Was sind Fettstoffwechselstörungen?
Fette sind lebenswichtig, der Körper braucht sie etwa zur Energiegewinnung, für Hormone und zum Aufbau von Zellen. Fachleute nennen die Blutfette Lipide, die wichtigsten sind Cholesterin und Triglyzeride. Weil Fette nicht wasserlöslich sind, reisen sie im Blut gebunden an Eiweiße, als sogenannte Lipoproteine.
Zu viel LDL-Cholesterin kann sich in den Blutgefäßen ablagern, deshalb heißt es umgangssprachlich das „schlechte“ Cholesterin. HDL-Cholesterin bringt überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber und gilt als Schutzfaktor. Erhöhte Blutfette, fachlich Hyperlipidämien, zählen zu den häufigsten Fettstoffwechselstörungen in Industrieländern.
Welche Formen gibt es?
Unterschieden wird nach den betroffenen Blutfetten. Bei einer Hypercholesterinämie ist das Cholesterin erhöht, bei einer Hypertriglyzeridämie sind es die Triglyzeride. Bei der gemischten Form sind beide zu hoch, oft ist zugleich das HDL-Cholesterin vermindert.
Meist wirken erbliche Veranlagung und Lebensstil zusammen, etwa fett- und zuckerreiche Ernährung, viel Alkohol und Bewegungsmangel. Manchmal entsteht eine Fettstoffwechselstörung auch als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit, zum Beispiel bei Diabetes, Nieren-, Schilddrüsen- oder Lebererkrankungen. Auch manche Medikamente, etwa Kortisonpräparate, können die Triglyzeride erhöhen.
Eine Sonderform ist die familiäre Hypercholesterinämie. Hier sorgt ein vererbter Gendefekt dafür, dass sich schon im Kindesalter viel LDL-Cholesterin im Blut ansammeln kann. Je nach Quelle betrifft das etwa 3 bis 5 von 1.000 Menschen. Hat ein Elternteil die Erkrankung, wird sie mit mindestens 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an jedes Kind vererbt.
Welche Folgen kann eine Fettstoffwechselstörung haben?
Erhöhte Blutfette bereiten oft jahrelang keine Beschwerden. Mit der Zeit können sie aber Ablagerungen in den Gefäßen verursachen und so eine Arteriosklerose begünstigen. Mögliche Folgen sind Herzinfarkt, Angina pectoris, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen.
Sehr hohe Triglyzeridwerte können eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen, die manchmal tödlich verläuft. Bei sehr hohen Werten lagert sich Fett mitunter auch in Haut und Sehnen ab, etwa als gelbliche Knötchen. Plötzliche neurologische Störungen können auf einen drohenden Schlaganfall hinweisen. Dann ist sofort die Rettung unter 144 zu rufen.
Wie wird sie festgestellt?
Meist fallen erhöhte Blutfette zufällig auf, etwa bei der Vorsorgeuntersuchung, bei der die wichtigsten Werte im Blut bestimmt werden. Zur Abklärung gehören eine Blutuntersuchung, Fragen zu Erkrankungen in der Familie und eine körperliche Untersuchung mit Blutdruck und Taillenumfang. Welche Werte jemand anstreben sollte, hängt vom persönlichen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab.
Was hilft bei Fettstoffwechselstörungen?
Bei geringem bis mittlerem Herz-Kreislauf-Risiko stehen Änderungen des Lebensstils am Anfang. Dazu zählen Abnehmen bei Übergewicht, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Nichtrauchen. Alkohol kann vor allem die Triglyzeride erhöhen, Rauchen senkt das schützende HDL-Cholesterin.
Reicht das nicht aus, kommen Medikamente infrage, vor allem sogenannte Statine. Bei der familiären Hypercholesterinämie ist meist eine lebenslange Behandlung mit Medikamenten nötig. Bei sehr schweren Formen kann eine Art Blutwäsche, die Lipoprotein-Apherese, LDL-Cholesterin aus dem Blut entfernen.
Die meisten Menschen vertragen Statine gut, in Studien lösten sie bei etwa 1 von 100 Personen Muskelschmerzen aus, sehr selten auch Muskelschäden. Muskelschmerzen haben oft andere Ursachen, deshalb sollte vor dem Absetzen ärztlich geklärt werden, woher sie kommen. Bei Anzeichen eines Muskelschadens wie Muskelschwäche und Schwellungen oder bei rötlich bis dunkel verfärbtem Urin sollte die Einnahme unterbrochen und sofort ärztlicher Rat eingeholt werden. Weil Statine mit anderen Medikamenten wechselwirken können, ist es wichtig, alle eingenommenen Mittel ärztlich anzugeben. Auf Grapefruit sollte während der Einnahme verzichtet werden.
Wer hilft in Österreich?
Erste Anlaufstelle ist eine Ärztin oder ein Arzt für Allgemeinmedizin. Genauer abklären können Fachärzt:innen für Innere Medizin, besonders mit Zusatzausbildung in Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, sowie Stoffwechselambulanzen. Die Diagnosekosten übernimmt im Normalfall die Krankenversicherung, bei manchen Trägern fällt ein Selbstbehalt an. Viele Krankenversicherungsträger bieten außerdem Ernährungsberatung und Raucherentwöhnung an.