Die selbstzerstörerische Persönlichkeitsstörung ist keine anerkannte Diagnose. Gemeint ist eine Kategorie, die in den 1980er-Jahren für ein amerikanisches Diagnosehandbuch vorgeschlagen und später mangels Belegen wieder fallen gelassen wurde.
Was war damit gemeint?
Im Englischen hieß die Kategorie „self-defeating personality disorder“, etwa „sich selbst schadende Persönlichkeitsstörung“. Eine Arbeitsgruppe der amerikanischen Psychiatrie schlug sie 1985 zunächst als „masochistische Persönlichkeitsstörung“ vor. In die überarbeitete Ausgabe des Diagnosehandbuchs DSM-III-R kam sie nur in den Anhang, also nicht als offizielle Diagnose.
Beschrieben wurden Menschen, die immer wieder Entscheidungen treffen, die zu Enttäuschung, Scheitern oder schlechter Behandlung führen. Als typisch galt auch, Gelegenheiten zur Freude auszuschlagen.
Warum gibt es die Diagnose nicht mehr?
Die Kategorie war schon bei ihrer Entstehung eine der großen Streitfragen. Kritisiert wurde unter anderem, dass sie normale Reaktionen auf Gewalt- und Missbrauchserfahrungen als Störung missdeuten könnte. Die Kriterien wurden deshalb noch vor der Veröffentlichung angepasst.
Studien zeigten zudem starke Überschneidungen mit anderen Persönlichkeitsstörungen, etwa der Borderline- und der abhängigen Persönlichkeitsstörung. Wegen fehlender Belege für ihre Gültigkeit wurde die Kategorie aus dem Handbuch wieder entfernt. Auch die Klassifikationen der Weltgesundheitsorganisation WHO führen sie nicht. Was eine Persönlichkeitsstörung heute ausmacht, beschreibt der Glossarbegriff „Persönlichkeitsstörung“.
Wer sich selbst verletzt oder an Suizid denkt, findet rund um die Uhr Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 142. Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Im Notfall hilft die Rettung unter 144.
Wichtiger Hinweis
Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.