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Patchworkfamilie

04:27

Auf den Punkt gebracht

Eine Patchworkfamilie ist eine Familie, in der ein Paar mit Kindern zusammenlebt, die aus einer früheren Beziehung von einem oder beiden Partner:innen stammen, oft auch zusammen mit gemeinsamen Kindern. Fachlich spricht man von einer Stieffamilie. In Österreich war 2023 knapp jede elfte Paarfamilie mit Kindern unter 25 Jahren eine Stieffamilie.

Was ist eine Patchworkfamilie?

Laut Duden ist die Patchworkfamilie umgangssprachlich eine Familie, in der neben gemeinsamen Kindern auch Kinder aus früheren Beziehungen der Mutter, des Vaters oder beider leben. Das Wort stammt vom englischen „patchwork“, zusammengesetzt aus „patch“ für Fleck oder Flicken und „work“. Es bezeichnet eine Handarbeitstechnik, bei der Stoffteile verschiedener Farbe, Form und Musterung zu Decken oder Wandbehängen zusammengefügt werden.

Die Statistik spricht von Stieffamilien. Gemeint ist ein Paar mit Kindern, bei dem mindestens ein Kind das leibliche oder adoptierte Kind nur eines der beiden ist. Wer nicht leiblicher Elternteil ist, heißt Stiefelternteil. Auch gleichgeschlechtliche Paare können eine Stieffamilie bilden.

Wie häufig sind Patchworkfamilien in Österreich?

Statistik Austria zählte für 2023 rund 79.400 Stieffamilien, das sind 8,7 Prozent aller Paarfamilien mit Kindern unter 25 Jahren. In Stieffamilien lebten rund 311.000 Menschen, etwa 3,4 Prozent der Bevölkerung.

Am häufigsten ist die Stiefvaterfamilie, in der die Mutter Kinder mitbringt und kein gemeinsames Kind hinzukommt. Sie macht gut die Hälfte aus. Danach folgt mit knapp 40 Prozent die komplexe Stieffamilie, in der das Paar zusätzlich ein gemeinsames Kind hat. Dass Stiefväter viel häufiger sind als Stiefmütter, erklärt Statistik Austria damit, dass Kinder nach einer Trennung überwiegend bei der Mutter bleiben.

Was ist in Patchworkfamilien oft schwierig?

Zwischen Stiefeltern und Stiefkindern besteht laut dem Psychologen Karl Leibetseder eine Art zwingender Abhängigkeit, man sollte miteinander auskommen, auch ohne sich von Anfang an sympathisch zu sein. Er beschreibt das Kennenlernen auf dem Familienberatungsportal des Bundes in drei Phasen: Bekanntwerden, Umgang und Vertrautheit. Die mittlere Phase könne ein bis fünf Jahre dauern.

Häufig geraten Kinder in Loyalitätskonflikte, wenn ein Elternteil eine neue Partnerin oder einen neuen Partner hat. Laut einer Beraterin brauchen Kinder die Erlaubnis, die neue Person zu mögen, ohne sich als Verräter am anderen Elternteil zu fühlen. Neue Partner:innen sollten Erziehungsaufgaben nicht einfach übernehmen. Für Jugendliche sei die Umstellung oft schwieriger.

Eine Psychotherapeutin rät, schon vor dem ersten Treffen zu klären, welche Rolle die neue Person in der Familie haben soll, etwa ob sie miterziehen darf. Wichtig seien Ehrlichkeit und Zeit, damit Kinder eine eigene Beziehung aufbauen können.

Welche Rechte und Pflichten haben Stiefeltern?

Stiefeltern haben von Gesetzes wegen keine eigene Obsorge, sie unterstützen aber den Elternteil, mit dem sie zusammenleben. Ein Ehegatte muss dem anderen bei der Obsorge für dessen Kinder in angemessener Weise beistehen. Soweit es die Umstände erfordern, vertritt er ihn in Obsorgeangelegenheiten des täglichen Lebens.

Ähnliches gilt ohne Trauschein. Eine volljährige Person, die mit einem Elternteil und dessen minderjährigem Kind nicht nur vorübergehend zusammenlebt und mit dem Elternteil in einem familiären Verhältnis steht, muss alles Zumutbare tun, um das Kindeswohl zu schützen. Auch sie vertritt den Elternteil bei Bedarf in alltäglichen Obsorgeangelegenheiten.

Wo finden Patchworkfamilien Unterstützung?

Kostenlose Beratung bieten die geförderten Familienberatungsstellen, auch zu Fragen rund um Stiefkinder und neue Partnerschaften. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht anonym und rund um die Uhr unter 147. Verwandte Themen erklären die Glossarbegriffe „Trennung und Scheidung“ und „Systemische Familientherapie“.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)