur artgemäßen Haltung der Therapiepferde zählt laut OKTR unter anderem täglicher Auslauf auf der Koppel mit Artgenossen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.