Was ist Rational-Emotive Therapie?
Die RET stellt Überzeugungen in den Mittelpunkt, mit denen Menschen bewerten, was ihnen geschieht. Sie unterscheidet rationale Überzeugungen, die flexibel, maßvoll und mit der Wirklichkeit vereinbar sind, von irrationalen, die starr, extrem und unlogisch sind. Irrationale Überzeugungen gelten als zentrale Quelle seelischer Belastung. Ziel ist, sie in rationale umzuwandeln, damit belastende Gefühle und ungünstiges Verhalten nachlassen.
Anders als andere kognitive Ansätze richtet sich die RET vor allem auf Bewertungen und weniger auf Schlussfolgerungen oder Beschreibungen einer Situation. Gemeint ist zum Beispiel nicht die Annahme „Ich werde scheitern“, sondern die Bewertung „Ich darf auf keinen Fall scheitern“.
Woher kommt die RET?
Nach Angaben des von ihm gegründeten Instituts wurde Albert Ellis 1913 in Pittsburgh geboren und promovierte 1947 in Klinischer Psychologie an der Columbia University. Zunächst arbeitete er als Psychoanalytiker. Weil er mit der Methode zunehmend unzufrieden war, gab er sie bis 1955 auf und arbeitete aktiver und direkter. Anregungen fand er bei Philosophen, besonders bei den Stoikern wie Epiktet.
1957 stellte Ellis seinen Ansatz zunächst als „Rational Therapy“ vor. Um die Bedeutung der Gefühle zu betonen, nannte er ihn später Rational-Emotive Therapie. In den 1990er-Jahren fügte er „Verhalten“ hinzu, englisch Rational Emotive Behavior Therapy (REBT). Ellis starb 2007.
Wie läuft eine RET ab?
Grundlage ist das sogenannte ABC-Modell. A steht für ein auslösendes Ereignis, B für die Überzeugungen (englisch beliefs) dazu und C für die Folgen, also Gefühle und Verhalten. Das Modell soll zeigen, dass nicht A unmittelbar zu C führt, sondern die Bewertung B dazwischen.
Als wichtigste irrationale Überzeugung gilt die absolute Forderung, etwas müsse unbedingt so sein. Dazu kommen drei weitere Bewertungen: etwas sei „schrecklich“, „nicht auszuhalten“ oder man selbst oder andere seien als ganze Person wertlos. Die rationale Gegenform ist ein Wunsch ohne Muss, etwa „Ich möchte Erfolg haben, aber ich muss nicht“.
Im nächsten Schritt, D für Disputieren, prüfen Therapeut:in und Klient:in eine Überzeugung kritisch. Gibt es Belege dafür? Ist sie logisch? Hilft sie weiter? Daraus wird gemeinsam eine neue, hilfreichere Überzeugung entwickelt, das E. Die RET betont, das Verhalten zu bewerten, aber die eigene Person und andere bedingungslos anzunehmen. Bei klar umrissenen Problemen kann sie kurz sein, bei vielschichtigen Problemen dauert sie länger.
Was sagt die Forschung?
Eine Übersichtsarbeit von 2018 wertete 84 Fachartikel aus. Sie fand im Vergleich mit Kontrollgruppen mittlere Effekte, bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ähnliche Ergebnisse wie andere psychologische Behandlungen oder Medikamente. Die Studien waren allerdings sehr unterschiedlich, und methodisch bessere Studien zeigten kleinere Effekte. Die Autor:innen fordern deshalb mehr strenge Studien.
Welche Rolle spielt die RET in Österreich?
Die RET ist in Österreich keine eigene anerkannte Psychotherapiemethode. Ihre Ideen leben in der kognitiven Verhaltenstherapie weiter, und die Verhaltenstherapie gehört hier zu den vier gesetzlich festgelegten Ausrichtungen der Psychotherapie. Laut Sozialministerium kamen nach der „kognitiven Wende“ der 1960er-Jahre vermehrt kognitive Theorien hinzu. Mehr dazu steht im Glossarbegriff „Verhaltenstherapie“.