balancio

Neurofeedback

04:36

Auf den Punkt gebracht

Neurofeedback ist eine Form des Biofeedbacks, bei der Elektroden auf der Kopfhaut die Hirnströme messen und am Bildschirm zurückmelden. Ziel ist es, die eigene Hirnaktivität durch Übung gezielt zu beeinflussen. Bei ADHS ist sein Nutzen umstritten.

Was ist Neurofeedback?

Beim Neurofeedback wird meist die elektrische Aktivität des Gehirns mit einem EEG aufgezeichnet. Ein Computer wandelt die Messwerte in ein Bild- oder Tonsignal um, zum Beispiel in ein Objekt, das sich über den Bildschirm bewegt. Die Aufgabe besteht darin, dieses Signal mit bestimmten gedanklichen Strategien in die gewünschte Richtung zu lenken.

Hinter dem Verfahren steht die Idee, dass sich die Selbstregulation der Hirnaktivität trainieren lässt. Neuere Varianten, die statt der Hirnströme die Durchblutung des Gehirns messen, etwa mit funktioneller Magnetresonanztomografie, werden derzeit erforscht.

Woher kommt Neurofeedback?

Neurofeedback entstand in den 1960er-Jahren gemeinsam mit dem Biofeedback. Als Vater des modernen Neurofeedbacks gilt vielen der Forscher Joe Kamiya. Er zeigte, dass manche Menschen lernen können, mithilfe einer Tonrückmeldung einen entspannten „Alpha-Zustand“ der Hirnströme willentlich herbeizuführen.

1965 entdeckte der Schlafforscher Sterman zufällig, dass Katzen lernen konnten, einen bestimmten schnellen Hirnrhythmus zu erzeugen. Später zeigte sich, dass diese Tiere weniger anfällig für künstlich ausgelöste Krampfanfälle waren. Das regte Versuche bei Epilepsie an. 1976 berichteten die Forschenden Lubar und Shouse erstmals über Neurofeedback bei einem Kind mit Hyperaktivität ohne Epilepsie.

Wie läuft ein Training ab?

Während des Trainings sitzt die Person ruhig vor einem Bildschirm, oft zwei- bis dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten. Veränderungen der Hirnaktivität in die gewünschte Richtung werden sofort belohnt, etwa mit Punkten in einem Computerspiel.

Die deutsche ADHS-Leitlinie verlangt dafür gut untersuchte Standardprotokolle. Dazu zählen das Training des Verhältnisses von Theta- zu Betawellen, des sensomotorischen Rhythmus und der langsamen Hirnpotenziale. Trainiert werden soll mindestens 25 bis 30 Sitzungen lang, mit Übungen, die das Gelernte in den Alltag übertragen. Ob sich die Fortsetzung lohnt, soll regelmäßig gemeinsam überprüft werden.

Hilft Neurofeedback bei ADHS?

Ob Neurofeedback bei ADHS hilft, ist unter Fachleuten umstritten. Das IQWiG schreibt, es sei unklar, was Eltern und Kinder davon erwarten können. In Studien berichten vor allem Eltern, die von der Behandlung wissen, über Besserungen. Wird die Wirkung von Personen beurteilt, die vermutlich nicht wissen, wer trainiert hat, verschwindet der Effekt weitgehend.

Eine Auswertung von 38 Studien mit 2.472 Teilnehmenden kam 2025 zu dem Schluss, dass Neurofeedback die ADHS-Beschwerden im Durchschnitt nicht nennenswert verringert. Nur Studien mit Standardprotokollen zeigten eine kleine Besserung. Die deutsche S3-Leitlinie sieht Neurofeedback nur als Ergänzung im Rahmen eines Behandlungsplans vor, bei Kindern über sechs Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen. Es darf eine wirksamere Behandlung nicht verzögern oder ersetzen. Methylphenidat wirkt laut Leitlinie besser auf die Kernbeschwerden.

Wo liegen die Grenzen?

Ein großer Teil der beobachteten Besserungen könnte laut Leitlinie auf unspezifische Effekte zurückgehen. Genannt werden etwa Belohnung, mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Üben, ruhig zu sitzen. Protokolle nach einer sogenannten QEEG-Analyse mit anderen Frequenzen und Elektrodenpositionen sollen nicht verwendet werden. Für das Training zu Hause reicht die Studienlage bisher nicht für eine Empfehlung.

Meist wird angenommen, dass Neurofeedback keine Nebenwirkungen hat. Gezielt untersucht haben das allerdings nur wenige Studien, und dort zeigten sich keine Sicherheitsprobleme. Durchführende sollen laut Leitlinie ADHS klinisch verstehen und neurophysiologische sowie verhaltenstherapeutische Kenntnisse haben. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Ist diese Leistung interessant für dich?

Finde Spezialist:innen, die Neurofeedback explizit als Leistung in ihrem Profil angegeben haben.

Quellen (8)