balancio

Babymassage

04:53

Auf den Punkt gebracht

Bei der Babymassage streichen und massieren Eltern oder andere Bezugspersonen ein Baby sanft mit den Händen, mit oder ohne Öl. Die Griffe lernen viele in einem Kurs und wenden sie danach zu Hause an. Ob gesunde Babys messbar davon profitieren, ist bisher nicht gut belegt.

Was ist eine Babymassage?

Babymassage ist die Massage eines Säuglings, meist durch die eigenen Eltern. In vielen Studien wurde dabei der ganze Körper massiert, teils mit Öl, teils ohne. In vielen Gegenden der Welt, vor allem in Afrika und Asien sowie im Südpazifik, ist sie eine überlieferte Praxis. Bei einer Befragung in Bangladesch gaben 96 Prozent der Bezugspersonen an, ihr Neugeborenes ein- bis dreimal täglich am ganzen Körper zu massieren.

In westlichen Ländern kam die Babymassage zunächst auf Neugeborenen-Intensivstationen zum Einsatz, wo Frühgeborene wenig Berührung erfahren. Später wuchs das Interesse, weil die Massage den frühen, feinfühligen Kontakt zwischen Eltern und Kind unterstützen soll.

Woher kommt die Babymassage?

Westliche Kurse haben Elemente aus überlieferten Praktiken östlicher Kulturen übernommen. Laut Darstellung der International Association of Infant Massage (IAIM) arbeitete deren Gründerin Vimala McClure in einem Waisenhaus in Nordindien und lernte in Indien die Griffe der Babymassage kennen. 1978 entwickelte sie daraus ein Kursprogramm für Eltern, das indische Griffe mit schwedischer Massage, Grundsätzen der Reflexzonenmassage und Yoga verband. Im selben Jahr erschien ihr Handbuch für Eltern.

Die Vereinigung wurde 1986 in den USA gegründet und ist seit 1992 als internationale Organisation in Schweden registriert. Neben ihrem Ansatz gibt es Schulen, die stärker auf yogaähnliche Bewegungen und Beweglichkeit setzen.

Wie läuft eine Babymassage ab?

Meist lernen Eltern die Griffe in einer Gruppe unter Anleitung und massieren ihr Kind danach zu Hause. In Studien einer Cochrane-Übersicht trafen sich Eltern etwa einmal pro Woche für 45 bis 70 Minuten, über vier bis fünf Wochen. Zu Hause massierten sie ihr Baby dann beispielsweise zweimal täglich zehn bis 15 Minuten lang.

In manchen schwedischen Kindergesundheitszentren zeigen Pflegefachkräfte den Eltern Bewegungen, die an den Füßen beginnen und bis zum Gesicht reichen. Kurse nach dem Programm der IAIM legen Wert darauf, die Signale des Babys zu beobachten und die Berührung daran anzupassen.

Was sagt die Forschung?

Eine Cochrane-Übersicht von 2013 wertete 34 Studien mit gesunden Babys unter sechs Monaten aus, Frühgeborene im Krankenhaus waren ausgeschlossen. Einzelne Ergebnisse sprachen für die Massage, etwa beim Wachstum, beim Schlaf und bei der Schreidauer. Viele Studien hatten jedoch ein hohes Verzerrungsrisiko, und ohne sie blieb nur ein Vorteil bei der Körperlänge bestehen. Die Autor:innen sahen deshalb keine ausreichende Grundlage, Babymassage für Familien ohne besondere Belastung zu empfehlen.

Eine Übersicht von 2022 mit 31 Studien kam zu einem ähnlichen Schluss: Die Massage könnte das Längenwachstum fördern, alle anderen Wirkungen blieben unsicher. Für Mütter mit einer Depression nach der Geburt fand eine kleinere Übersicht von 2023 Hinweise, dass das Massieren des Babys ihre Beschwerden und die Beziehung zum Kind verbessern kann.

Worauf ist zu achten?

Nicht jedes Öl eignet sich für Babyhaut. Ätherische Öle mit Menthol sollen laut Österreichischer Gesundheitskasse bei Kindern unter zwei Jahren nicht verwendet werden, auch nicht als Balsam. Schon kleinste Mengen können den Kehlkopf verkrampfen und Atemnot auslösen. Besondere Vorsicht gilt bei Pfefferminz-, Kampfer-, Eukalyptus- und Thymianöl.

Auch Pflanzenöle sind nicht automatisch unbedenklich, Senföl etwa kann die Haut schädigen. In einer kleinen britischen Studie war die Haut von Neugeborenen mit Oliven- oder Sonnenblumenöl zwar feuchter. Die Fettschichten in der obersten Hautschicht entwickelten sich aber weniger gut als ohne Öl. Die Forschenden raten deshalb bis zu weiteren Studien zur Vorsicht mit Ölen bei Neugeborenen.

Bei Blähungen bringt laut einer Broschüre des Gesundheitsministeriums oft schon eine vorsichtige Bauchmassage Besserung. Für Babys, die viel schreien, empfiehlt das Gesundheitsportal gleichbleibende Beruhigungsrituale, und auch eine Massage kann dazugehören.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)