Enthemmung bedeutet, dass die gewohnten inneren Bremsen nachlassen und ein Mensch vorschnell handelt, ohne an mögliche Folgen oder soziale Regeln zu denken. Sie kann vorübergehend durch Alkohol entstehen. Sie kann aber auch ein Anzeichen einer Manie, einer Demenz oder einer anderen Erkrankung des Gehirns sein.
Was ist Enthemmung?
In der Fachsprache beschreibt Enthemmung die Neigung, sofort auf äußere Reize oder auf eigene Empfindungen, Gefühle und Gedanken hin zu handeln, ohne mögliche negative Folgen zu bedenken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt in ihrer Klassifikation ICD-11 als typische Ausprägungen Impulsivität, leichte Ablenkbarkeit, Unzuverlässigkeit, Leichtsinn und wenig Planung. Stark enthemmte Menschen können Belohnungen schlecht aufschieben. Eng damit verbunden sind etwa Substanzkonsum, Glücksspiel und impulsives Sexualverhalten.
Wann tritt Enthemmung auf?
Ein bekanntes Beispiel ist die Wirkung von Alkohol. Mit steigender Menge fallen Hemmungen, und manche Menschen neigen zu aggressivem Verhalten. Bei einer Alkoholabhängigkeit kann die enthemmende Wirkung dazu beitragen, dass Betroffene gewalttätig werden oder Straftaten begehen.
In einer Manie kann der Verlust normaler sozialer Hemmungen zu leichtsinnigem, rücksichtslosem und persönlichkeitsfremdem Verhalten führen. Auch Krankheiten, Verletzungen oder Funktionsstörungen des Gehirns können die Persönlichkeit verändern. Betroffen ist dann oft, wie ein Mensch Gefühle, Bedürfnisse und Impulse äußert. Bei einer Demenz zeigt sich Enthemmung als Missachtung sozialer Gepflogenheiten, als Impulsivität und als schlechte Einschätzung von Risiken. Bei manchen Demenzformen können solche Verhaltensänderungen das erste Anzeichen sein. Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten sind etwa typisch für die frontotemporale Demenz, die meist vor dem 65. Lebensjahr beginnt.
Welche Rolle spielt Enthemmung in der Diagnostik?
In der ICD-11 ist Enthemmung einer von fünf Persönlichkeitszügen, mit denen Fachleute eine Persönlichkeitsstörung näher beschreiben. Der Begriff findet sich auch bei Kindern. Die ICD-10 kennt eine „Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung“, die in den ersten fünf Lebensjahren beginnt. Betroffene Kinder suchen zum Beispiel ohne Unterschied Bindung und Aufmerksamkeit und verhalten sich wahllos freundlich.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.