Was ist Marte Meo?
Marte Meo ist eine Methode, die mithilfe von Videoaufnahmen alltäglicher Situationen zeigt, wie Entwicklung im Miteinander gefördert werden kann. Sie richtet sich an Eltern, Angehörige und Fachkräfte, die Kinder, Jugendliche oder Erwachsene begleiten. Der Grundgedanke laut der Begründerin ist, dass vor allem die Qualität der täglichen Begegnungen Entwicklung möglich macht.
Der Ansatz gilt als ressourcen- und lösungsorientiert. Er sucht also zuerst nach dem, was schon gelingt. Aarts entwickelte die Methode ohne eigene theoretische Grundlage, Fachleute sehen aber Parallelen etwa zur Bindungstheorie.
Woher kommen Name und Methode?
Der Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß „aus eigener Kraft“. Maria Aarts fand den Ausdruck nach eigenen Angaben in klassischen lateinischen Texten. „Marte“ leitet sie von „mars“ für Kraft ab, „Meo“ von „meus“ für „mein“.
Laut der Begründerin hat sie die Methode über mehr als 40 Jahre weiterentwickelt. Daraus ist ein internationales Netzwerk entstanden, das internationale Ausbildungszentrum liegt im niederländischen Eindhoven. Im deutschsprachigen Raum wurde Marte Meo unter anderem in der Jugendhilfe bekannt.
Wie läuft eine Marte-Meo-Beratung ab?
Zunächst werden alltägliche Situationen auf Video aufgenommen. Die Fachkraft wertet die Aufnahme aus und achtet darauf, welche entwicklungsfördernden Elemente im Umgang miteinander schon vorhanden sind. Etwa eine Woche später sehen die Eltern ausgewählte Szenen, oft auch als Standbilder.
Im Gespräch geht es darum, was das Kind bereits kann, welcher Entwicklungsschritt als Nächstes ansteht und was die Eltern dafür entdecken können. Die Eltern sehen sich und ihr Kind dabei gleichsam von außen. Bei Bedarf folgen neue Aufnahmen. Die Beratung endet, wenn die Herausforderungen als gelöst gelten oder die förderlichen Elemente im Alltag vorhanden sind.
Untersucht wurde Marte Meo etwa bei Eltern von Säuglingen und Kleinkindern und bei Müttern mit Wochenbettdepression. Weitere Felder sind Kindergarten und Schule sowie die Pflege von Menschen mit Demenz. Laut einer norwegischen Fachpublikation führt eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung mit Theorie und Supervision zum Zertifikat als Marte-Meo-Therapeut:in.
Was sagt die Forschung?
Belastbare Wirksamkeitsnachweise fehlen bisher. Die meisten Studien sind kleine Befragungen oder Fallstudien mit wenigen Familien. Darin berichten Eltern etwa, dass sie mehr über ihr Kind nachdachten und feinfühliger reagierten. Pflegekräfte in der Demenzbetreuung beschrieben, dass sie Bewohner:innen besser verstanden. Die Autor:innen solcher Studien betonen selbst, dass es mehr Forschung zur Wirksamkeit braucht.
Eine schwedische Arbeitsgruppe prüfte Marte Meo bei Kindern mit störendem Verhalten in Kindergarten und Schule in einer randomisierten Studie. Das Programm wurde mit Koordinationstreffen in der Schule kombiniert. Nach einem Jahr hatten sich die Kinder in beiden Gruppen gebessert, ein Unterschied zur üblichen Unterstützung zeigte sich nicht.
Wo liegen die Grenzen?
Gefilmt zu werden, kann belasten. In einer Befragung von Eltern aus einer Klinik für Säuglinge und Kleinkinder berichteten manche anfangs von Angst und Kontrollverlust. Die Aufnahmen erlebten einige als störend, andere als stärkend. Entscheidend war auch, ob sich die Eltern in der Beratung wertgeschätzt oder abgewertet fühlten. Bei Angehörigen von Menschen mit Demenz hing der Nutzen in einer kleinen Studie davon ab, ob sie die Erkrankung angenommen hatten.