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Forensische Psychologie

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Auf den Punkt gebracht

Forensische Psychologie setzt psychologisches Wissen und psychologische Methoden in Gerichtsverfahren und im Strafvollzug ein. Forensische Psycholog:innen erstellen etwa Gutachten zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, zum Rückfallrisiko von Straftäter:innen oder in Verfahren um Obsorge und Kindeswohl. Gemeinsam mit der Kriminalpsychologie bildet sie einen Teilbereich der Rechtspsychologie.

Was ist forensische Psychologie?

Forensische Psychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das an der Schnittstelle zum Recht arbeitet. „Forensisch“ kommt vom lateinischen forensis, „zum Forum gehörend“, und bedeutet heute „im Dienste der Rechtspflege stehend“. Das AMS-Berufslexikon zählt sie wie die Kriminalpsychologie zur Rechtspsychologie.

Forensische Psycholog:innen befassen sich laut AMS mit der Schuldfähigkeit von Angeklagten, der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen und der Beweisführung vor Gericht. In der Forschung untersuchen sie Ursachen und Motive kriminellen Verhaltens. Ein Hauptbereich ist die Kriminalprognostik, also die Einschätzung, wie wahrscheinlich weitere Taten sind.

Welche Aufgaben gibt es?

Ein großer Teil der Arbeit sind Gutachten. Klinisch-psychologische Gutachten werden laut Gesundheitsportal unter anderem in familiengerichtlichen Verfahren erstellt, zur Beurteilung der Aussagefähigkeit und bei Fragen zum Rückfallrisiko von Straftäter:innen. Weitere Anlässe sind etwa Zweifel an der Entscheidungsfähigkeit, zum Beispiel bei Demenz, oder bestimmte Verkehrsdelikte.

Bei Streit um Obsorge oder Kontaktrecht kann das Gericht die Familiengerichtshilfe beauftragen. Sie stellt dem Gericht psychologisches, pädagogisches und sozialarbeiterisches Fachwissen zur Verfügung, und dort arbeiten unter anderem Psycholog:innen. Im Strafverfahren über eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum ist in erster Linie die Psychiatrie gefragt. Steht niemand aus der Psychiatrie rechtzeitig zur Verfügung, kann das Gericht eine Fachperson der klinischen Psychologie bestellen.

Forensische Psycholog:innen arbeiten auch in der Behandlung von Straftäter:innen, etwa als Psychotherapeut:innen in Einrichtungen des Strafvollzugs. Beim sogenannten Profiling erstellen sie gemeinsam mit Kriminolog:innen und Kriminaltechniker:innen Täter- und Tatortprofile. Diese Ausbildung findet laut AMS üblicherweise innerhalb der Polizei statt.

Wie entsteht ein psychologisches Gutachten?

Grundlage ist eine Untersuchung mit standardisierten Testverfahren, bei Bedarf ergänzt um Vorbefunde und Akten. Sachverständige müssen neutral, unbefangen und unabhängig arbeiten, und ihr Ergebnis muss nachvollziehbar und schlüssig sein. Wie mit dem Ergebnis umgegangen wird, entscheidet die auftraggebende Stelle, etwa das Gericht.

Bei einem Gutachten für ein Gericht oder eine Behörde fallen die dafür erhobenen Tatsachen nicht unter die Verschwiegenheit. Das muss die Gutachterin oder der Gutachter von Beginn an klarstellen. Alles, was für das Gutachten nicht relevant ist, bleibt vertraulich. Die Kosten trägt die auftraggebende Stelle.

Wer darf forensisch-psychologisch arbeiten?

Grundlage ist ein abgeschlossenes Psychologiestudium im Umfang eines Masters, laut AMS mit einer Spezialisierung in forensischer Psychologie oder Rechtspsychologie. Klinisch-psychologische Gutachten über psychische Störungen sind laut Psychologengesetz Klinischen Psycholog:innen vorbehalten. Die Befugnisse von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen bleiben davon unberührt. Ohne diese Zusatzausbildung dürfen Psycholog:innen psychisch kranke Menschen nicht selbstständig untersuchen oder behandeln.

Gerichte bestellen als Sachverständige vor allem Personen, die in der Gerichtssachverständigen- und Gerichtsdolmetscherliste der Justiz eingetragen sind. Diese Liste ist öffentlich durchsuchbar. Anders als in den USA war die klinisch-forensische Tätigkeit laut einem Fachbeitrag von 2015 im deutschsprachigen Raum noch keine anerkannte eigene Spezialisierung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (8)