Affektregulation, auch Emotionsregulation genannt, beschreibt, wie Menschen beeinflussen, welche Gefühle sie haben, wie stark und wie lange sie diese erleben und wie sie sie zeigen. Das kann bewusst oder automatisch geschehen. Schwierigkeiten damit spielen bei vielen psychischen Erkrankungen eine Rolle.
Was ist Affektregulation?
Das Wort „Affekt“ kommt vom lateinischen affectus für Gemütszustand oder Gemütsbewegung. Fachtexte verwenden Affekt- und Emotionsregulation oft nebeneinander, etwa die deutsche S3-Leitlinie zur Posttraumatischen Belastungsstörung. Gefühle lassen sich dabei abschwächen, aufrechterhalten oder verstärken. In der Forschung geht es aber meist darum, belastende Gefühle zu verringern.
Wie regulieren Menschen ihre Gefühle?
Nach dem Prozessmodell des Psychologen James J. Gross setzen Strategien früh oder spät an. Früh heißt, bevor sich ein Gefühl voll entfaltet hat, spät heißt, wenn es schon da ist. Ein frühes Beispiel ist die Neubewertung, bei der eine Situation anders gedeutet wird. Ein spätes Beispiel ist das Unterdrücken, bei dem man sich nach außen nichts anmerken lässt. In Studien verringerte Neubewertung oft auch das Gefühlserleben, Unterdrücken dagegen nur den sichtbaren Ausdruck.
Wann wird Affektregulation zum Thema?
Schwierigkeiten mit der Gefühlsregulation gelten in der Forschung als gemeinsamer Faktor vieler psychischer Störungen. Eine Metaanalyse fand etwa einen starken Zusammenhang zwischen Grübeln und Beschwerden bei Angst- und Depressionserkrankungen, Essstörungen und Substanzabhängigkeit. Bei der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung nach der ICD-11 ist eine gestörte Affektregulation eines der zusätzlichen Kennzeichen.
In Psychotherapien wird der Umgang mit Gefühlen deshalb oft gezielt bearbeitet. Eine Übersichtsarbeit mit 67 Studien fand, dass Regulationsschwierigkeiten nach psychologischer Behandlung bei verschiedenen Erkrankungen fast durchwegs abnahmen, parallel zu den Beschwerden.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.