Was ist Reiki?
Das japanische Wort Reiki wird mit „universale Lebensenergie“ übersetzt. Bei einer Sitzung ruht die empfangende Person bekleidet im Sitzen oder Liegen. Die anwendende Person legt ihre Hände nacheinander in verschiedenen Positionen leicht auf oder knapp über den Körper. Gesprochen wird dabei meist wenig, eine Sitzung dauert etwa 30 bis 90 Minuten.
Das MSD Manual ordnet Reiki den sogenannten Energietherapien zu. Die anwendende Person soll dabei Lebensenergie durch ihre Hände leiten und in den Körper einfließen lassen. Solche Therapien beruhen auf der Vorstellung einer universellen Lebenskraft in und um den Körper. Für deren Existenz gibt es laut MSD Manual allerdings kaum wissenschaftliche Belege. Auch wie Reiki wirken soll, ist nicht nachgewiesen.
Kann man Reiki bei sich selbst anwenden?
Ja, Reiki wird auch als Selbstanwendung geübt. Dabei legt die übende Person ihre Hände sanft nacheinander auf verschiedene Stellen des eigenen Körpers. Die Ausbildung umfasst üblicherweise drei Grade bis zum Meistergrad, und in allen gilt die Selbstanwendung als Grundlage. Auch für diese Form gibt es bislang keine gesicherten wissenschaftlichen Belege.
Woher kommt Reiki?
Reiki entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan und geht auf Mikao Usui zurück. Usui war ein langjähriger Anhänger des Tendai-Buddhismus und legte Menschen die Hände auf, um ihnen nach seiner Vorstellung Energie zu übertragen. Über Hawaii gelangte Reiki später in die USA, nach Europa kam es in den 1980er-Jahren.
Was sagt die Forschung?
Aussagekräftige Studien zu Reiki sind selten, ihre Ergebnisse sind uneinheitlich. Eine Cochrane-Übersicht von 2015 suchte nach Studien zu Reiki bei Angst und Depression. Sie fand nur drei Studien mit sehr wenigen betroffenen Teilnehmenden und einem meist unklaren oder hohen Verzerrungsrisiko. Die Belege reichten nicht aus, um zu sagen, ob Reiki hilft oder schadet. Eine spätere Übersichtsarbeit von 2022 mit 14 placebokontrollierten Studien berichtete für einige seelische Beschwerden bessere Ergebnisse als mit einer Scheinbehandlung. Auch sie stufte die Ergebnisse wegen der geringen Studienzahl jedoch als nicht schlüssig ein.
Das US-amerikanische Zentrum für Komplementärmedizin (NCCIH) fasst zusammen, dass Reiki für keinen gesundheitlichen Zweck klar als wirksam erwiesen ist. Die meisten Studien seien nicht von hoher Qualität, ihre Ergebnisse widersprüchlich. Das österreichische Gesundheitsportal weist allgemein darauf hin, dass ein empfundener Nutzen komplementärer Behandlungen auch auf dem Placeboeffekt beruhen kann.
Wo liegen die Grenzen?
Reiki kann eine notwendige medizinische Behandlung nicht ersetzen. Das Gesundheitsportal betont allgemein, dass komplementärmedizinische Verfahren kein Ersatz für gut untersuchte medizinische Behandlungen sind. Sie können schaden, wenn sie statt einer notwendigen wirksamen Therapie angewendet werden. Bei Krebs etwa kann ein Hinauszögern wirksamer Behandlung die Überlebenschancen verringern. Schädliche Wirkungen von Reiki selbst sind bisher nicht nachgewiesen.
Das Gesundheitsministerium empfiehlt, solche Anwendungen bei einer Erkrankung nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt zu nutzen. Krankheiten festzustellen und zu behandeln ist in Österreich vor allem Ärzt:innen vorbehalten. Wer keinen gesetzlich geregelten Gesundheitsberuf ausübt, darf keine Kranken behandeln.