Selbstbeobachtung bedeutet, das eigene Denken, Fühlen und Tun bewusst wahrzunehmen. Das Fachwort dafür ist Introspektion. In der Verhaltenstherapie und in der Medizin wird Selbstbeobachtung gezielt genutzt, etwa mit einem Tagebuch.
Was ist Selbstbeobachtung?
Selbstbeobachtung ist die Beobachtung des eigenen Denkens, Fühlens und Tuns. Das gleichbedeutende Fachwort Introspektion beschreibt eine Beobachtung, die nach innen gerichtet ist, also auf das eigene Bewusstsein und die seelischen Vorgänge.
Welche Rolle spielte sie in der Geschichte der Psychologie?
Viele Lehrbücher erzählen die Geschichte der wissenschaftlichen Psychologie so: Am Anfang stand die Introspektion als Methode. Dann verwarf der US-Psychologe John B. Watson sie als unzuverlässig und bestimmte die Psychologie neu als Wissenschaft des Verhaltens. Der Psychologe Alan Costall von der Universität Portsmouth hält diese Erzählung weitgehend für einen Mythos. Die Methode der Introspektion sei nie verschwunden.
Wofür wird Selbstbeobachtung genutzt?
In der kognitiven Verhaltenstherapie halten Klient:innen oft über einige Zeit eigene Gedanken, Gefühle oder einzelne Situationen in einem Tagebuch fest. In den Sitzungen wird dann besprochen, ob sie das Erlebte realistisch einschätzen und was geschieht, wenn sie sich anders verhalten als bisher.
Auch in der Medizin hat sie ihren Platz. Bei der Abklärung von Ein- und Durchschlafstörungen kann etwa ein Schlaftagebuch hilfreich sein.
Wo liegen die Grenzen?
Wie verlässlich der Blick nach innen ist, bleibt in der Forschung umstritten. Viele Philosoph:innen halten die Introspektion für eine verlässliche Quelle der Selbsterkenntnis. Eine wachsende Zahl von Kognitionswissenschaftler:innen bezweifelt das dagegen. Manche nehmen an, dass Menschen sich selbst ähnlich deuten wie andere Personen.
Selbstbeobachtung kann auch mit Ängsten einhergehen. Bei einer Krankheitsangst untersuchen sich manche Betroffene regelmäßig und messen etwa wiederholt ihren Puls. Neue Körperempfindungen jagen ihnen dann leicht Angst ein. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Hypochondrie“.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.