Orthopädische Physiotherapie ist der Bereich der Physiotherapie, der sich mit Beschwerden, Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats befasst, also von Knochen, Gelenken, Muskeln, Bändern und Sehnen. Im Mittelpunkt stehen Übungen, die Beweglichkeit, Kraft und Belastbarkeit verbessern. In Österreich bieten sie Physiotherapeut:innen an, die zu einem gesetzlich geregelten Gesundheitsberuf gehören.
Was ist orthopädische Physiotherapie?
Gemeint ist die physiotherapeutische Behandlung bei Problemen des Bewegungsapparats. Der Berufsverband Physio Austria führt dafür ein eigenes fachliches Netzwerk für Orthopädie und Traumatologie. Typische Anlässe sind Rückenschmerzen, Arthrose sowie Beschwerden durch Verschleiß oder Verletzungen an Muskeln, Sehnen und Gelenken. Auch nach Operationen spielt sie eine Rolle, etwa wenn es darum geht, nach einer Gelenksoperation wieder schmerzfrei zu gehen.
Woher kommt die orthopädische Physiotherapie?
Die Orthopädie gehört zu den ältesten Arbeitsfeldern der Physiotherapie, denn laut Physio Austria wurden in den Anfängen hauptsächlich orthopädische Krankheitsbilder behandelt. Durch die vielen Verletzungen im Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Patient:innen stark an. Aus Turnübungen, die an die Verletzungen angepasst wurden, entwickelten sich nach und nach eigene Behandlungskonzepte. In Wien startete 1916 im Krankenhaus Lainz die erste Physiotherapie-Ausbildung.
Wie läuft eine Behandlung ab?
Am Anfang steht eine funktionelle Untersuchung, bei der unter anderem Haltung, Bewegungsabläufe, Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit und Schmerzreaktionen beurteilt werden. Darauf aufbauend werden Ziele festgelegt und die Behandlung geplant, so wie es das MTD-Gesetz als physiotherapeutischen Prozess beschreibt. Wichtigster Bestandteil ist die aktive Bewegungstherapie mit Übungen für Beweglichkeit, Koordination und Kraft. Die Übungen werden in den Terminen erlernt und sollen danach regelmäßig zu Hause weitergeführt werden.
Ergänzend kommen passive Verfahren infrage, etwa geführte Bewegungen, Massagen, Wärme, Kälte oder Elektrotherapie. Eine mögliche Spezialisierung ist die manuelle Therapie, bei der Gelenke mit gezielten Handgriffen bewegt werden. Dachorganisation dafür ist in Österreich der Österreichische Verein für Orthopädische Manuelle Therapie.
Was ist über die Wirkung bekannt?
Bei chronischen Rückenschmerzen sind Bewegungstherapien die am besten untersuchten Behandlungen, mit über 200 Studien. Im Durchschnitt gingen die Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 um etwa 15 Punkte zurück, und die Wirkung hielt längerfristig an. Bei akuten Rückenschmerzen, die seit weniger als sechs Wochen bestehen, ist die Wirkung schlechter untersucht. Studien deuten eher darauf hin, dass die Beschwerden mit gezielten Übungen nicht schneller nachlassen als ohne. Aktiv zu bleiben ist trotzdem sinnvoll.
Bei passiven Verfahren sind die Einschätzungen vorsichtiger. Das österreichische Gesundheitsportal zählt Manualtherapie und Mobilisation in Kombination mit Bewegungstherapie zu den Maßnahmen bei chronischen Rückenschmerzen. Das deutsche Institut IQWiG kommt zum Schluss, dass passive Behandlungen chronische Rückenschmerzen allenfalls kurzfristig lindern und sich nur als Ergänzung eignen. Bei Kniearthrose verbessern Übungen laut einer Cochrane-Übersicht kurzfristig wahrscheinlich Schmerzen und körperliche Funktion. Wie groß der Nutzen im Alltag ist, bleibt aber unsicher.
Wann ist zuerst eine ärztliche Abklärung nötig?
Rückenschmerzen sind meist ungefährlich, bestimmte Warnzeichen gehören aber rasch ärztlich abgeklärt. Dazu zählen Taubheit oder Lähmungserscheinungen im Bein, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang und Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich. Auch Fieber, unerklärlicher Gewichtsverlust oder Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz sind Gründe für einen Arztbesuch. Starke Beschwerden oder Lähmungen im Bein sollten sofort abgeklärt werden.
Wer bietet orthopädische Physiotherapie in Österreich an?
Physiotherapie dürfen in Österreich nur Physiotherapeut:innen ausüben, die eine anerkannte Ausbildung abgeschlossen haben und im Gesundheitsberuferegister eingetragen sind. Bei der Behandlung von Erkrankungen arbeiten sie nach ärztlicher Anordnung eigenverantwortlich. Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse braucht es in der Regel eine ärztliche Verordnung, je nach Kasse auch eine Bewilligung. Neben Physiotherapeut:innen mit Kassenvertrag gibt es Wahltherapeut:innen, bei denen die Krankenkasse einen Teil der Kosten rückerstatten kann.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.
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