balancio

Bindungsangst

02:11

Auf den Punkt gebracht

Bindungsangst ist ein Wort der Alltagssprache für die Scheu, eine feste Beziehung einzugehen. Eine medizinische Diagnose ist es nicht. Fachlich knüpft es an die Bindungsforschung an, die untersucht, wie Menschen mit Nähe und Abhängigkeit umgehen.

Was ist Bindungsangst?

Duden und DWDS beschreiben Bindungsangst als Scheu oder Angst davor, eine feste Bindung einzugehen. In der Krankheitsklassifikation ICD-10 kommt das Wort nicht vor. Mit den Bindungsstörungen der frühen Kindheit, einer Diagnose nur bei Kindern, ist es nicht zu verwechseln, sie haben einen eigenen Glossarbegriff.

Was sagt die Bindungsforschung?

Die Bindungstheorie von John Bowlby und Mary Ainsworth beschrieb zunächst, wie sich Kleinkinder an ihre Bezugspersonen binden. 1987 übertrugen die Forschenden Hazan und Shaver diese Idee auf Liebesbeziehungen Erwachsener. Sie unterschieden einen sicheren, einen vermeidenden und einen ängstlich-ambivalenten Bindungsstil.

Verbreitete Fragebögen erfassen heute zwei Dimensionen. Bindungsbezogene Vermeidung beschreibt Unbehagen bei zu viel Nähe und dabei, sich auf andere zu verlassen. Bindungsbezogene Angst meint dagegen die Sorge, die Liebe der Partnerin oder des Partners zu verlieren. Was im Alltag Bindungsangst heißt, ähnelt eher der Vermeidung. Die englische Fachbezeichnung „attachment anxiety“ steht hingegen für die Verlustangst.

Solche Bindungsmuster gelten als relativ stabil und prägen mit, wie Menschen Gefühle regulieren. Sie beschreiben aber keine Störung, sondern Unterschiede im Erleben und Verhalten.

Was kann helfen?

Belastet die Angst vor Nähe dauerhaft das Leben oder die Partnerschaft, kann eine Psychotherapie unterstützen. Sie ist in Österreich auch bei belastenden Lebenssituationen und Krisen in der Partnerschaft möglich und kann ohne ärztliche Überweisung begonnen werden. Die Krankenversicherung beteiligt sich in der Regel nur bei einer krankheitswertigen Störung und mit ärztlicher Bestätigung, sonst ist sie eine Privatleistung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)