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Ohrkerzen

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Auf den Punkt gebracht

Ohrkerzen sind hohle, mit Wachs überzogene Röhren, die mit einem Ende in den Gehörgang gesetzt und am anderen Ende angezündet werden. Angeboten werden sie vor allem, um Ohrenschmalz zu entfernen, aber auch bei Beschwerden wie Schnupfen, Migräne oder Stress. Eine Untersuchung fand weder den behaupteten Unterdruck noch eine Wirkung, HNO-Ärzt:innen meldeten dagegen Verletzungen. Ärztliche Fachquellen raten von Ohrkerzen ab.

Was sind Ohrkerzen?

Ohrkerzen sind hohle Röhren mit Wachsüberzug, die als komplementäre Methode für ganz unterschiedliche Beschwerden verwendet werden. Die Anwendung heißt auch Ohrkerzen-Therapie, im Englischen spricht man von „ear candling“, „ear coning“ oder „thermal-auricular therapy“. Dabei liegt die Person auf der Seite, die Kerze steckt im oben liegenden Ohr und wird am äußeren Ende angezündet.

Wärme und Sog sollen Ohrenschmalz aus dem Gehörgang ziehen. Beworben werden Ohrkerzen außerdem bei Beschwerden in Ohren und Nebenhöhlen, bei Schnupfen, Erkältung und Grippe, Migräne, gedämpftem Hören, Ohrgeräuschen und Stress.

Woher kommen Ohrkerzen?

Zur Herkunft der Methode gibt es in den Fachquellen keine gesicherten Angaben. Eine Übersichtsarbeit nennt Heiltraditionen aus China, Griechenland, Ägypten, Tibet und Nordamerika als Wurzeln, ohne dafür eigene Belege anzuführen. Als Hopi-Kerzen zählte ein Übersichtsartikel in der deutschen Fachzeitschrift HNO sie bereits 1997 zu den alternativen Behandlungsmethoden. Der Name verweist auf das Volk der Hopi in Nordamerika, eine Herkunft aus dessen Heilkunde nennt aber keine Fachquelle.

Wirken Ohrkerzen?

Für eine Wirkung von Ohrkerzen gibt es keine Belege. In einer US-amerikanischen Untersuchung von 1996 entstand in einem Modell des Gehörgangs kein Unterdruck. Bei acht behandelten Ohren wurde kein Ohrenschmalz entfernt, in manchen Ohren blieb sogar Kerzenwachs zurück.

Der Komplementärmedizin-Forscher Edzard Ernst bewertete die angenommene Wirkweise 2004 als nicht plausibel und nachweislich falsch. Daten, die eine Wirksamkeit bei irgendeiner Erkrankung zeigen, gebe es nicht. Allerdings wurde zu Ohrkerzen nur wenig geforscht. Die ärztliche Empfehlung, davon abzuraten, stützt sich auf einen Laborversuch, eine kleine Fallserie und eine Umfrage.

Die US-amerikanische Leitlinie der HNO-Fachgesellschaft zu Ohrenschmalz empfiehlt Ärzt:innen, von Ohrkerzen abzuraten, sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung eines Ohrenschmalzpfropfs. Auch das MSD Manual hält Ohrkerzen für unwirksam und rät dringend davon ab.

Welche Risiken haben Ohrkerzen?

Ohrkerzen können das Ohr verletzen. In einer Umfrage von 1996 unter 122 HNO-Ärzt:innen wurden 21 Verletzungen durch Ohrkerzen gemeldet. Als mögliche Folgen nennen Fachartikel Verbrennungen, einen Verschluss des Gehörgangs durch Kerzenwachs, Löcher im Trommelfell und Entzündungen des äußeren Gehörgangs.

Fallberichte beschreiben etwa eine Hörminderung nach der Anwendung und weiße Ablagerungen auf dem Trommelfell eines vierjährigen Mädchens. Schon 2004 kam Edzard Ernst zu dem Schluss, dass Ohrkerzen mehr schaden als nützen.

Was hilft bei Ohrenschmalz?

Meist muss Ohrenschmalz gar nicht entfernt werden, denn es schützt die Haut im Gehörgang und unterstützt die Selbstreinigung des Ohres. Es umhüllt Schmutz und Staub, die feine Härchen dann zur Ohrmuschel befördern. Die US-Leitlinie rät, Ohrenschmalz ohne Beschwerden nicht routinemäßig zu behandeln, solange sich das Ohr gut untersuchen lässt.

Bei vermehrter Bildung oder falscher Reinigung, etwa mit Wattestäbchen, kann sich ein Pfropf bilden. Er kann schmerzhaft drücken oder das Hören vorübergehend verschlechtern. Das österreichische Gesundheitsportal rät, einen solchen Pfropf von HNO-Ärzt:innen entfernen zu lassen. Wattestäbchen, Haarklammern, Ohrkerzen und ähnliche Gegenstände schieben das Ohrenschmalz meist nur tiefer und können das Trommelfell verletzen. Ärzt:innen weichen es stattdessen mit Tropfen auf, spülen es aus oder entfernen es mit Instrumenten oder durch Absaugen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (10)