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Entstauungsmassage

04:50

Auf den Punkt gebracht

Entstauungsmassage ist kein Begriff der Fachsprache. Gemeint ist in der Regel die manuelle Lymphdrainage, eine Massagetechnik, die gestaute Flüssigkeit aus geschwollenem Gewebe abtransportieren soll. Fachlich ist sie ein Baustein der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. Allein angewendet hält ihre Wirkung nur kurz an, deshalb gehört die Kompression fest dazu.

Was ist eine Entstauungsmassage?

Das Wort benennt ein Ziel: Eine Schwellung soll zurückgehen. Die Tiroler Landesinnung der Masseur:innen beschreibt die manuelle Lymphdrainage als entstauende Technik mit sanften, rhythmischen, hautverschiebenden Griffen. Die deutschsprachige Leitlinie zum Lymphödem verwendet das Wort Entstauungsmassage nicht. Sie spricht von manueller Lymphdrainage und von komplexer physikalischer Entstauungstherapie, kurz KPE.

Warum reicht die Massage allein nicht?

Die Leitlinie rät davon ab, die einzelnen Bausteine der KPE isoliert anzuwenden. Lymphdrainage allein eignet sich demnach nicht, um ein Lymphödem zu behandeln und seinen Komplikationen vorzubeugen. Eine Behandlung des ganzen Körpers verringert die Schwellung zwar unmittelbar danach etwas, ohne Kompression nimmt sie aber innerhalb weniger Stunden wieder zu.

Auch umgekehrt geht die Rechnung nicht auf. Bei manchen Lymphödemen kann eine Kompression nur von Arm oder Bein die Schwellung am Ansatz der Gliedmaße verstärken. Lymphdrainage und Kompression ohne Hautpflege können wiederum die Haut schädigen, bis hin zu einer Wundrose (Erysipel).

Wie läuft eine Entstauungstherapie ab?

Die KPE verläuft in zwei Phasen. In der ersten soll die angesammelte Flüssigkeit aus dem Gewebe gebracht werden. Dafür werden alle Bausteine möglichst ein- bis zweimal täglich angewendet, ambulant oder stationär in spezialisierten Einrichtungen. Je nach Stadium dauert diese Phase meist bis zu drei oder vier Wochen. Bei fortgeschrittenen Lymphödemen kann sie bis zu fünf Wochen dauern und gelingt dann in der Regel nur stationär.

In der zweiten Phase soll das Erreichte erhalten und verbessert werden. Die Bausteine werden dann dem Befund angepasst, häufig über Jahre. Nimmt die Schwellung wieder zu, kann die erste Phase wiederholt werden.

Ergänzend gibt es eine apparative Entstauung. Dabei wird eine Manschette um Arm oder Bein gelegt und mit wechselndem Druck aufgepumpt. Für eine Empfehlung reicht die Datenlage laut Leitlinie bisher nicht aus.

Wann wird entstaut?

Das wichtigste Einsatzgebiet ist das Lymphödem. Bei Schwellungen nach Operationen oder Verletzungen empfiehlt die Leitlinie die Lymphdrainage als Teil der KPE zusätzlich zur übrigen Behandlung.

Anders liegt der Fall beim Lipödem, einer schmerzhaften Störung der Fettverteilung an Armen und Beinen, die fast nur Frauen betrifft. Die Lipödem-Leitlinie sieht die KPE hier vor, wenn zusätzlich Ödeme mit anderer Ursache bestehen. Lindert Kompression die Schmerzen nicht ausreichend, kann Lymphdrainage kombiniert mit anderen Techniken dazukommen. Ziel ist dann nicht ein geringeres Volumen der Gliedmaßen, sondern weniger Schmerz.

Woher kommt die Entstauungstherapie?

Die Lymphdrainage nach Vodder war ursprünglich nicht für Lymphödeme gedacht. Als erster Arzt setzte sie laut dem Lymphologen Michael Földi ein Mediziner namens Asdonk bei Lymphödemen ein. Bei verhärteten Ödemen reichten die Griffe aus seiner Sicht nicht aus, deshalb ergänzte er eigene „Ödemgriffe“. Später kamen Kompression, Bewegungsübungen und Hautpflege hinzu, die bei Lymphödemen schon im 19. Jahrhundert angewendet wurden.

Worauf ist zu achten?

Die Leitlinie nennt Situationen, in denen die KPE nicht angewendet wird. Bei einer nicht ausgeglichenen Herzschwäche kann das Ausschwemmen der Ödeme das Herz zusätzlich belasten. Von einer akuten tiefen Beinvenenthrombose kann eine Lungenembolie ausgehen, die Lymphdrainage soll deshalb erst nach einer Gefäßuntersuchung beginnen. Eine Wundrose wird zuerst mit Antibiotika behandelt. Auch bei großflächig offenen Hauterkrankungen ist die KPE ausgeschlossen, bei einer weit fortgeschrittenen arteriellen Durchblutungsstörung zumindest in der betroffenen Gliedmaße.

Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Zu Heilzwecken zählt die Lymphdrainage zu den Spezialmassagen, die medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen nach ärztlicher Anordnung durchführen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (6)