balancio

Patientenzentrierte Gesprächsführung

02:55

Auf den Punkt gebracht

Patientenzentrierte Gesprächsführung bedeutet, Gespräche in der Gesundheitsversorgung partnerschaftlich und „auf Augenhöhe“ zu führen. Neben der fachlichen Sicht der Gesundheitsberufe zählen dabei die Anliegen, Sorgen und Wünsche der Patient:innen. Die nötigen Fertigkeiten gelten als lehr- und lernbar.

Was ist patientenzentrierte Gesprächsführung?

Sie verbindet zwei Blickwinkel zu einem gemeinsamen Verständnis: die Fachperspektive von Ärzt:innen, Pflege und anderen Gesundheitsberufen und die Perspektive der Patient:innen mit ihren Vorstellungen, Ängsten und Erwartungen. Die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz nennt als Aufgaben unter anderem, eine Beziehung aufzubauen, zuzuhören und Informationen an das Gegenüber anzupassen. Patient:innen sollen aktiv am Gespräch beteiligt sein und gemeinsam mit der Fachperson eine Entscheidung finden. Was genau darunter fällt, ist in der Fachliteratur allerdings nicht einheitlich bestimmt.

Woher kommt der Begriff?

Der Ausdruck „patientenzentriert“ wird meist auf den Psychoanalytiker Michael Balint zurückgeführt, der in den 1950er-Jahren mit Hausärzt:innen in England arbeitete. Er grenzte ihn vor allem von einer rein biologisch auf die Krankheit ausgerichteten Medizin ab. „Personzentriert“ wird manchmal gleichbedeutend verwendet, stammt aber aus der Psychotherapie von Carl R. Rogers und hat damit andere Wurzeln.

Wie wird sie gelernt?

Gelernt wird sie in praxisnahen Trainings: Die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz empfiehlt Übungen, in denen Gesundheitsberufe schwierige Gespräche mit Schauspielpatient:innen durchspielen und Rückmeldung bekommen. Österreich hat dafür 2016 eine Strategie für eine patientenzentrierte Kommunikationskultur in der Krankenversorgung entwickelt. Laut Sozialministerium liegt die Gesprächsqualität hierzulande nach europaweiten Befragungen hinter dem EU-Durchschnitt.

Was weiß man über die Wirkung?

Das Sozialministerium nennt positive Wirkungen guter Gesprächsqualität auf Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten und Zufriedenheit der Patient:innen. Eine Cochrane-Übersicht von 2012 mit 43 randomisierten Studien zeigt, dass sich die Fertigkeiten durch Schulungen vermitteln lassen. Bei Zufriedenheit, Gesundheitsverhalten und Gesundheitszustand fand sie jedoch gemischte Ergebnisse. In einem Fachbeitrag von 2023 wird kritisch angemerkt, dass sich Patient:innen mit Entscheidungen allein gelassen fühlen können, wenn das Fachwissen zu sehr in den Hintergrund rückt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

Quellen (6)