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Hydrotherapie

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Auf den Punkt gebracht

Hydrotherapie ist die Behandlung mit Wasser, etwa in Form von Bädern, Güssen, Waschungen oder Wickeln. Die eng verwandte Balneotherapie arbeitet mit Bädern und natürlichen Heilvorkommen wie Heilwasser oder Moor. Bekannt wurde die Wasserbehandlung im 19. Jahrhundert vor allem durch Vinzenz Prießnitz und Sebastian Kneipp.

Was ist Hydrotherapie?

Hydrotherapie bezeichnet eine Heilbehandlung, bei der Wasser in Form von Bädern, Waschungen, Güssen oder Dämpfen angewendet wird. Das Wort leitet sich vom griechischen „hydor“ für Wasser ab. Die Wassertherapie zählt zur physikalischen Therapie, die mit Reizen wie Wärme und Kälte arbeitet.

Warmes Wasser erwärmt die Körperoberfläche. Wärme erhöht den Blutfluss, macht das Bindegewebe dehnbarer und kann Muskelkrämpfe und Gelenksteifheit verringern. Kaltes Wasser setzt dagegen einen Kältereiz, wie er etwa für die Kneipp-Anwendungen typisch ist.

Was ist der Unterschied zur Balneotherapie?

Balneotherapie bedeutet Heilbehandlung durch Bäder, die Vorsilbe „balneo-“ steht für Bad. Sie gehört zu den ältesten Behandlungsformen bei Gelenkerkrankungen. Das österreichische Berufsrecht fasst beide Begriffe zusammen. Zur „Hydro- und Balneotherapie“ zählen dort natürliche Heilvorkommen wie Heilwasser und Peloide, außerdem medizinische Bäder und Unterwassermassagen.

Peloide sind etwa Heilmoor oder Heilschlamm. Welche Quellen und Peloide als Heilvorkommen gelten, ist gesetzlich geregelt. In der Steiermark etwa erteilt die Landesregierung die Anerkennung mit Bescheid.

Woher kommt die Hydrotherapie?

Einen großen Anstoß gab Vinzenz Prießnitz (1799–1851), ein Kleinbauer aus Gräfenberg im damaligen Österreichisch-Schlesien. Ab den 1820er-Jahren weckte er weltweit Interesse für seine Wasserkuren. Er arbeitete mit Umschlägen, Teil- und Vollbädern, Duschen und Kaltwasserkuren, gestützt allein auf Beobachtung. Die Anregungen aus Gräfenberg erreichten auch die Wiener Medizinische Schule. Dort lehrte ab 1864 Wilhelm Winternitz Hydrotherapie, er gilt als „Vater der wissenschaftlichen Hydrotherapie“.

Noch bekannter wurde der bayerische Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897), der ab 1855 in Wörishofen wirkte. Als junger Mann an Tuberkulose erkrankt, behandelte er sich nach einem Büchlein über Kaltwasserkuren selbst. Sein Kennzeichen wurden Güsse, die er mit einer einfachen Gießkanne verabreichte. Sein Buch „Meine Wasserkur“ wurde in viele Sprachen übersetzt. Die Kneipp-Lehre kennt über hundert Wasseranwendungen und ergänzt sie um Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und eine geordnete Lebensweise.

Was sagt die Forschung?

Die Studienlage ist je nach Anwendung unterschiedlich. Für Bewegungsübungen im Wasser bei Knie- und Hüftarthrose zeigt ein Cochrane-Review kleine, kurzfristige Verbesserungen bei Schmerzen und Beweglichkeit im Alltag. Bei chronischer Venenschwäche verbessern Bäder die Beschwerden laut Cochrane wahrscheinlich leicht, verglichen mit keiner Behandlung. Bei rheumatoider Arthritis reichen die Belege für einen Nutzen nicht aus.

Für die Kneipp-Hydrotherapie fand eine Übersicht von 2023 zwanzig Studien. Nur ein Teil der Vergleiche zeigte Vorteile, die meisten keinen Unterschied. Eine Wiener Übersichtsarbeit von 2026 kommt zu dem Schluss, dass für die Kneipp-Medizin als Gesamtkonzept hochwertige Studien fehlen.

Worauf ist zu achten?

Bei Wärme- und Kälteanwendungen ist Vorsicht nötig, um Verbrennungen und Kälteschäden zu vermeiden. Oberflächliche Wärme wird bei verminderter Hautempfindung nicht angewendet. Kälte kommt nicht auf schlecht durchblutetes Gewebe, etwa bei Arterien, die durch eine Gefäßerkrankung verengt sind, und eine Unterkühlung ist zu vermeiden.

Wer bietet Hydrotherapie in Österreich an?

Hydro- und Balneotherapie zu Heilzwecken ist in Österreich eine Spezialqualifikation für medizinische Masseur:innen und Heilmasseur:innen. Sie arbeiten dabei nach ärztlicher Anordnung und dürfen die Zusatzbezeichnung „medizinische Bademeisterin“ bzw. „medizinischer Bademeister“ führen. Auch Physiotherapeut:innen setzen ergänzend Wärme- oder Kälteanwendungen ein. Gewerbliche Masseur:innen lernen in ihrer Fachausbildung ebenfalls Balneologie und Kurmittelanwendungen, arbeiten laut Wirtschaftskammer aber nicht zu therapeutischen Zwecken.

Bäder und Heilvorkommen spielen zudem bei einer Kur eine Rolle. Einen Kuraufenthalt beantragt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt bei der Sozialversicherung, er dauert in der Regel 22 Tage. Ein Rechtsanspruch darauf besteht nicht, und es fällt ein einkommensabhängiger Selbstbehalt an.

Wichtiger Hinweis

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets qualifizierte Spezialist:innen konsultieren.

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Quellen (23)