Was ist Systemische Aufstellungsarbeit?
Aufstellungsarbeit ist eine szenische Methode, die Beziehungen räumlich sichtbar macht. Je nach Anliegen geht es um die Familie, aber auch um Teams, Betriebe oder Organisationen. Fachleute beschreiben sie als kurze Gruppenintervention, die helfen soll, konflikthafte Erfahrungen in einem sozialen System besser zu verstehen und zu verändern.
In der Systemischen Familientherapie, einer in Österreich anerkannten Psychotherapiemethode, gehört das Stellen von Familien- und Lösungsskulpturen zu den Verfahren. In der Liste der in Österreich anerkannten Psychotherapiemethoden (Stand Dezember 2024) ist die Aufstellungsarbeit nicht als eigene Methode angeführt. Innerhalb der systemischen Psychotherapie wird sie als eine Technik unter mehreren beschrieben.
Wie läuft eine Aufstellung ab?
Der deutsche Fachverband für Aufstellungsarbeit beschreibt den Ablauf so: Bekannt ist vor allem die Arbeit in der Gruppe. Teilnehmende werden als Stellvertreter:innen für Mitglieder einer Familie oder eines Arbeitssystems in den Raum gestellt. So entsteht ein Bild der Beziehungen, das das innere Bild der ratsuchenden Person spiegeln soll. Die Aufstellungsleitung fragt die Stellvertretenden nach ihrem Befinden und erlaubt Positionswechsel. Aus dem veränderten Bild soll die Person neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten mitnehmen.
Im Einzelsetting stehen laut Fachverband statt Menschen etwa Figuren, Bodenanker oder Kissen für die Beteiligten. In einer randomisierten Studie dauerten die Aufstellungsseminare drei Tage, und Teilnehmende stellten entweder ein eigenes Anliegen auf oder beobachteten.
Woher kommt die Methode?
Als Begründer der Familienaufstellungen gilt Bert Hellinger, ein ehemaliger katholischer Priester und Missionar in Südafrika, der 2019 im Alter von 93 Jahren starb. Laut einem Fachinterview von 2003 führte er damals schon seit mehr als zehn Jahren Familienaufstellungen in publikumswirksamen Großveranstaltungen durch. Der deutsche Fachverband für Aufstellungsarbeit wurde im Jahr 2000 als Arbeitsgemeinschaft „nach Bert Hellinger“ gegründet und nennt sich heute Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen.
Warum steht das Familienstellen nach Hellinger in der Kritik?
Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie kritisierte Hellingers Vorgehen 2003 als „ethisch nicht vertretbar“ und „gefährlich für die Betroffenen“. Bemängelt wurde, dass Aufstellungen oft von Personen ohne psychotherapeutische Ausbildung und auf Großveranstaltungen stattfanden, ohne eine kontinuierliche Begleitung danach. Auch Hellingers feste Setzungen, über die es keine Diskussion gebe, hielt der damalige Vorsitzende für sehr problematisch. Zugleich betonte der Verband den Nutzen von Aufstellungen als therapeutische Methode.
Wie gut ist die Wirkung untersucht?
Eine randomisierte Studie mit 208 Erwachsenen aus der Allgemeinbevölkerung fand nach dreit ägigen Seminaren ein besseres psychisches Befinden als in einer Wartegruppe. In der Seminargruppe war die Verbesserung auch nach acht und zwölf Monaten noch messbar, ein Vergleich mit der Wartegruppe fehlte zu diesem Zeitpunkt aber. Eine Übersichtsarbeit von 2021 fand in 9 von 12 Studien Verbesserungen, bewertete Menge und Qualität der Belege aber als gering. In vier Studien berichteten 5 bis 8 % der Teilnehmenden leichte bis mittlere negative Auswirkungen, die möglicherweise mit der Aufstellung zusammenhingen.
Eine weitere randomisierte Studie mit 80 Personen fand 2024 für eine eintägige, an die Pandemie angepasste Form nur kleine Verbesserungen, die nach sechs Monaten großteils verschwunden waren. Eine 2026 als noch nicht begutachtete Vorabfassung veröffentlichte Übersicht fand keine verlässlichen Belege für einen Nutzen bei irgendeinem Beschwerdebild und stufte alle Studien als stark verzerrungsanfällig ein.
Wo liegen die Grenzen?
Die genannten randomisierten Studien untersuchten Menschen aus der Allgemeinbevölkerung und nicht Menschen mit diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Für deren Behandlung fehlen verlässliche Belege. Die Kritik betraf vor allem fehlende Ausbildung und fehlende Begleitung nach der Aufstellung. Auch der deutsche Fachverband nennt Erfahrung, eine qualifizierte Ausbildung und eine achtsame Haltung der Aufstellungsleitung als entscheidend. Der damalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie verlangte zudem, dass die leitende Person nach einer Aufstellung weiter zur Verfügung steht.