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Tiefengewebsmassage

04:33

Auf den Punkt gebracht

Die Tiefengewebsmassage, englisch Deep Tissue Massage, soll gezielt tiefere Schichten von Muskeln und Bindegewebe erreichen und dort Spannungen lösen. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Einzelne Studien deuten auf kurzfristig weniger Schmerzen hin, der kräftige Druck kann in seltenen Fällen aber ernste Folgen haben.

Was ist eine Tiefengewebsmassage?

Unter Tiefengewebsmassage versteht nicht jede Fachperson dasselbe. Eine Übersichtsarbeit von 2018 fand in der Fachliteratur keine allgemein anerkannte Definition. Meist bestimmt die Absicht der Behandelnden, ob von Tiefengewebsmassage die Rede ist, nämlich tieferes Gewebe zu erreichen.

Die Autor:innen schlagen deshalb eine Unterscheidung vor. Als tiefe Massage soll jede Massage gelten, die auf tiefere Gewebeschichten zielt. Der Name Tiefengewebsmassage soll dagegen einer eigenen Methode vorbehalten sein, wie sie der Autor Riggs beschreibt. Ihr Kern ist das Verständnis der Schichten des Körpers. Behandelnde arbeiten in diesen Schichten, um das Gewebe zu entspannen, zu verlängern und festgehaltene Spannungsmuster zu lösen. Dabei bleiben sie in dem Rahmen, den die behandelte Person als angenehm empfindet.

Wie läuft eine Tiefengewebsmassage ab?

Wer so arbeitet, braucht laut einer polnischen Studie gute Kenntnisse der Anatomie und des schichtweisen Aufbaus von Muskeln und Faszien, also den bindegewebigen Hüllen. Behandelnde wirken schrittweise auf das Gewebe ein, bis es sich entspannt. Die Muskeln werden dafür in eine gedehnte Lage gebracht. Bearbeitet werden sowohl der Muskelbauch als auch die Stelle, an der die Sehne am Knochen ansetzt.

In dieser Studie erhielten Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen zwei Wochen lang täglich eine 30-minütige Behandlung.

Was sagt die Forschung?

Gute Belege sind rar. Die Übersichtsarbeit von 2018 hält günstige Ergebnisse bei Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit für möglich, wegen der uneinheitlichen Studien aber keine klaren Schlüsse.

Eine große Studie stammt aus Stockholm. Dort wurden 619 Erwachsene, deren Nackenschmerzen seit Wochen oder länger bestanden, auf vier Gruppen verteilt: Tiefengewebsmassage, Kräftigungs- und Dehnübungen, beides kombiniert oder nur der Rat, aktiv zu bleiben. Mit Massage besserten sich die Schmerzen nach sieben Wochen häufiger als mit dem Rat allein. Nach einem Jahr war keine der Behandlungen bei den Schmerzen wirksamer als der Rat, aktiv zu bleiben. Die Massierten fühlten sich aber häufiger erholt.

In der polnischen Studie mit 59 Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen ließen die Schmerzen nach zwei Wochen Tiefengewebsmassage nach. Zusätzliche entzündungshemmende Schmerzmittel brachten keinen weiteren Vorteil. Eine Gruppe ganz ohne Massage gab es allerdings nicht.

Worauf ist zu achten?

Laut der Übersichtsarbeit von 2018 wurden mehrere seltene, aber schwere Nebenwirkungen beschrieben, vermutlich wegen des kräftigen Drucks. Fallberichte schildern etwa eine Venenthrombose bei einem zuvor gesunden 67-Jährigen nach einer kräftigen Tiefengewebsmassage. Die Autor:innen raten, kräftige Massagen der Beine besonders bei älteren Menschen als möglichen Risikofaktor für Thrombosen zu bedenken. Ein weiterer Bericht beschreibt ein Blutgerinnsel in einer großen Halsvene nach einer Tiefengewebsmassage im Nackenbereich.

Für Massagen allgemein nennt das MSD Manual weitere Vorsichtsregeln. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko können Blutergüsse und Blutungen entstehen. Auf Knochen mit Osteoporose oder mit Absiedelungen einer Krebserkrankung darf kein direkter Druck ausgeübt werden.

Wer bietet Tiefengewebsmassage in Österreich an?

Gewerbliche Masseur:innen arbeiten laut Wirtschaftskammer ausschließlich vorbeugend an gesunden Menschen, ihr Ziel ist das Wohlbefinden. Neben ihren Grundtechniken dürfen sie weitere Massagetechniken als Fortbildung zusätzlich anbieten.

Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Massagen zu Heilzwecken übernehmen medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen, immer nach ärztlicher Diagnose und Anordnung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (8)